Gefahren im Netz: Kinder im digitalen Alltag stärken
Cybermobbing, Cybergrooming oder Mediensucht: Erfahren Sie, wie Sie Risiken erkennen und Ihrem Kind Sicherheit geben.

Ein Video im Klassenchat, eine gefährliche Challenge auf Social Media oder ein unangenehmer Kontakt beim Online-Gaming: Im digitalen Alltag begegnen Kindern und Jugendlichen manchmal Situationen und Inhalte, die sie überfordern oder verängstigen. Und nicht immer erzählen sie ihren Eltern davon. Umso wichtiger ist es, aufmerksam zu sein und im Gespräch zu bleiben. Erfahren Sie, woran Sie merken, dass Ihr Kind etwas belastet, welche Risiken im Netz bestehen und wie Sie ihm Sicherheit geben.
Welche Gefahren gibt es für Kinder im digitalen Raum?
Das Internet gehört für Kinder und Jugendliche ganz selbstverständlich zum Alltag. Sie chatten mit Freunden, schauen Videos, spielen Online-Games oder nutzen Social Media, um sich auszutauschen und inspirieren zu lassen. Die digitale Welt eröffnet ihnen viele Möglichkeiten, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Nicht alle Inhalte, Kontakte oder Erlebnisse sind für Kinder und Jugendliche leicht einzuordnen. Welche Gefahren ihnen online begegnen können, zeigt der folgende Überblick:
Cybermobbing bezeichnet das wiederholte, absichtliche Beleidigen, Ausgrenzen, Bloßstellen oder Bedrohen über digitale Medien. Anders als auf dem Schulhof können verletzende Nachrichten, Bilder oder Kommentare rund um die Uhr verbreitet werden und ein großes Publikum erreichen. Besonders in Klassenchats oder sozialen Netzwerken entstehen schnell Situationen, in denen einzelne Kinder gezielt ausgegrenzt oder öffentlich bloßgestellt werden. Erfahren Sie, wie Sie
Besonders belastend kann es sein, wenn intime Bilder oder Videos ohne Einverständnis weiterverbreitet werden. Auch mithilfe Künstlicher Intelligenz können täuschend echte Fake-Bilder oder -Videos entstehen, die Kinder und Jugendliche herabwürdigen oder sexualisiert darstellen. Solche Übergriffe sind Formen digitaler Gewalt.
Likes, Follower und scheinbar perfekte Bilder: Soziale Netzwerke können Kinder und Jugendliche dazu verleiten, sich ständig mit anderen zu vergleichen. Viele der dort gezeigten Fotos und Videos vermitteln jedoch ein geschöntes oder unrealistisches Bild von Aussehen, Erfolg oder Lebensstil. Das kann Druck erzeugen und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen.
Über Social Media verbreiten sich zudem immer wieder sogenannte Challenges, bei denen Kinder und Jugendliche bestimmte Aufgaben nachmachen und sich dabei filmen. Viele davon sind harmlos, manche können jedoch gefährlich werden. Bei der sogenannten Tide-Pod-Challenge etwa filmten sich Jugendliche dabei, wie sie Waschmittelkapseln in den Mund nahmen. Gerade der Wunsch, dazuzugehören oder Anerkennung zu bekommen, kann dazu führen, dass Kinder und Jugendliche solche Gefahren unterschätzen. Sprechen Sie deshalb mit Ihrem Kind über gefährliche Trends und ermutigen Sie es, auch bei Gruppendruck Nein zu sagen.
Beim Cybergrooming versuchen Menschen, gezielt Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufzubauen, um sexuelle Übergriffe anzubahnen. Dafür nutzen sie häufig soziale Netzwerke, Messenger-Dienste oder Online-Spiele. Manchmal geben sie sich dabei als Gleichaltrige aus, um Vertrauen zu gewinnen. Im weiteren Verlauf können sie beispielsweise intime Bilder oder Videos verlangen oder Kinder zu sexuellen Handlungen drängen. Sprechen Sie deshalb frühzeitig mit Ihrem Kind über solche Gefahren und vereinbaren Sie gemeinsam Regeln für den Umgang mit Online-Kontakten, persönlichen Daten und Fotos. Machen Sie Ihrem Kind außerdem deutlich, dass es sich bei unangenehmen Erfahrungen jederzeit an Sie wenden kann – ohne Angst vor Ärger oder Vorwürfen.
Ob im Social-Media-Feed, beim nächsten Video-Vorschlag oder in einer Chatgruppe: Kinder und Jugendliche können online auf Inhalte stoßen, die nicht für ihr Alter geeignet sind. Dazu gehören zum Beispiel Gewaltvideos, Unfallfotos oder sexuelle Darstellungen. Solche Inhalte können verunsichern, Ängste auslösen oder noch lange nachwirken. Gerade jüngere Kinder brauchen häufig Unterstützung, um solche Eindrücke einzuordnen und zu verarbeiten.
Viele Kinder und Jugendliche verbringen täglich mehrere Stunden am Smartphone, Tablet oder Computer. Laut JIM-Studie 2025 liegt die durchschnittliche Smartphone-Bildschirmzeit bei 12- bis 19-Jährigen bei knapp vier Stunden täglich.* Eine hohe Bildschirmzeit allein bedeutet jedoch noch keine Abhängigkeit. Problematisch kann die Nutzung werden, wenn Kinder und Jugendliche zunehmend die Kontrolle darüber verlieren, andere Interessen und soziale Kontakte vernachlässigen oder trotz negativer Folgen nicht aufhören können. Auch Gereiztheit ohne digitale Medien, das Verheimlichen der Nutzungsdauer oder Fehlzeiten in der Schule können Warnsignale sein.
Doch wie viel Bildschirmzeit ist eigentlich in Ordnung? Lesen Sie mehr über einen gesunden
* JIM-Studie 2025, Jugend, Information, Medien: https://mpfs.de/studie/jim-studie-2025/
Woran merke ich, dass mein Kind belastet ist?
Nicht immer erzählen Kinder ihren Eltern, wenn sie online etwas erlebt haben, das sie belastet. Oft zeigen sich Sorgen, Ängste oder Unsicherheiten stattdessen durch Veränderungen im Verhalten. Wer sein Kind aufmerksam begleitet, kann solche Signale häufig früh erkennen. Auf folgende Anzeichen können Eltern achten:
Wichtig: Nicht jede Verhaltensänderung ist ein Warnsignal für belastende Online-Erlebnisse. Auch andere Sorgen oder Entwicklungsphasen können dahinterstecken. Wenn Veränderungen länger anhalten, mehrere Anzeichen gleichzeitig auftreten oder Ihr Kind besonders stark belastet wirkt, suchen Sie das Gespräch. Bei andauernden oder ausgeprägten Beschwerden kann auch eine kinderärztliche Abklärung sinnvoll sein.
Sicher durch den digitalen Alltag – drei Fragen an Medienpädagoge Clemens Beisel
REDAKTION: Wie können Eltern ihr Kind auf Gefahren im Netz vorbereiten, ohne ihm Angst zu machen oder digitale Medien zu verbieten?
Clemens Beisel: Indem wir mit Kindern über ihre digitale Lebenswelt sprechen. Ich glaube schon, dass es wichtig ist, dass Eltern „Leitplanken“ setzen. Je jünger Kinder sind, desto wichtiger ist es, dass Eltern den Erfahrungsraum für Kinder abstecken. Das kann technisch unterstützt werden durch Tools, die Apps und Nutzungszeiten regulieren, muss aber vor allem durch das gute Begleiten der Eltern gewährleistet werden. Kinder müssen wissen, dass ihnen im Internet auch unangenehme Dinge begegnen können – genauso wie im analogen Alltag. Entscheidend ist, dass wir sie altersgerecht darauf vorbereiten und gemeinsam überlegen, wie sie in solchen Situationen reagieren können. Dazu gehört beispielsweise, problematische Inhalte zu erkennen, Kontakte zu hinterfragen und zu wissen, wo man Hilfe bekommt. Unser Ziel sollte aber sein, sie zu einem selbstständigen und sicheren Umgang zu befähigen, sodass dann auch technische Regulierungen ab einem gewissen Alter keine Rolle mehr spielen müssen. Wenn man mich nach diesem „Alter“ fragt, dann antworte ich immer, dass das sehr individuell ist. Kinder sind unterschiedlich. Pauschal finde ich schwierig.
REDAKTION: Was braucht es, damit Kinder von belastenden Erlebnissen im Netz erzählen?
Clemens Beisel: Vor allem eine vertrauensvolle Beziehung zu ihren Eltern. Kinder müssen sicher sein können, dass sie ernst genommen werden und nicht sofort Ärger bekommen. Viele Kinder verschweigen unangenehme Erfahrungen, weil sie befürchten, dass ihnen das Smartphone weggenommen oder eine App verboten wird. Deshalb sollten Eltern regelmäßig Interesse zeigen, ohne jede Unterhaltung gleich zu einer Kontrolle zu machen. Und sie sollten ihren Kindern frühzeitig vermitteln: Egal, was dir im Internet passiert, und selbst wenn du etwas gemacht hast, das wir eigentlich nicht erlaubt haben – du kannst jederzeit zu uns kommen.
Das ist wahrscheinlich die pädagogische Königs- oder Königinnendisziplin: diesen schmalen Grat zwischen Kontrolle und Vertrauen hinzubekommen.
REDAKTION: Wie reagieren Eltern richtig, wenn ihr Kind online etwas Belastendes erlebt – und wann ist professionelle Hilfe sinnvoll?
Clemens Beisel: Tief durchatmen, die Lage sondieren und dann die nächsten Schritte überlegen und abwägen. Zuhören und das Kind ernst nehmen. Einen pauschal richtigen Weg gibt es nicht. Eltern sollten nicht vorschnell urteilen oder Schuldzuweisungen machen. Stattdessen sollte man gemeinsam mit dem Kind überlegen, welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Je nach Situation kann es helfen, Kontakte zu blockieren, Inhalte zu melden oder Beweise durch Screenshots zu sichern. Wichtig ist, dass Kinder erleben: Meine Eltern stehen hinter mir und wir finden gemeinsam eine Lösung, auch wenn es schwierig ist. Professionelle Unterstützung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn sich das Verhalten des Kindes deutlich verändert, es sich zurückzieht, schlecht schläft, Ängste entwickelt oder die Belastung über längere Zeit anhält. Bei schweren Vorfällen wie sexueller Erpressung, konkreten Bedrohungen oder Selbstgefährdung sollte man unmittelbar Hilfe suchen. Hier können Beratungsstellen oder in schlimmen Fällen auch die Polizei hinzugezogen werden.
Wo finden Sie Hilfe und Beratung?
Wenn Ihr Kind online etwas Belastendes erlebt hat, müssen Sie damit nicht allein bleiben. Diese Anlaufstellen bieten Kindern, Jugendlichen und Eltern Unterstützung:
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Kinder- und Jugendtelefon: 116 111, Elterntelefon: 0800 111 0 550.
Gesundheitsprogramm STARKE KIDS
Den Medienkonsum im Blick
Smartphone, Social Media und Gaming gehören heute ganz selbstverständlich zum Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Das Mediensuchtscreening im Rahmen des Gesundheitsprogramms



