Nebenwirkungen der Antibabypille – selten, aber wichtig, sie zu kennen

Hat die Pille Nebenwirkungen, auch erst nach Jahren? Erhöht die Pille das Thromboserisiko?

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Sie ist einfach anzuwenden und verhindert sehr sicher eine Schwangerschaft: die Pille. Rund 80 Prozent aller Frauen unter 24 Jahren nehmen sie ein. Allerdings greifen immer mehr Paare auch zu alternativen Verhütungsmethoden. Der Grund: mögliche Nebenwirkungen der Antibabypille. Meist sind sie leicht, dennoch können auch schwerwiegendere Nebenwirkungen auftreten. Beispielsweise kann in bestimmten Fällen die Einnahme der Pille das Thromboserisiko erhöhen. Einen ersten Überblick über mögliche Nebenwirkungen der Antibabypille geben wir Ihnen in diesem Artikel.

Ist Pille gleich Pille? Die möglichen Nebenwirkungen der Antibabypille

Grundsätzlich unterscheidet man Pillen, die nur Gestagene enthalten (Minipillen) und Pillen, die Gestagene und Östrogene enthalten (Kombinationspillen beziehungsweise die niedriger dosierten Mikropillen). Ob und welche Nebenwirkungen die Antibabypille gegebenenfalls hat, hängt vom Zusammenspiel dieser beiden Hormone ab und ist von Präparat zu Präparat unterschiedlich. 

Diese Nebenwirkungen der Antibabypille können auftreten

Viele der möglichen Nebenwirkungen der Antibabypille sind selten bis sehr selten. Sie treten gehäufter auf, wenn Frauen das erste Mal die Pille einnehmen, und gehen im Lauf der Zeit zurück. In der Packungsbeilage des jeweiligen Präparats sind detailliert alle Nebenwirkungen der Antibabypille und ihre Häufigkeit aufgelistet. Zu den Nebenwirkungen zählen:

  • Blutungsstörungen
  • Eierstockzysten
  • Blähbauch
  • Übelkeit
  • Gewichtszunahme
  • Psychische Beeinträchtigungen wie Stimmungsschwankungen
  • Brustspannungen
  • Kopfschmerzen
  • Akne (bei Pillen, die auch Androgene, also männliche Sexualhormone, enthalten)
  • Trockenheit der Scheide
  • Sexuell geringes Verlangen
  • „Damenbart“ oder tiefere Stimme

Diese starken Nebenwirkungen der Antibabypille können auftreten

Starke Nebenwirkungen der Antibabypille sind äußerst selten. Dennoch gibt es Frauen, bei denen Nebenwirkungen häufiger auftreten. Dazu zählen unter anderem Frauen mit Übergewicht, genetischer Veranlagung, einem höheren Lebensalter ab 35 sowie Raucherinnen. Zu den sehr seltenen, aber ernst zu nehmenden Nebenwirkungen zählen:

  • Thrombosen (Verschluss der Blutgefäße)
  • Herzinfarkt
  • Plötzliche Durchblutungsstörungen (Apoplexie) mit beispielsweise Schlaganfall als Folge
  • Gebärmutterhals- oder Brustkrebs
  • Abnahme der Knochendichte
  • Nebenwirkungen der Psyche wie depressive Verstimmungen oder Depressionen

Inwiefern erhöht die Einnahme der Pille das Thromboserisiko?

Einige Pillen können das Thromboserisiko und auch das Risiko einer Lungenembolie bei Frauen erhöhen. Gerade Erstanwenderinnen haben zu Beginn der Einnahme ein erhöhtes Risiko, ein Blutgerinnsel zu entwickeln. Auch wer die Einnahme der Pille um mehr als vier Wochen unterbricht, trägt bei erneuter Anwendung ein erhöhtes Risiko. Zudem erhöht sich mit zunehmendem Alter das Thromboserisiko durch die Pille. Anwenderinnen sollten aufmerksam sein, wenn sie Schmerzen in einem Bein haben, das Bein stark geschwollen ist oder das betroffene Bein wärmer oder gar bläulich verfärbt ist. 

Studien haben ergeben, dass bestimmte Gestagene eine Thrombose wahrscheinlicher machen. Anhand der in der Pille enthaltenen Gestagene können Sie sehen, wie hoch das jeweilige Risiko ist.

Gestagen         Risiko
Levonorgestrel
Norethisteron
Norgestimat
Zirka 5 bis 7 von 10.000 Frauen
DienogestZirka 8 bis 11 von 10.000 Frauen
Drospirenon
Gestoden
Desogestrel
Zirka 9 bis 12 von 10.000 Frauen
Chlormadinon
Nomegestrol
bisher noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse

Bei Frauen, die nicht hormonell verhüten und nicht schwanger sind, sind etwa 2 von 10.000 Frauen von einer Thrombose betroffen.

Pille: mögliche Nebenwirkungen nach Jahren

Nehmen Frauen über Jahre hinweg die Antibabypille ein, können Nebenwirkungen ebenfalls auftreten. So wirkt sich die Pille auf das Herz-Kreislauf-System aus. Schwere, aber äußerst seltene Nebenwirkungen der Antibabypille können daher Thrombosen, Herzinfarkt, plötzliche Durchblutungsstörungen oder Schlaganfall sein. Während die Pille das Gebärmutterhals- und Brustkrebsrisiko leicht erhöht, gehen Studien davon aus, dass Kombinationspillen das Risiko für Eierstockkrebs und Gebärmutterkörperkrebs sogar senken können. Auch das vollständige Ausbleiben der Regel kann bei der Pille eine mögliche Nebenwirkung nach Jahren sein.

Antibabypille und Nebenwirkungen: häufige Fragen auf einen Blick

Die Antibabypille kann Nebenwirkungen haben, so wie jedes andere Medikament auch. Ob eine Nebenwirkung auftritt, hängt auch immer mit der individuellen Situation zusammen, zum Beispiel dem Lebensalter oder der genetischen Vorbelastung. Frauen, die mit der Pille verhüten, sollten ihren Körper beobachten und im Fall der Fälle Rücksprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt halten. Ein gesunder Lebensstil kann jedoch dazu beitragen, dass die Nebenwirkungen der Antibabypille minimiert werden.

Für junge Frauen ohne Kinderwunsch kann die Pille eine geeignete Verhütungsmethode sein. Mit zunehmendem Alter können zudem auch die möglichen Nebenwirkungen stärker werden. Eine eingehende frauenärztliche Beratung sollte auf jeden Fall erfolgen.

Die Pille gilt mit einem Pearl-Index von unter 1 als eines der sichersten Verhütungsmittel. In einigen Fällen steht bei der Einnahme der Pille jedoch nicht die Verhütung im Vordergrund. Vielmehr können auch medizinische Gründe für die Pille sprechen, zum Beispiel starke Monatsblutungen. Viele Pillen sind aufgrund ihrer Zusammensetzung auch geeignet, Akne zu lindern. Die Einnahme sollte stets in enger Absprache mit dem jeweiligen Facharzt erfolgen.

Paaren ohne Kinderwunsch steht heutzutage eine Vielzahl von Verhütungsmethoden zur Verfügung. Lesen Sie hier, welche Alternativen zur Pille für Sie möglich sind.

Ausführliche Beratung zur Antibabypille

Erste Anlaufstelle für Frauen, die mit der Pille verhüten möchten, ist die Frauenarztpraxis. Die Ärztin oder der Arzt nimmt sich ausführlich Zeit, um das individuelle Risiko zu ermitteln: Gibt es Vorerkrankungen – auch psychische? Welche genetischen Belastungen bestehen? Hat die Frau mittel- oder langfristig einen Kinderwunsch? Unser Tipp: Nehmen Sie dieses Beratungsangebot wahr, denn nur so kann Ihre Gynäkologin oder Ihr Gynäkologe Ihnen das für Sie passende Verhütungsmittel verschreiben – und Sie können die möglichen Nebenwirkungen der Antibabypille reduzieren.

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