„Das Geld muss bei den Menschen ankommen“
Das Gesundheitswesen steht vor großen Veränderungen: steigende Ausgaben, neue gesetzliche Regelungen und die Frage, wie gute Versorgung auch künftig für alle erreichbar bleibt.

Im Gesundheitswesen stehen gerade viele Veränderungen an. Wo werden sie für unsere Versicherten spürbar sein?
Zur Wahrheit gehört, dass sich die Veränderungen zum Jahreswechsel zunächst einmal finanziell bemerkbar machen werden. Denn mit der Verabschiedung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes hat die Bundesregierung für gesetzlich Versicherte Änderungen bei den Zuzahlungen und den Festzuschüssen beim Zahnersatz beschlossen. Für Besserverdienende ist vor allem die deutliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze relevant. Auch einzelne Leistungen werden neu geregelt.
Ich verstehe, wenn Sie jetzt sagen: Ich zahle schon so viel, jetzt wird es noch teurer. Und trotzdem warte ich Wochen und Monate auf einen Arzttermin.
Genau das zeigt aber auch, wo wir ansetzen müssen: Wir müssen uns fragen, wie wir das viele Geld, das wir im Gesundheitswesen ausgeben, so einsetzen, dass es bei den Menschen die bestmögliche Versorgung bewirkt. Und nicht, wie wir immer mehr Geld einnehmen. Das ist der falsche Weg und für keinen mehr finanzierbar.
Wofür wird eigentlich immer mehr Geld ausgegeben?
Wir geben in allen Leistungsbereichen mehr aus, vor allem für Behandlungen im Krankenhaus, für Arzneimittel, aber auch für die niedergelassenen Ärzte. Die Steigerungen liegen aktuell bei rund 9 Prozent im Jahr. Das Entscheidende ist für mich aber nicht, wie viel Geld wir ausgeben, sondern vor allem, wofür. Heute bekommt der Hausarzt Geld für seinen Teil der Behandlung, der Facharzt für seinen und das Krankenhaus für den Aufenthalt dort. Aber niemand trägt die Verantwortung für den gesamten Weg. Das verursacht Reibungsverluste, doppelte oder sogar überflüssige Untersuchungen.
Was müsste sich denn ändern, damit Menschen schneller die richtige Behandlung bekommen und nicht von einer Stelle zur nächsten geschickt werden?
In der eben geschilderten Situation liegt eine große Chance: Wir brauchen eine Versorgung, bei der jemand den ganzen Weg eines Patienten im Blick hat, Verantwortung dafür übernimmt und auch dafür vergütet wird. Ich bin überzeugt, dass das Geld spart, weil man direkt beim richtigen Arzt landet – und dabei sogar die Qualität der Versorgung verbessert, weil die richtigen Leistungen zur richtigen Zeit erbracht werden.
Unsere persönliche Kundenberatung begleitet heute schon Menschen dabei, den passenden Weg durch das Gesundheitssystem zu finden. Über unsere App können Versicherte außerdem online einen Termin beim Arzt buchen. Das kann den Zugang erleichtern.
Aber wir brauchen eben auch auf Behandlerseite entsprechende Strukturen, medizinisches Know-how und Personal, damit Menschen schneller an die richtige Stelle kommen und Behandlungswege besser ineinandergreifen.
Wenn Sie heute eine Sache im Gesundheitswesen sofort verändern könnten: Welche wäre das – und warum?
Ich würde Qualität zum Maßstab aller Dinge machen. Dass wir alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten: Menschen gesund erhalten, Krankheit verhindern und dafür sorgen, dass sie sich besser fühlen. Das ist für mich Qualität.
Und noch eine persönliche Anmerkung: Am liebsten wäre es mir, wenn wir gar nicht mehr darüber nachdenken müssten, wie wir Menschen gesund machen und wie wir das finanzieren. Ich wünsche mir, dass es sich für Ärztinnen und Ärzte finanziell lohnt, Krankheit gar nicht erst entstehen zu lassen.