Morbus Crohn: So erkennen Sie die entzündliche Darmkrankheit

Wir sagen Ihnen, was Sie über Morbus Crohn wissen sollten und wie die Krankheit behandelt werden kann.

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Foto: Photodjo/iStock

Bauchschmerzen und starke Durchfälle gehören zu den typischen Symptomen von Morbus Crohn. Die schubweise verlaufende Krankheit zählt zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen – 0,1 bis 0,2 Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Bei Morbus Crohn treten Entzündungen häufig im Übergang vom Dünn- zum Dickdarm auf, sie können jedoch auch den gesamten Verdauungstrakt betreffen – vom Mund bis zum After. Die Krankheit ist zwar nicht heilbar, rechtzeitig erkannt, lässt sie sich aber mit Medikamenten und einem angepassten Lebensstil gut in den Griff bekommen. An welchen weiteren Symptomen Sie eine Morbus-Crohn-Erkrankung erkennen und welche Therapien bei Morbus Crohn möglich sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Welche Symptome ruft Morbus Crohn hervor, wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Der Verlauf von Morbus Crohn ist unterschiedlich, in der Regel verläuft die Krankheit jedoch in Schüben. Das heißt: Betroffene können über längere Zeit beschwerdefrei sein, teilweise folgen jedoch auch rasch nacheinander starke Entzündungsattacken. „Vor allem zu Beginn der Krankheit können die Beschwerden sehr unterschiedlich sein, sie führen daher manchmal etwas verspätet zur richtigen Diagnose“, erklärt Dr. Gabriele Stumm, ärztliche Leiterin bei 4sigma, Anbieter von Gesundheitsservices und Partner der SBK. „Krampfartige Bauchschmerzen, oft im rechten Unterbauch, meist einige Zeit nach dem Essen, Blähungen und Durchfall kündigen den Beginn eines Schubes an. Ein anhaltender wässriger oder breiiger Durchfall mit Gewichtsverlust und manchmal Fieber kennzeichnen dessen Höhepunkt“, beschreibt sie die Symptome von Morbus Crohn weiter. Auch wenn es sich bei der Darmerkrankung um ein chronisches Leiden handelt, ist es wichtig, sie rechtzeitig zu erkennen und eine gezielte Behandlung gegen Morbus Crohn zu starten: Denn so können Schädigungen des Darms vermieden werden – zum Beispiel dass Entzündungen die Darmwand angreifen oder sich Abszesse und narbige Verengungen bilden.

Ursachen für Morbus Crohn – warum erkranken Menschen daran?

Erstmals näher beschrieben hat die Krankheit im Jahr 1932 der US-amerikanische Arzt Burrill Bernard Crohn. Doch bis heute ist nicht bis ins letzte Detail geklärt, wie genau sie entsteht. Experten wie Dr. Gabriele Stumm gehen davon aus, dass bei Morbus Crohn mehrere Faktoren beteiligt sind. „Genetische Veränderungen machen empfänglicher, weitere Auslöser führen zum Ausbruch der Krankheit oder sorgen dafür, dass sie bestehen bleibt. Insbesondere die Zusammensetzung der Darmbakterien scheint eine wichtige Rolle zu spielen. Doch noch ist nicht klar, ob die Veränderung der Darmflora eine der Folgen oder eine der Ursachen des Morbus Crohn ist. Ähnliches gilt für Veränderungen der Darmschleimhaut: Ist diese Barriere geschwächt, dringen Bakterien ein, das Immunsystem wird alarmiert und eine chronische Entzündung ausgelöst“, erklärt sie.

Auch der Lebensstil und die Ernährung haben offenbar Einfluss auf Morbus Crohn. Die Darmerkrankung tritt insbesondere in Ländern mit westlichem Lebensstil auf. Menschen, die höhere Mengen an tierischem Eiweiß, Zucker, aber auch Fisch und Muscheln konsumieren, haben ein höheres Risiko. Doppelt so häufig von Morbus Crohn betroffen sind Raucher.

Unsere Expertin

Dr. med. Gabriele Stumm

Leiterin Medizin bei 4sigma

Möglichkeiten der Therapie bei Morbus Crohn

Heilen lässt sich Morbus Crohn leider nicht. „Es gibt jedoch eine Reihe unterschiedlicher Behandlungsmöglichkeiten, mit denen sich die Beschwerden wirksam und langfristig lindern lassen“, sagt Dr. Stumm. Je nach Ausprägung der Erkrankung, den betroffenen Abschnitten und eventuellen Komplikationen wird eine individuelle Therapie gegen Morbus Crohn empfohlen – um die Lebensqualität zu verbessern und neue Schübe zu verhindern. Hierfür stehen verschiedene Medikamente, teilweise miteinander kombiniert, zur Verfügung: zum Beispiel entzündungshemmende Mittel, während eines Schubs und danach auch Kortisonpräparate (sie basieren auf dem Hormon Cortisol) oder Immunsuppressiva, die das Immunsystem und damit allgemeine Abwehrreaktionen des Körpers unterdrücken. Diese Medikamente werden meist über einen begrenzten Zeitraum hinweg verabreicht. Auch Biologika, das heißt auf bestimmte Abwehrreaktionen des Körpers zielgerichtete Immunsuppressiva, kommen zum Einsatz.

Neben einer medikamentösen Behandlung von Morbus Crohn – diese sollte immer in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt erfolgen – können Betroffene auch selbst etwas gegen die Krankheitsschübe tun: zum Beispiel indem sie auf das Rauchen verzichten, sich ausreichend bewegen und einen gesunden Umgang mit Stresssituationen beherrschen. Darüber hinaus können von Morbus Crohn Betroffene mit einer ausgewogenen Ernährung ihre Darmflora pflegen.

Tritt Morbus Crohn bereits im Kindesalter auf?

„Bei bis zu einem Viertel der Betroffenen tritt die Erkrankung erstmals bereits vor dem 18., nicht selten sogar vor dem 10. Lebensjahr auf“, erklärt Dr. Gabriele Stumm. Welche Faktoren hierbei genau zum Ausbruch der Krankheit führen, ist noch nicht aufgeklärt, eine genetische Veranlagung spielt laut Experten aber eine größere Rolle als bei Erwachsenen. Auch bei den Symptomen des Morbus Crohn gibt es Unterschiede: Bei Kindern und Jugendlichen sind Mund, Speiseröhre oder Magen häufiger betroffen als bei Erwachsenen, auch schreitet die Erkrankung schneller voran. „Daher sind eine schnelle Diagnosestellung und ein zügiger Beginn einer wirksamen Therapie umso wichtiger. Denn nur so können Folge- oder auch Gedeihstörungen vermieden werden“, appelliert die ärztliche Leiterin.

Morbus Crohn und Corona

An Morbus Crohn Erkrankte haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf und sind in der Corona-Impfverordnung der Impfgruppe 3 zugeordnet. Nehmen Betroffene Immunsuppressiva ein, also Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, gilt: Sie sollten empfohlene Vorsichtsmaßnahmen wie freiwillige Isolation, Handhygiene und die Vermeidung sozialer Kontakte besonders ernst nehmen – die medikamentöse Therapie aber niemals ohne ärztlichen Rat absetzen.

Zusammengefasst: Symptome, Ursachen, Therapien bei Morbus Crohn

  • Bauchschmerzen und starke Durchfälle können erste Symptome eines Morbus Crohn sein.
  • Betroffene sind genetisch dazu veranlagt, ausgelöst wird Morbus Crohn aber durch weitere Ursachen: Rauchen verdoppelt das Risiko, weitere Auslöser scheinen unter anderem die Zusammensetzung der Darmbakterien, Veränderungen der Darmschleimhaut, zu viel tierisches Eiweiß sowie Zucker zu sein.
  • Das Ziel der medikamentösen Behandlung und eines angepassten Lebensstils ist es, möglichst lange symptomfreie Zeiträume, milde Schübe und eine gute Lebensqualität zu erreichen.
  • Bereits Kinder und Jugendliche können, wenngleich mit etwas unterschiedlichen Beschwerden und Verläufen, an Morbus Crohn erkranken.

Leben mit Morbus Crohn

Umfassende Informationen zu Morbus Crohn und weiteren chronischentzündlichen Darmerkrankungen (CED) erhalten Sie vom Kompetenznetzwerk Darmerkrankungen unter https://www.kompetenznetz-darmerkrankungen.de/morbus-crohn sowie dem Portal „Leben mit CED“: https://www.leben-mit-ced.de/informieren/morbus-crohn.html.

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