Medfakes: So schützen Sie sich vor gefälschter Gesundheitswerbung
Unsere Expertin erklärt im Interview, wie Sie gefälschte Arztempfehlungen und Heilversprechen entlarven

Vielleicht kennen Sie das: Sie suchen im Internet nach Informationen zu gesundheitlichen Beschwerden. Plötzlich empfiehlt eine bekannte Ärztin in einem Video ein Präparat. Oder ein Prominenter erzählt, ein bestimmtes Produkt habe ihn geheilt. Alles wirkt echt. Doch Gesicht, Stimme und Aussagen können mithilfe künstlicher Intelligenz manipuliert worden sein. Solche gefälschten Gesundheitsbotschaften nennt man Medfakes. Sie nutzen Vertrauen aus, um fragwürdige Produkte zu verkaufen, persönliche Daten zu sammeln oder Menschen in betrügerische Shops zu locken. In unserem Interview erklärt Maria Böttger-Duderstedt, wie die Betrugsmaschen funktionieren, woran Sie Medfakes erkennen und wie Sie sich davor schützen können.
Redaktion: Was sind Medfakes und welche Rolle spielt künstliche Intelligenz dabei?
Maria Böttger-Duderstedt: Medfakes sind medizinische Falschinformationen, mit denen Menschen gezielt getäuscht werden sollen. Ein Beispiel: Man sieht ein Video, in dem ein bekannter Arzt angeblich ein Wundermittel empfiehlt. Das wirkt erst mal glaubwürdig. Nur: Der Arzt hat das nie gesagt. Sein Gesicht und seine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz in das Video eingefügt.
Solche Fälschungen nennt man Deepfakes. Dabei werden Videos, Bilder oder Stimmen mithilfe von KI so erzeugt, dass sie echt wirken. Sieht man solche KI-Videos beim Scrollen, erkennt man nicht immer, dass sie nicht echt sind. Selbst Lippenbewegungen, Sprachmelodie oder Dialekte kann eine KI inzwischen sehr überzeugend nachahmen.
Aber es geht nicht nur um Videos oder Bilder. Künstliche Intelligenz kann auch große Mengen an Werbetexten, angeblichen Studien oder erfundenen Erfahrungsberichten erstellen. Zusammen mit gefälschten Social-Media-Profilen entsteht schnell der Eindruck, das angepriesene Produkt sei wissenschaftlich geprüft und habe bereits vielen Menschen geholfen.
KI macht es also einfacher und günstiger, Fake-Werbung in großen Mengen zu erstellen. Damit spielt sie eine zentrale Rolle bei dieser Betrugsmasche.
R: Wie läuft die Betrugsmasche hinter Medfakes typischerweise ab?
MBD: Am Anfang steht häufig ein Video auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok. Darin preist eine bekannte Person angeblich eine sensationelle Entdeckung an. Oft handelt es sich dabei um „Wundermittel“ gegen Volkskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Gelenkschmerzen.
Wer auf den Link klickt, landet auf einer Seite, die aussieht wie die Website eines bekannten Absenders, zum Beispiel eines Nachrichtenmagazins oder Fernsehsenders. Dort wird die Geschichte in einem vermeintlichen Artikel oder Interview weitererzählt. Das soll Vertrauen schaffen und den Eindruck vermitteln, die Empfehlung sei journalistisch geprüft.
Der Artikel leitet dann direkt zu einem unseriösen Onlineshop weiter. In diesem Fake-Shop werden meist überteuerte Nahrungsergänzungsmittel, unwirksame Salben oder angebliche Wundergeräte verkauft. Bezahlt wird per Vorkasse oder Kreditkarte. Was am Ende ankommt, erzielt allerdings häufig nicht die versprochene Wirkung. Im schlimmsten Fall kann es sogar gesundheitsschädlich sein.
Auf Medfakes hereingefallen?
Diese Schritte können jetzt helfen:
Sie haben bereits bestellt?
Bewahren Sie die Bestellbestätigung und Zahlungsbelege auf. Prüfen Sie, ob Sie die Bestellung widerrufen können. Wenn Sie bereits bezahlt haben, fragen Sie möglichst schnell bei Ihrer Bank oder Ihrem Zahlungsdienstleister nach, ob sich die Zahlung stoppen oder zurückholen lässt. Leisten Sie keine weiteren Zahlungen – auch nicht für eine angebliche Rückerstattung.
Sie haben bereits ein Produkt erhalten oder eingenommen?
Verwenden Sie das verdächtige Produkt vorerst nicht weiter und lassen Sie sich ärztlich oder in einer Apotheke beraten. Halten Sie dafür die Verpackung und, wenn möglich, eine Zutatenliste oder einen Beipackzettel bereit. Sollten nach der Anwendung Beschwerden auftreten, lassen Sie diese zeitnah ärztlich abklären. Bei starken Beschwerden ist sofortige medizinische Hilfe wichtig. Wenn Sie einen Betrug vermuten, können Sie sich auch an die Polizei wenden.
R: Was macht gefälschte Gesundheitswerbung so überzeugend und an welche Menschen richtet sie sich besonders häufig?
MBD: Fake-Werbung nutzt gezielt das Vertrauen in Prominente oder Fachleute. Wenn eine Wissenschaftlerin oder ein beliebter Fernsehmoderator etwas empfiehlt, nimmt man das zunächst ernst. Das lässt das beworbene Produkt glaubwürdig erscheinen.
Außerdem richten sich solche Botschaften oft an Menschen mit hohem Leidensdruck – etwa durch chronische Schmerzen oder andere langanhaltende Beschwerden. Auch der Wunsch abzunehmen oder die Angst vor schweren Erkrankungen wie Krebs oder Demenz werden oft gezielt aufgegriffen.
Wer schon lange Beschwerden hat, hat oft vieles ausprobiert. Gerade wenn die bisherigen Therapien Beschwerden zwar lindern, aber nicht heilen können, ist die Suche nach einer neuen Behandlung verständlich. Und wenn dann ein bekannter Arzt angeblich sagt: „Hier gibt es jetzt etwas, und das hilft wirklich“, hört man natürlich hin. Das Perfide ist, dass diese Hoffnung gezielt ausgenutzt wird.
Verdächtige Gesundheitswerbung entdeckt?
Das können Sie jetzt tun:
R: Woran erkennt man KI-generierte Fake-Videos?
MBD: Es ist nicht einfach, KI-Videos zu erkennen. Es gibt aber Auffälligkeiten, auf die man achten kann:
All das können Hinweise auf ein gefälschtes Video sein. Allerdings werden die Fälschungen immer besser. Ein Video ist nicht automatisch echt, nur weil man keine Fehler entdeckt.
Deshalb ist es genauso wichtig, darauf zu achten, was gesagt wird: Werden schnelle Heilung oder eine garantierte Wirkung versprochen? Soll ein einziges Produkt gegen ganz unterschiedliche Krankheiten helfen? Wird behauptet, Ärztinnen und Ärzte oder Behörden würden diese wirksame Behandlung geheim halten? Hier sollte man stutzig werden. Verlässliche Gesundheitsinformationen machen keine haltlosen Versprechungen und erklären auch, welche Risiken eine Behandlung hat und wo ihre Grenzen liegen.
Auch künstlicher Zeitdruck ist ein Warnsignal – etwa wenn ein Angebot angeblich nur noch wenige Minuten verfügbar ist. Solche Aussagen sollen Menschen dazu bringen, schnell zu kaufen, bevor man die Empfehlung genauer prüft.
R: Wie kann ich konkret überprüfen, ob eine Gesundheitsempfehlung echt und vertrauenswürdig ist?
MBD: Ich würde bei der Person ansetzen, die das Produkt angeblich empfiehlt: Findet sich die Empfehlung auch auf ihrer offiziellen Website – oder warnt sie dort vielleicht sogar vor gefälschter Werbung?
Außerdem lohnt sich ein Blick auf die Internetadresse der verlinkten Seite. Stimmt diese oder sieht sie der Adresse einer bekannten Seite nur ähnlich? Ein Logo oder professionelles Design allein sagt noch nichts über die Seriosität einer Website aus. Am besten öffnet man die offizielle Website des vermeintlichen Absenders und sucht dort nach dem Artikel oder dem beworbenen Produkt.
Auch ein Blick ins Impressum hilft. Das sollte zunächst einmal existieren und die Angaben sollten zum Absender passen. Im Impressum steht in der Regel, wer die Seite betreibt, mit Namen, Anschrift und Kontaktmöglichkeit. Ein vorhandenes Impressum beweist allerdings noch nicht, dass die Seite seriös ist.
Informationen zum Produkt selbst können Sie bei der
Auch Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder eine Apotheke können Ihnen helfen, die Empfehlung einzuschätzen. Zeigen Sie die Werbung bei Ihrem nächsten Besuch und fragen Sie: Ist an dem Versprechen etwas dran, und wäre das Produkt für mich geeignet?
R: Welche gesundheitlichen Risiken bestehen, wenn Menschen solchen Empfehlungen folgen?
MBD: Da gibt es mehrere Risiken. Zum einen können die Produkte selbst gesundheitsschädlich sein. Auch Wechselwirkungen mit Medikamenten, die jemand bereits einnimmt, können gefährlich werden.
Zum anderen kann wertvolle Zeit verloren gehen. Wer auf ein angebliches Wundermittel vertraut, geht vielleicht später zur Ärztin bzw. zum Arzt oder setzt eine notwendige Behandlung aus. Dadurch können Erkrankungen fortschreiten und schwerer behandelbar werden.
Dazu kommen finanzielle und psychische Belastungen. Manche Menschen geben viel Geld für die Produkte aus oder geraten in Abofallen. Wenn die erhoffte Besserung ausbleibt, kann das sehr enttäuschend sein. Manche schämen sich auch, weil sie der Werbung geglaubt haben. Dabei liegt die Verantwortung bei denen, die das Vertrauen und die Hoffnung der Menschen gezielt ausnutzen.
Wichtig ist: Man muss mit dieser Erfahrung nicht allein bleiben. Wer sich seiner Ärztin, seinem Arzt oder einer Beratungsstelle anvertraut, kann gemeinsam klären, was jetzt zu tun ist. Bei Beschwerden ist der Wunsch nach Linderung berechtigt – und verdient verlässliche Unterstützung.
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