Mamawerden – wie sich Körper, Gefühle und Alltag verändern
Erfahren Sie mehr über das Hineinwachsen in die Rolle als Mutter

Mamawerden ist mehr als der Moment der Geburt. Für viele Frauen beginnt dieser Weg bereits in der Schwangerschaft. Während im Bauch neues Leben heranwächst, verändert sich oft auch vieles für die werdende Mutter. Gedanken kreisen um andere Themen, Prioritäten verschieben sich und das eigene Selbstverständnis entwickelt sich weiter. Dieser Übergang hat sogar einen Namen: Muttertät. Zu wissen, was hinter diesem Prozess steckt, kann helfen, die eigenen Erfahrungen besser einzuordnen.
Was bedeutet Muttertät und wie lange dauert sie?
Muttertät beschreibt den Übergang zur Mutterschaft. In der Wissenschaft wird dafür meist der Begriff Matreszenz (Englisch: Matrescence) verwendet. Der deutsche Begriff „Muttertät“ lehnt sich an die Pubertät an. Und das nicht ohne Grund: Auch beim Mamawerden kann sich vieles neu sortieren – körperlich, emotional und im sozialen Leben.
Wie lange diese Phase dauert, ist von Frau zu Frau verschieden. Sie kann schon in der Schwangerschaft beginnen und weit über die Geburt hinausreichen. Manche Erfahrungen können herausfordern, andere bereichern oder neue Perspektiven eröffnen.
Wie verändern sich Körper und Gehirn?
Während der Schwangerschaft leistet der Körper Erstaunliches. Fast alle Organsysteme passen sich an, damit das Baby wachsen und sich entwickeln kann. Nach der Geburt stellt sich der Körper erneut um: Die Schwangerschaftshormone sinken, die Gebärmutter bildet sich zurück, Beckenboden und Muskeln erholen sich nach und nach.
Auch im Gehirn zeigen sich während dieser Lebensphase Anpassungsprozesse. Studien weisen unter anderem auf Veränderungen der grauen Substanz und der kortikalen Dicke hin. Eine Abnahme der grauen Substanz bedeutet dabei nicht automatisch einen Verlust von Fähigkeiten. Forschende vermuten vielmehr, dass sie Teil einer neuronalen Umorganisation sein könnte, die mit dem Übergang zur Mutterschaft einhergeht. Betroffen sind unter anderem Hirnregionen und Netzwerke, die an sozialer Wahrnehmung und der Verarbeitung von Emotionen beteiligt sind. Einige dieser Anpassungen lassen sich noch lange nach der Geburt nachweisen.*
Viele Frauen erleben in dieser Zeit auch Vergesslichkeit oder Konzentrationsprobleme. Umgangssprachlich ist dafür oft von „Mom Brain“ die Rede. Müdigkeit und Schlafmangel können solche Beschwerden zusätzlich verstärken.
Ebenso kann sich das emotionale Erleben wandeln. Dabei können ganz unterschiedliche Gefühle nebeneinanderstehen – von Freude und Nähe bis zu Unsicherheit oder Erschöpfung.
* Quellen: Pritschet L. et al. (2024): „Neuroanatomical changes observed over the course of a human pregnancy“. Nature Neuroscience 27, 2253–2260. DOI: 10.1038/s41593-024-01741-0; Paternina-Die M. et al. (2024): „Women’s neuroplasticity during gestation, childbirth and postpartum“. Nature Neuroscience 27, 319–327. DOI: 10.1038/s41593-023-01513-2.
Wie verändert sich das Selbstbild, wenn man Mutter wird?
Mit dem Mamawerden kommt eine weitere Seite zum bisherigen Selbstbild hinzu. Frau, Partnerin, Freundin, Kollegin – und jetzt auch Mama. Es kann eine Weile dauern, bis sich die neue Rolle vertraut anfühlt und ihren Platz im eigenen Leben findet.
Manche Frauen setzen sich in dieser Phase bewusster damit auseinander, was ihnen wichtig ist und wie sie leben möchten. Auch der Blick auf Beruf, Partnerschaft, Freundschaften oder persönliche Bedürfnisse kann sich verändern. Dabei entdecken manche Frauen Stärken und Eigenschaften an sich, die ihnen zuvor weniger bewusst waren.
Gleichzeitig bringt die Verantwortung für ein Kind neue Anforderungen mit sich. Für eigene Interessen oder spontane Pläne bleibt zeitweise vielleicht weniger Zeit. Auch das Miteinander in der Partnerschaft kann sich nach der Geburt wandeln: Es geht zum Beispiel darum, in die Elternrolle hineinzuwachsen und gleichzeitig Raum für die Paarbeziehung zu bewahren. Bewusste Zeit zu zweit, kleine Gesten der Wertschätzung und offene Gespräche über Wünsche und Bedürfnisse können dabei helfen.
Wie verändert sich der Familienalltag?
Mit dem Elternwerden entsteht Schritt für Schritt ein neuer Familienalltag. Schlafenszeiten, Mahlzeiten und andere Routinen richten sich nun auch nach den Bedürfnissen des Babys. Gleichzeitig kommen zusätzliche Aufgaben und Entscheidungen hinzu – etwa rund um Betreuung, Arzttermine oder Anschaffungen. Dazu gehört oft auch Mental Load: das Vorausdenken, Planen, Organisieren und Erinnern, das im Hintergrund mitläuft. Verantwortung und Fürsorge gemeinsam zu tragen, kann dabei entlasten.
Mit der Zeit finden viele Familien ihren eigenen Rhythmus. Beide Elternteile sammeln Erfahrungen und merken immer besser, was zu ihnen und ihrem Kind passt. Damit wächst auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten als Eltern.
Was kann in dieser neuen Lebensphase helfen?
Im Alltag mit Baby kann ganz Unterschiedliches entlasten. Hier finden Sie einige hilfreiche Tipps.
Nicht alles muss von Anfang an funktionieren. Es darf Tage geben, an denen vieles leichtfällt, und andere, an denen der Alltag anstrengender ist. Sich an die neue Situation zu gewöhnen, braucht Zeit.
Es gibt viele Vorstellungen davon, wie eine „gute Mutter“ oder „gute Eltern“ sein sollten. Soziale Medien können diesen Perfektionsdruck noch verstärken. Hilfreich ist es, sich weniger mit anderen zu vergleichen und darauf zu achten, was für einen selbst und die eigene Familie stimmig ist.
Wer kümmert sich um die nächste Vorsorgeuntersuchung? Wer merkt, dass die Windeln zur Neige gehen? Wer organisiert die Betreuung? Solche Aufgaben und die damit verbundene Organisationsarbeit sichtbar zu machen und möglichst klar aufzuteilen, kann
Auch kleine Auszeiten können guttun. Das kann eine Runde an der frischen Luft sein, ein Treffen mit einer Freundin oder einfach ein Moment ganz für sich im Bad. Was Erholung bringt, kann jede für sich herausfinden.
Der Austausch mit anderen Müttern oder vertrauten Personen kann entlasten und neue Perspektiven auf den eigenen Alltag eröffnen. Möglichkeiten dafür bieten zum Beispiel Krabbelgruppen oder andere Elternangebote.
Auch ganz praktische Unterstützung kann Freiräume schaffen: Vielleicht bringen Familie oder Freundinnen und Freunde Essen mit, übernehmen einen Einkauf oder gehen eine Runde mit dem Baby spazieren. Oft hilft es, konkret zu sagen, was gerade gebraucht wird. Darüber hinaus begleitet Sie die SBK mit vielen Leistungen rund um
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