Boreout – so wirken Sie Unterforderung im Beruf entgegen

Die häufigsten Fragen rund um das Boreout-Syndrom – Psychotherapeutin Verena Schmitz hat Antworten.

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An einem Arbeitstag mal etwas weniger zu tun haben: Das empfinden wahrscheinlich viele Menschen als positiv und entspannend. Ist man jedoch ständig unterfordert und langweilt sich regelmäßig, kann das belastend sein und sogar zu einem Boreout führen – übersetzt bedeutet das „ausgelangweilt sein“. Erstmals aufgetaucht ist der Begriff im Jahr 2007: im Buch „Diagnose Boreout“ der beiden Schweizer Autoren Philippe Rothlin und Peter R. Werder. Woran man ein Boreout erkennt und wie man einem Boreout vorbeugt, weiß Verena Schmitz. Sie ist psychologische Psychotherapeutin für Verhaltenstherapie bei HelloBetter, das Online-Therapieprogramme anbietet.

Was ist ein Boreout-Syndrom? Welche Symptome sind typisch für ein Boreout?

Zeigen Betroffene mehrere Boreout-Symptome gleichzeitig, spricht man vom Boreout-Syndrom. Es ist – genau wie das weitaus bekanntere Burnout-Syndrom – nicht als Krankheitsdiagnose anerkannt und kann ebenfalls Stress oder gar Depressionen auslösen. „Neben anhaltender Unzufriedenheit und großer Langeweile leiden Betroffene eines Boreouts häufig auch an Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Schlafproblemen oder Interessenverlust. Sie ziehen sich sozial zurück. Das berufliche Boreout kann sogar ins Privatleben hineinwirken“, erklärt Verena Schmitz.

Am Arbeitsplatz zeigen vom Boreout Betroffene zwei zentrale Verhaltensweisen. So lenken sich viele einerseits ab, um den Tag trotzdem zu füllen: Sie surfen im Internet, telefonieren oder erledigen private Dinge. Andererseits täuschen sie darüber hinaus häufig ein hohes Arbeitspensum vor, indem sie Aufgaben unnötig in die Länge ziehen und Überstunden machen. „Dahinter steckt meist die Angst, aufgrund der chronischen Unterbeschäftigung den Job zu verlieren“, weiß die Psychotherapeutin.

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Unsere Expertin

Verena Schmitz

Psychologische Psychotherapeutin für Verhaltenstherapie

Welche Ursachen kann ein Boreout haben?

Ein Boreout entsteht, wenn den Betroffenen die Sinnhaftigkeit an der Arbeit fehlt: Sie haben das Gefühl, keinen Mehrwert zu leisten, nicht ausgelastet zu sein. Häufig stellen sie sich dann die Frage „Warum mache ich das überhaupt?“. „Menschen mit Boreout fehlt es in vielen Fällen an Anerkennung und Wertschätzung, sie verlieren dann letztlich die Motivation an der Arbeit“, sagt die Expertin. Die Gründe dafür sind vielfältig: Manchmal haben Beschäftigte und Vorgesetzte unterschiedliche Erwartungen, manchmal müssen die Betroffenen acht Stunden Arbeitszeit ableisten, obwohl sie ihre Arbeit in sechs Stunden erledigen könnten. Dann sitzen sie die Zeit ab, langweilen sich und haben vielleicht das Gefühl, nicht genug zu tun. „In einigen Fällen sind es auch die eigenen hohen Erwartungen, die im Weg stehen. Menschen, die beispielsweise übermäßig viel leisten wollen, aber scheinbar nie die Gelegenheit dazu bekommen, können sich gelangweilt und nutzlos fühlen. Der Vergleich mit vermeintlich stärker ausgelasteten Kolleginnen und Kollegen kann dann zusätzlich belasten und zum Boreout führen“, meint sie weiter.

Wie können Betroffene einem Boreout vorbeugen?

Über längere Zeit ein Boreout-Syndrom mit sich herumzutragen, kann – wie auch ein Burnout – sehr belastend sein. Die HelloBetter-Expertin empfiehlt daher, einen Ausweg zu suchen, und hat fünf Tipps parat, um einem Boreout vorzubeugen.  

Zunächst sollten Sie Ihre Situation analysieren: Wie geht es mir im Job? Wie verbringe ich meine Arbeitszeit? Was langweilt mich, was macht mir Spaß? Was wünsche ich mir? Schreiben Sie diese Dinge auf – am besten regelmäßig. Dies kann helfen, Symptome eines Boreouts rechtzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Es ist oft leichter gesagt als getan, kann aber einem Boreout entscheidend entgegenwirken: ein Gespräch mit der oder dem Vorgesetzten. Besprechen Sie Ihre aktuelle Arbeitssituation und gehen Sie mit konkreten Verbesserungsvorschlägen in das Gespräch. Möchten Sie zum Beispiel an einem bestimmten Projekt mitarbeiten? Würden Ihnen flexible Arbeitszeiten etwas nützen? Sie selbst wissen am besten, was Sie sich wünschen.

Fordern Sie sich selbst heraus und trainieren Sie damit Ihre Leistungsfähigkeit: Lernen Sie eine Fremdsprache, starten Sie ein anspruchsvolles Hobby oder investieren Sie Zeit in Ihre Fortbildung. Das Beste: Haben Sie diese Aufgaben bewältigt, schüttet das Gehirn zusätzlich Glückshormone aus. Das stärkt die Stimmung – und gibt dem Boreout auch im Privatleben keine Chance.

Fehlt es im Job an Anerkennung und Wertschätzung, kann das unser Selbstvertrauen schwächen und zu einem Boreout führen. Arbeiten Sie also gezielt daran, Ihren Selbstwert zu stärken. Umgeben Sie sich zum Beispiel mit Menschen, die Ihnen wichtig sind. Gestalten Sie Ihre Freizeit eigenbestimmt und aktiv, seien Sie achtsam im Umgang mit sich selbst. Dann werden Sie schnell feststellen, dass Sie mehr sind als bloß die Arbeit, die Sie leisten.

Wenn sich an Ihrer Arbeitssituation trotz allem nichts ändert und Sie sich weiterhin unterfordert, gelangweilt und unzufrieden fühlen, dann ist es Zeit für einen Neustart – entweder in einer neuen Abteilung oder auch bei einem anderen Arbeitgeber. Mit neuen Herausforderungen und einem Job, der zu Ihnen passt, können Sie zielführend ein Boreout vermeiden.

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