Homeoffice – die Herausforderungen der neuen Arbeitskultur

Beschäftigte empfinden die Arbeit im Homeoffice unterschiedlich. Wichtig ist der Umgang mit den eigenen Bedürfnissen.

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Foto: pixelfit/iStock

Das wäre vor einiger Zeit noch undenkbar gewesen: 24 Prozent aller Beschäftigten arbeiten – Stand Ende Januar 2021 – im Homeoffice. In den Büros vieler Unternehmen sind jede Menge Plätze frei. Und das wird vermutlich auch nach der Pandemie so bleiben. Denn Corona hat gezeigt: Die Arbeitsleistung bleibt im Homeoffice stabil. Damit auch Körper und Seele beim Arbeiten daheim im Gleichgewicht bleiben, gilt es jedoch, in sich hineinzuhorchen und die eigenen Bedürfnisse zu beachten.

Homeoffice – der Traum vom Arbeiten?

Das Arbeiten in den eigenen vier Wänden ist für viele Beschäftigte ein Traum: Die Arbeitszeit lässt sich freier einteilen. Einkäufe können entspannt über die Woche verteilt werden. Sport passt gut in eine ausgedehnte Mittagspause. Haben sich das nicht immer alle gewünscht: selbstbestimmtes Arbeiten?

Neue Arbeitskultur und neue Herausforderungen

Tatsächlich hält die neue Arbeitskultur auch eine Menge Herausforderungen bereit. Internationale Studien haben ergeben, dass viele Beschäftigte sich durch das Arbeiten im Homeoffice in ihrem psychischen Wohlbefinden beeinträchtigt fühlen – in Deutschland sind dies 68 Prozent. Die Gründe sind vielschichtig, wie auch Gespräche zeigen, welche die SBK mit Beschäftigten geführt hat. Vielen fällt es schwer, genug Pausen in den Homeoffice-Alltag einzubauen oder den Arbeitstag richtig zu beenden, um Berufliches von Privatem zu trennen. Zudem vermissen sie die Kolleginnen und Kollegen – vor allem die Möglichkeit, zwischendurch auf dem Flur oder an der Kaffeemaschine einen kleinen Plausch zu halten. Unter diesen Homeoffice-Umständen kommt es vermehrt zu Belastungen durch Stress.

Stress im Homeoffice und wie man ihm begegnet

Doch es gibt Wege, mit der Belastung umzugehen. Darauf macht Dr. med. Tatjana Reichhart, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, im SBK-Interview aufmerksam. Sie weist darauf hin, dass Stress an sich eine sinnvolle Aufgabe erfüllt, indem er die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit steigert. Sie erklärt außerdem, dass häufig erst eigene Bewertungen zu Stress führen, zum Beispiel wenn einer eigentlich unwichtigen Sache eine zu große Bedeutung zugeschrieben wird. Schon durch eine neue Einordnung der Situation kann Stress verringert werden.

Erst Stress als Dauerzustand kann die Gesundheit beeinträchtigen. Typische Anzeichen sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Verspannungen, Schlafstörungen, Hörgeräusche und innere Unruhe. Im Homeoffice ist es daher wichtig, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen und rechtzeitig mit geeigneten Maßnahmen vorzubeugen. Tatjana Reichhart, die Menschen rund um das Thema Stress coacht, empfiehlt, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten, und gibt praktische Tipps:

  • Für Ausgleich sorgen: zum Beispiel spazieren gehen, Sport machen, Hobbys pflegen
  • Die Arbeitszeit klar aufteilen: bewusst Pausen zum Abschalten einlegen und festlegen, wann der Feierabend beginnt
  • Häufiger Nein sagen: klare Grenzen setzen, um Überlastungen vorzubeugen
  • Beruf und Privatleben trennen: abends Arbeitsunterlagen außer Sichtweite aufbewahren
  • Reize reduzieren: E-Mails ausschalten, Pushnachrichten deaktivieren
  • Perfektionismus beiseitelegen: häufiger zufrieden mit der eigenen Leistung sein

Homeoffice und die Vorteile

Wer die Herausforderungen bewältigt, kann im Homeoffice aber auch viele Vorteile genießen. Zum Beispiel ist zu Hause ein flexibleres Arbeiten möglich als im Büro: Ob man den sonnigen Nachmittag im Park verbringt und die Arbeit am Abend nachholt, kann man bestenfalls selbst entscheiden. Durch eingesparte Arbeitswege steht zudem mehr Zeit für private Interessen zur Verfügung. Und die Möglichkeit, sich gesünder zu ernähren, ist im Homeoffice auch besser, als wenn man aufs Kantinenessen oder die Snackbox angewiesen ist.

Zwar kann niemand derzeit genau vorhersagen, wie sich die neue Arbeitskultur weiterentwickeln wird, aber eines steht fest: Aus den gesammelten Erfahrungen in der Pandemie lassen sich spannende Ideen für das Arbeitsleben der Zukunft entwickeln. Jetzt kommt es auf die Unternehmen und Beschäftigten an, ob die Gestaltungsmöglichkeiten genutzt werden und sich unsere Art zu arbeiten über die Coronazeit hinaus dauerhaft verändert.

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