Das PCO-Syndrom

Die häufigste Hormonstörung bei Frauen.

Der Körper einer Frau produziert in der Regel weibliche und männliche Sexualhormone. Letztere in geringen Mengen. Gerät dieses Gleichgewicht durch eine Überproduktion von männlichen Hormonen außer Kontrolle, handelt es sich möglicherweise um das Polyzystische Ovarialsyndrom, kurz: PCO-Syndrom oder PCOS. Potenzielle Folgen sind zum Beispiel Akne, Haarausfall auf dem Kopf, vermehrte Behaarung an Gesicht und Körper, Zyklusstörungen und sogar Unfruchtbarkeit. Wir sprechen mit Dr. Maren Goeckenjan-Festag, Oberärztin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden. Die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe erklärt, warum betroffene Frauen auch Vorteile haben.

Was ist das PCO-Syndrom?

In der Regel benennen Expertinnen und Experten drei Hauptmerkmale: einmal die Störung des Menstruationszyklus. Betroffene Frauen bekommen ihre Periode oft unregelmäßig, teilweise bleibt sie sogar ganz aus. Dann die sichtbar verstärkte Wirkung von männlichen Geschlechtshormonen, vor allem von Testosteron. Dies zeigt sich zum Beispiel durch eine vermehrte Körperbehaarung. Als Drittes bilden sich im Ovar, also im Eierstock, viele kleine Eibläschen, die an Zysten erinnern. Dabei handelt es sich um unreife Eizellen, die sich wegen der hormonellen Imbalance nicht weiterentwickeln. Sie sind der Grund für den Namen „Polyzystisches Ovarialsyndrom“.

Wie entsteht das PCO-Syndrom?

Die Ursachen für das PCO-Syndrom sind unklar. Dr. Goeckenjan-Festag vermutet, dass viele Faktoren zusammenkommen. Eine mögliche Komponente ist die familiäre Belastung. Oft sind beispielsweise die Töchter von Frauen mit dem PCO-Syndrom ebenfalls betroffen. Aber auch die Väter können einen Einfluss haben. Bei ihnen äußert sich ein Überschuss an männlichen Geschlechtshormonen zum Beispiel in Form des frühzeitigen Haarverlustes – und der Glatzenbildung. Über die Vererbung hinaus sind Essverhalten und Gewicht weitere Faktoren. Dr. Goeckenjan-Festag erklärt: „Nicht alle Frauen mit PCOS sind übergewichtig – aber mindestens die Hälfte der Betroffenen.” Übergewicht beeinflusst auch die körperliche Entwicklung in der Jugend. „Gerade wenn junge Mädchen übergewichtig sind und mehr Fettgewebe haben, kommt die Pubertätsentwicklung häufig früher“, so die Oberärztin. „Die Entwicklung verläuft dann oft nicht gradlinig, die Etablierung eines regelmäßigen Zyklus dauert länger. Das alles führt dazu, dass die männlichen Geschlechtshormone steigen.“ Auch ein gestörter Zuckerstoffwechsel steht im Verdacht, das Syndrom zu verstärken. Grund dafür: Insulin fördert die Produktion von Testosteron. Sogar die Herkunft der Betroffenen kann eine Rolle spielen. Dr. Goeckenjan-Festag erklärt: „In einigen Ländern gibt es einen höheren Prozentsatz an Betroffenen. Hierzu gehören zum Beispiel die Länder Türkei, Indien oder Mexiko.“

Diese Symptome treten beim PCO-Syndrom auf

Millionen von Frauen sind vom PCO-Syndrom betroffen. Der Weg zur Diagnose ist dennoch meistens lang. Oft wird das Syndrom erst durch eine ausbleibende Schwangerschaft erkannt. Verschiedene Symptome können allerdings auf die Störung hindeuten:

  • Zyklusstörungen, beispielsweise in Form einer unregelmäßigen oder ausbleibenden Periode. Auch der Eisprung findet selten statt oder bleibt aus
  • Akne
  • Haarausfall auf dem Kopf
  • Verstärkter Haarwuchs am Körper, zum Beispiel an Kinn, Rücken, Brust oder Bauch
  • Vermännlichung des Körpers, zum Beispiel eine Vergrößerung der Klitoris
  • Eine tiefere Stimme
  • Übergewicht oder Gewichtsschwankungen

Das PCO-Syndrom kann bereits während der Pubertät auftreten. Oft zeigt es sich aber erst zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Die Symptome verringern sich in der Regel nach den Wechseljahren.

Neben den körperlichen Symptomen kann das PCO-Syndrom für viele Frauen psychisch sehr belastend sein. Gerade ein unerfüllter Kinderwunsch geht oft mit einem hohen Leidensdruck einher. Sollte der Nachwuchs bei Ihnen ausbleiben, ist es wichtig, erst einmal die genauen Ursachen abzuklären. Auch Männer sollten sich untersuchen lassen, denn es kann viele Gründe geben, die eine Schwangerschaft verhindern. Mehr Informationen zu Unfruchtbarkeit bei Männern finden Sie hier.

Ist das PCO-Syndrom heilbar?

Die Hormonstörung ist leider nicht heilbar. Allerdings können die einzelnen Symptome behandelt werden.

So wird das PCO-Syndrom behandelt

Wenn sie das PCO-Syndrom festgestellt hat, ist der erste Schritt für Dr. Goeckenjan-Festag immer ein Gespräch mit der Betroffenen: „Es ist wichtig, dass die Frauen verstehen, was PCOS bedeutet – nämlich erst einmal nichts Schlechtes.“ Laut der Medizinerin bringt das PCO-Syndrom sogar gewisse Vorteile für die Gesundheit: „Das haben Ärztinnen und Ärzte in der Geschichte der Menschheit schon lange vermutet. Erste Erwähnungen des PCOS gehen schon auf Hippokrates zurück, der beschrieb, dass Frauen mit selteneren Menstruationsblutungen eher eine robuste Gesundheit haben, eine gesündere Hautfarbe und ein eher männlicheres und stabileres Erscheinungsbild.“

Die symptomatische Behandlung des PCO-Syndroms kann sehr unterschiedlich ausfallen. Die Expertin erklärt: „Symptome müssen dann behandelt werden, wenn die Betroffenen darunter leiden. Die Antibabypille ist ein erprobtes Mittel bei Frauen mit PCO-Syndrom, die keinen Kinderwunsch haben. Sie stabilisiert den Hormonhaushalt und schränkt die Produktion der männlichen Hormone ein. Dadurch können sich zum Beispiel Akne, Haarwuchs und Haarausfall verbessern. Aber auch viele andere Behandlungen sind genauso sinnvoll. Diese zielen oft darauf ab, Gewicht zu normalisieren, mehr Bewegung im Alltag zu etablieren, das Essverhalten zu optimieren und so indirekt den Eisprung anzuregen.

Kann man trotz PCO-Syndrom schwanger werden?

Die gute Nachricht vorweg: Auch mit dem PCO-Syndrom ist eine Schwangerschaft möglich. Dr. Goeckenjan-Festag erklärt: „Wenn der Zyklus regelmäßig oder fast regelmäßig ist, dann können die Frauen bei Kenntnis der fruchtbaren Tage erst mal genauso gut schwanger werden wie alle anderen Frauen auch.“ Betroffene Frauen können sogar oftmals in einem höheren Alter noch Mutter werden. Ein möglicher Grund wird in den Eierstöcken selbst vermutet. „Diese verfügen über viele kleine Eibläschen, welche vor der Geburt angelegt wurden und dann während des Lebens bis zum Eintritt der Wechseljahre kontinuierlich verbraucht werden. Wir glauben heute, dass bei Frauen mit PCO-Syndrom mehr Eibläschen und Eizellen angelegt sind.“ Der Eisprung findet allerdings oftmals seltener oder überhaupt nicht statt. Medizinerinnen und Mediziner können helfen, indem sie die Frauen zu einem gesünderen Leben motivieren und zugleich Medikamente empfehlen, die den Hormonhaushalt stabilisieren und die Eierstöcke stimulieren. Bei wachsenden Eibläschen kann der Eisprung ausgelöst werden. Stellt sich kein Erfolg ein, wäre eine künstliche Befruchtung eine weitere Option.

Hat sich eine Schwangerschaft eingestellt, sind die Vorsorgetermine besonders wichtig und sollten engmaschig stattfinden. Die Wahrscheinlichkeit für Fehlgeburten und Schwangerschaftsdiabetes und andere Schwangerschaftskomplikationen wird durch das PCO-Syndrom erhöht.

PCO-Syndrom und Ernährung

Ein gesunder Lebensstil hat oft einen positiven Einfluss auf das PCO-Syndrom. Ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung verhindern Bauchfett. Anders als beispielsweise Fettgewebe in den Oberarmen oder an den Beinen hat Bauchfett besonders negative Auswirkungen auf den Stoffwechsel und den Menstruationszyklus. Laut Dr. Goeckenjan-Festag nehmen Frauen mit dem PCO-Syndrom oft leichter zu „und bei zunehmendem Gewicht verschlechtern sich die Zyklusstörung und das Ungleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Geschlechtshormonen noch weiter.“ Ein besonderes Augenmerk gilt ebenfalls Zucker und Kohlenhydraten. Um den Blutzuckerspiegel zu senken, empfiehlt es sich, Kohlenhydrate zu reduzieren. Von Diäten hält die Expertin allerdings wenig. Sie gibt den Tipp: „Regelmäßig und bewusst essen. Wer frühstückt, ist eher schlank.“

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