Bouldern - warum es so gut für Körper und Geist ist

Mit Muskelkraft und Köpfchen zu mehr Gesundheit

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Ein Baum im Park oder eine Mauer im Vorgarten: Für manche Menschen ist die Welt voller Kletterobjekte. Denn aus eigener Kraft die Schwerkraft zu überwinden, hat eine besondere Faszination. Beim Trendsport Bouldern kann man genau das erleben – und außerdem etwas für seine Gesundheit tun.

„Klettern ohne Seil in Absprunghöhe“ – so kurz ist die einfachste Definition von Bouldern. Doch wer sich mit Menschen unterhält, die dieses Hobby ausüben, merkt rasch: Bouldern ist sehr viel mehr. Fitnesstraining, Bewegungsrätsel oder die Erfüllung eines Kindheitstraums? Jede vorstellbare kreative Bezeichnung scheint aufs Bouldern zu passen. Und in einem sind sich alle einig: Dieser Sport hält Körper und Psyche fit. Grund genug, sich einmal genauer damit zu beschäftigen.

Dank Crashpads und Spotten auf der sicheren Seite

Beim klassischen Klettern am Felsen werden möglichst große Höhen bewältigt. Bouldern ist dagegen deutlich niederschwelliger. Und zwar buchstäblich. Denn beim Bouldern klettert man in der Regel nur etwa drei bis vier Meter nach oben, ungesichert. Auf dem Boden sind deshalb gepolsterte Matten, sogenannte Crashpads, ausgelegt. So wird ein Sprung oder Sturz sicher abgefangen. Zur eigenen Sicherheit sollte man sich beim Bouldern in der Natur immer „spotten“ lassen. Dabei wird der Körper von einer zweiten Person am Boden so gelenkt, dass man eine Kopf- oder Rückenlandung vermeidet. Bouldern findet meistens in der Halle statt. Durchgängige Bodenmatten geben hier zusätzliche Sicherheit. So können sich alle Kletterbegeisterten, vom Neuling bis zum Profi, austoben. Bei jedem Wetter und auch ohne Berge vor der Haustür.

Und wie funktioniert Bouldern jetzt genau? Das Prinzip klingt zunächst einfach: An die Kletterwände sind verschiedene Griffe geschraubt. Ziel ist es, vom ersten bis zum obersten Griff einer Route zu gelangen. Wenn man den letzten, den Topgriff, mit beiden Händen drei Sekunden festhält, gilt die Route als bewältigt. Boulderrouten gibt es in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Um sie unterscheiden zu können, sind die einzelnen Griffe farblich markiert. Ansonsten sind in der Regel nur der Start und der letzte Griff gekennzeichnet.  

Wie man auf dem Weg nach oben Hände und Füße einsetzt, ist der eigenen Geschicklichkeit und Kreativität überlassen. Dabei sind die grundlegenden Bewegungsmuster beim Bouldern intuitiv. „Klettern kann im Prinzip jeder“, sagt Dr. Andreas Vantorre vom klettersportmedizinischen Netzwerk. „Jedes Kind kann auf einen Baum klettern.“ Der Sportwissenschaftler ist hessischer Landestrainer für Wettkampfklettern. Er erklärt, warum Bouldern ein so effektives Ganzkörpertraining ist: „Die gesamte Stützmuskulatur, aber auch Arm- und Beinmuskeln werden gefordert. Je nachdem geht es dabei mal mehr um Kraft, mal mehr um Kraft-Ausdauer. Bouldern ist immer wieder anders.“  

Strategie und Körperbeherrschung

Beim Bouldern stehen Körperbeherrschung, Koordination und Beweglichkeit im Vordergrund. Und natürlich die Freude am Problemlösen. Boulderrouten werden im Fachjargon auch „(Boulder-)Probleme“ genannt. Wer den Topgriff erreichen will, braucht dazu mehr als eine gute Technik. Strategisches Denken, Fantasie und der Mut, etwas auszuprobieren, sind mindestens genauso wichtig. Wohl kaum ein Sport ist so eine spannende Herausforderung für Körper und Geist. Welcher Griff, welche Bewegung bringt mich näher zum Ziel? Wie muss ich meine Hüfte drehen, meinen Schwerpunkt verlagern? Nicht immer führt der offensichtlichste Weg auch zum Erfolg. Und so gehört es beim Bouldern dazu, dass man immer wieder nach unten auf die Matten springt. Oder manchmal auch fällt.

Ist eine Route gemeistert, werden im Gehirn Endorphine und Dopamin, also Glückshormone, frei. Vergessen sind die müden Finger und beanspruchten Muskeln. Was zählt, ist das Erfolgserlebnis. Und oft freuen sich andere beim Bouldern ganz spontan mit. Denn auch wenn Bouldern ein Individualsport ist, gibt es ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Ob frisch dabei oder alter Hase – in der Boulderhalle trifft man auf herzliche Unterstützung. Das ist ein weiterer Grund, weshalb Bouldern immer mehr Menschen begeistert.

Nach Schätzungen des Deutschen Alpenvereins, DAV, gibt es in Deutschland ungefähr 300.000 Menschen, die in ihrer Freizeit bouldern. Und Neulinge sind stets willkommen. In einer der über 500 Boulderanlagen bundesweit können sie die Schwerkraft und sich selbst herausfordern. Ausrüstung braucht es dazu wenig. Außer bequemer Sportkleidung sind vor allem Kletterschuhe wichtig. Und die kann man meistens in der Halle leihen. Anfängerinnen und Anfänger erhalten vor der ersten Einheit eine Einweisung durch Fachpersonal. Zusätzlich werden oft Grundkurse angeboten.

Start in fast jedem Alter

„Wir fangen mit fünf Jahren an“, erzählt Dr. Vantorre. „Wichtig ist, dass ein Kind Lust darauf hat und Bouldern als einen ernsthaften Sport erkennt. Dazu gehört auch ein gewisses Risikobewusstsein, zum Beispiel immer schnell die Matten zu verlassen.“ In vielen Boulderhallen gibt es extra Kinderbereiche und Kurse für die Jüngsten. Und auch ältere Semester können sich an die Kletterwand wagen. Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt es sich – wie bei jeder neuen körperlichen Aktivität – zunächst Rücksprache mit der Hausärztin oder dem Hausarzt zu halten.

Bouldern ist aber nicht nur eine tolle Freizeitaktivität. Studien haben gezeigt, dass diese Sportart auch einen positiven Effekt bei depressiven Verstimmungen hat. Zum einen, weil beim Bouldern der Kopf permanent gefordert ist und wenig Spielraum für Gedankenspiralen bleibt. Zum anderen stärken Erfolge an der Kletterwand das Selbstbewusstsein. Aus diesem Grund wird Bouldern mittlerweile in einigen psychosomatischen Fachkliniken als ergänzende Therapie eingesetzt. Und für viele Betroffene wird daraus im Anschluss zu Hause ein echtes Hobby.

Denn ist die Begeisterung erst einmal geweckt, lässt man die Klettergriffe so schnell nicht mehr los: „Aufregung, Hoffnung, Enttäuschung, Freude, Stolz und Leidenschaft – alles, warum Menschen ins Kino gehen, kann man beim Bouldern fühlen“, schwärmt Vantorre. „Bloß guckt man eben nicht nur zu, sondern ist aktiv dabei. Man erlebt all diese Emotionen mit dem eigenen Körper mit.“

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