Berufsstart ausgebremst: Azubis und Studierende im Lern-Lockdown

Wie junge Erwachsene in der Pandemie ins Berufsleben starten und was jetzt für ihre psychische Gesundheit wichtig ist.

Endlich auf eigenen Füßen stehen, neue Leute kennenlernen, auf Reisen gehen – nach der Schule wollen junge Erwachsene vor allem eins: durchstarten. Doch das Coronavirus hat den Freiheitsdrang von Azubis und Studierenden ausgebremst und stellt sie auch jetzt noch vor völlig neue Herausforderungen. Welche sind das? Welche möglichen Auswirkungen haben sie? Und was können junge Leute jetzt tun, um mit der neuen Situation umzugehen? Dazu geben wir wertvolle Tipps.

Welche Herausforderungen sind durch Corona entstanden?

Der Beginn der Ausbildung oder des Studiums ist der Start in eine neue Lebensphase – eine aufregende Zeit, in der sich vieles verändert und in der das Erleben von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung besonders wichtig ist. Die Corona-Pandemie hat diese Lebensphase verändert und die Möglichkeiten von Azubis und Studierenden eingeschränkt: Arbeiten und Lernen finden vor allem zu Hause vor dem Laptop statt, persönliche Begegnungen sind kaum möglich – statt im Büro, in der Mensa oder im Hörsaal trifft man sich in der Videokonferenz. Das führt zu der Herausforderung für junge Leute, Lernen und Arbeiten weitgehend allein zu bewältigen und sich immer wieder selbst dazu zu motivieren. Wer die Ausbildung oder das Studium schon abgeschlossen hat und sich bewirbt, stellt fest, dass weniger freie Stellen zur Auswahl stehen und die Zahl der Mitbewerbenden entsprechend höher ist. Unter diesen Bedingungen positiv in die Zukunft zu blicken, fällt da nicht immer leicht.

Welche Auswirkungen hat Corona bei Berufsanfängern?

Psychologen berichten vermehrt über Azubis und Studierende, die emotional belastet sind. Diplom-Psychologin Debora Peine und Diplom-Psychologe Silvio Paasch sprechen im Interview mit der SBK davon, dass sich junge Leute häufig isoliert und überfordert fühlen. Diese Beobachtung wird von zwei Studierenden bestätigt, mit denen die SBK gesprochen hat. Die beiden 22-Jährigen erzählen unter anderem, wie wichtig ihnen das echte Miteinander ist und wie sehr sie es vermissen: „Das schlägt auf die Stimmung.“ Wenn darüber hinaus bei einigen der Nebenjob wegfällt, der das Studium finanziert, steht die gesamte Ausbildung infrage.

Neben diesen belastenden Auswirkungen der Corona-Pandemie gibt es aber auch Entwicklungen, die positiv bewertet werden. So erzählt Diplom-Psychologin Debora Peine, dass es Studierende gibt, die weniger nervös sind, wenn ihre Prüfung im Rahmen einer Videokonferenz stattfindet. Zudem begrüßen unsere beiden Studierenden das mobile Arbeiten, das pandemiebedingt zum Alltag geworden ist: Sie freuen sich, dass bei diesem Thema ein Bewusstseinswandel stattfindet und dass sich viele neue Chancen für das spätere Berufsleben ergeben – zum Beispiel die Freiheit, selbst bestimmen zu können, wann und wo man arbeitet.

Wie können Berufsanfänger die Corona-Situation meistern?

Eine gute Voraussetzung, um als Berufsanfänger mit den Herausforderungen der Pandemie umzugehen, besteht in der zunehmenden Offenheit, über Probleme zu reden und sich Unterstützung zu suchen. Denn belastende Gedanken und Gefühle lassen sich leichter verarbeiten, wenn Betroffene sie in Worte fassen können. Die Psychologen Paasch und Peine geben im Interview viele weitere Tipps, was junge Leute für ihr Wohlbefinden tun können:

  • Selbstakzeptanz: anerkennen, dass man nicht immer Spitzenleistungen erbringen kann
  • Selbstfürsorge: auf gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung achten
  • Ausgleich: ausprobieren, was am besten entspannt, zum Beispiel einem alten oder neuen Hobby nachzugehen
  • Austausch: Kontakt zu anderen aufrechterhalten und sich digital oder im Freien treffen

Wer das Gefühl hat, dass darüber hinaus Unterstützung sinnvoll sein könnte, sollte sich diese auch holen. Dazu gibt es zum Beispiel an den meisten Hochschulen psychologische Beratungsstellen, denn auch unabhängig von der Pandemie können immer wieder Belastungssituationen auftreten, ausgelöst zum Beispiel durch Leistungsdruck. In diesen Beratungsstellen können Studierende ihre Gefühle schildern und sich klar darüber werden, wie es weitergehen soll. Auch psychologische Onlineangebote wie Selfapy eignen sich, um Lösungen für die aktuelle Lebenssituation zu entwickeln. Ob langfristig vielleicht eine Psychotherapie ratsam ist, können Berufseinsteiger am besten mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprechen.

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