Kritik als Chance nutzen

So trainieren wir unsere Kritikfähigkeit

Konstruktive Kritik hilft uns dabei, uns zu verbessern – vorausgesetzt wir gehen aufgeschlossen mit der Kritik um und nehmen sie nicht persönlich. Wie Sie Ihre Kritikfähigkeit trainieren können, verrät Ihnen Nora Blum vom Psychologischen Online-Programm Selfapy, das eng mit der SBK zusammenarbeitet.

Warum tun wir uns meist schwer, wenn uns jemand kritisiert?

Nora Blum: Einer der Gründe, weshalb es uns so schwerfällt, Kritik anzunehmen, ist das Bedürfnis, uns akzeptiert und bestätigt zu fühlen. Kritik an unserem Verhalten verletzt häufig unser Grundbedürfnis nach Selbstwert und Anerkennung, weil wir es nicht schaffen, unser Verhalten von unserer Persönlichkeit getrennt zu sehen.

Wie lassen sich angespannte Situationen vermeiden? 

NB: Wenn wir kritisiert werden, sollten wir möglichst nicht zum Gegenangriff übergehen, uns auch nicht verteidigen. Idealerweise hören wir uns die Kritik ruhig an und überprüfen, inwieweit wir sie annehmen und von ihr lernen wollen. Das aber ist oft nicht leicht. Diese vier Schritte können uns helfen: 

  1. Ich nehme die Kritik zur Kenntnis.
  2. Wenn mir etwas nicht klar ist, frage ich nach.
  3. Ich denke nach und prüfe, ob die Kritik berechtigt oder unberechtigt ist.
  4. Ich formuliere meine Reaktion positiv.

Soll ich immer nachgeben, auch wenn die Kritik in meinen Augen unberechtigt ist?

NB: Wir müssen nicht jede Art von Kritik annehmen. Dazu können wir durchaus ein paar Spielregeln festlegen und deren Einhaltung von unserem Gegenüber einfordern oder zumindest darum bitten. Beispielsweise können wir durchblicken lassen, dass es uns leichter fällt, Kritik anzunehmen, wenn unser Gesprächspartner auch etwas Positives sagt. Unsere Regeln sind ein Angebot, an das sich vielleicht andere nicht immer halten. Dennoch sollten wir versuchen, wo immer es möglich ist, auf solchen Kommunikationsregeln zu bestehen.

Was tun, wenn die Kritik unsachlich wird und ins Persönliche abgleitet?

NB: Zumindest in dem Augenblick, in dem ein Kritiker uns eine unsachliche Vorhaltung macht, hat es wenig Sinn, dagegen zu argumentieren. Wir würden dabei nur Energie vergeuden, uns in ein Wortgefecht hineinsteigern und unser Ziel doch nicht erreichen. Wenn unser Kritiker nur zum Ziel hat, uns aus der Fassung zu bringen oder zu demontieren, dann sollten wir uns entscheiden, seine Kritik ins Leere laufen zu lassen. 

Wie lässt sich Kritik positiv nutzen?

NB: Wie wir mit Kritik klarkommen, hängt auch wesentlich von unserer Einstellung zur Kritik ganz allgemein ab. Die meisten von uns werten Kritik als Angriff. Versuchen wir doch einmal, jede Kritik als eine Chance zu sehen, etwas Neues für uns zu lernen. Das erfordert ein bisschen Disziplin und Übung. Es hilft uns aber dabei, Kritik besser anzunehmen. Wenn wir kein Feedback von außen bekommen würden, könnten wir auch nicht wissen, wo wir unsere Leistungen noch verbessern können.

Wie kritisiere ich andere, ohne sie zu verletzen?

NB: Der Erfolg unserer Kritik an anderen ist davon abhängig, wie wir uns ausdrücken und Kritik „verpacken“ können. Ist unsere Kritik destruktiv, wie etwa „Deine Arbeit war kompletter Mist“, dann ernten wir nur Ablehnung, möglicherweise sogar Wut, Hass und eventuell sogar komplettes Aufgeben. Ist sie hingegen konstruktiv gemeint, dann fügen wir der Kritik Tipps bei wie „Kannst Du versuchen, das nächste Mal mehr Feedback einzuholen, damit es keine Missverständnisse zwischen uns gibt?“. Bei dieser Art von Kritik macht sich der Angesprochene eher Gedanken über sein mangelndes Feedback, sieht dies nicht als Angriff und Beleidigung und versucht, es beim nächsten Mal besser zu machen. Konstruktive Kritik versucht immer, etwas zu verbessern und räumt dazu Möglichkeiten zur Verbesserung mit ein.

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