Notfall Blutvergiftung – Anzeichen, Ursachen und Maßnahmen

Was ist eine Blutvergiftung? Wer ist betroffen? Und wie schützen Sie sich? Hier erfahren Sie alles, was wichtig ist.

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Über häufig vorkommende Erkrankungen wird in der Regel viel gesprochen und berichtet. Zum Beispiel über Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland zählen. Von der Erkrankung, die in der Statistik an dritter Stelle steht, hört man hingegen nur wenig. Es handelt sich um die Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt.

Blutvergiftung – was genau ist das und was passiert da?

Infektionen können leicht oder schwer verlaufen. Wenn eine Entzündung besonders schwer verläuft, zum Beispiel eine Lungenentzündung, besteht die Möglichkeit, dass sich die Infektion über das Lymph- und Blutgefäßsystem auf den ganzen Körper ausbreitet. Die Abwehrreaktion des Immunsystems kann dann so heftig ausfallen, dass sie den eigenen Körper – Gewebe und Organe – schädigt. Diese fehlregulierte Reaktion des Immunsystems wird Sepsis oder Blutvergiftung genannt. Die mögliche Folge ist ein „septischer Schock“: Das Herz-Kreislaufsystem versagt und in schweren Fällen stellen lebenswichtige Organe ihre Funktion ein. Daher ist eine Blutvergiftung immer ein Notfall – wählen Sie sofort die Notrufnummer 112.

Blutvergiftung – Symptome

Bei einer Blutvergiftung die Anzeichen zu erkennen, ist gar nicht so einfach. Denn die Beschwerden sind unspezifisch, könnten also von vielen anderen Erkrankungen herrühren. Zu Beginn ähneln die Symptome einer normalen Grippe. So sind

  • Fieber, Schüttelfrost
  • und Schwitzen

typische Anzeichen einer Blutvergiftung. Doch woran erkennt man, dass man eine Blutvergiftung hat? Häufig ist das Krankheitsgefühl aber noch intensiver als bei einer Grippe. Es können außerdem weitere Sepsis-Symptome hinzukommen:

  • Kurzatmigkeit, schnelle Atmung – mehr als 20 Atemzüge pro Minute
  • schneller Puls, Herzrasen – mehr als 90 Schläge pro Minute
  • Schmerzen, starkes Unwohlsein
  • Verwirrtheit, Desorientiertheit

Die Entscheidung, wann der Notruf zu wählen ist, kann mit folgender Regel getroffen werden: Wenn zwei der angeführten Krankheitsanzeichen vorhanden sind, sollten Sie die 112 anrufen!

Wichtig: Auch Babys und kleine Kinder können eine Blutvergiftung bekommen. Sie fühlen sich dann unnormal kalt und fiebrig an, atmen schwer, erbrechen wiederholt oder haben Durchfall. Sie reagieren und bewegen sich auch langsamer, wollen keine Nahrung zu sich nehmen und können Krampfanfälle bekommen.

Typische Anzeichen auf einen Blick

Blutvergiftung – wer ist häufig betroffen?

Eine Blutvergiftung kann jeden Menschen treffen, daher geht uns das Thema alle an. Es gibt jedoch Menschen, die besonders häufig betroffen sind. Hier ein Überblick über die Risikogruppen:

Menschen mit geschwächtem Immunsystem, beispielsweise durch:

  • Diabetes
  • Krebs
  • Dialyse
  • AIDS
  • fehlende oder nicht funktionierende Milz

Menschen mit altersbedingt schwächerem Immunsystem, also:

  • Neugeborene und Kinder im ersten Lebensjahr
  • ältere Menschen über 60 Jahre

Menschen mit chronischen Erkrankungen, zum Beispiel

  • des Herzens
  • der Niere oder Leber
  • der Lunge

Blutvergiftung – wie beginnt eine Sepsis?

Der Anfang einer Blutvergiftung kann ganz harmlos sein: So können zum Beispiel über eine Hautwunde Keime eindringen, die Wunde infizieren und – bei fehlender oder unzureichender Wundversorgung – sich im Körper ausbreiten. Auch Infektionen innerer Organe, wie zum Beispiel eine Entzündung der Harnwege, eine Lungen- oder Hirnhautentzündung, können zur Blutvergiftung führen. Sie entsteht außerdem manchmal nach Operationen oder durch medizinische Hilfen wie Gelenkprothesen oder Herzschrittmacher.

Blutvergiftung – Krankheitsverlauf

Wie lange dauert es, bis man eine Blutvergiftung merkt? Eine Sepsis entwickelt sich manchmal innerhalb weniger Stunden, in denen das Krankheitsgefühl rasch zunimmt und sich der gesundheitliche Zustand sehr schnell verschlechtert. Daher muss bei einer Blutvergiftung sofort gehandelt werden. Und wie schnell kann man an einer Blutvergiftung sterben? Das hängt vom auslösenden Krankheitserreger, dem Alter und der Leistungsfähigkeit des Immunsystems ab. Das Sterberisiko einer Sepsis steigt um etwa ein Prozent pro Stunde, in welcher der Betroffene nicht adäquat behandelt wird. Nach einem Tag ohne Behandlung liegt das Risiko also bereits bei 24 Prozent. Daher gilt: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser.

Blutvergiftung – Behandlung

Die Behandlung findet in der Regel im Krankenhaus statt. Dort kann jederzeit auf den Verlauf der Blutvergiftung reagiert werden. Zu den lebenswichtigen Maßnahmen, die dort vorgenommen werden, zählen die Kontrolle von Blut und Urin sowie die Behandlung mit Antibiotika. Gegebenenfalls werden ein Tropf und eine Sauerstoffmaske angelegt. Voraussetzung für die erfolgreiche Therapie der Sepsis ist allerdings die Behandlung der Grunderkrankung, die die Blutvergiftung ausgelöst hat. Das kann zum Beispiel eine Blinddarm-, Zahnwurzel-, Harnwegs-, Nasennebenhöhlen-, Gallenblasen- oder Lungenentzündung sein. Die Infektion kann medikamentös behandelt oder operiert werden.

Blutvergiftung – Folgen der Erkrankung

Blutvergiftung ist trotz ihres häufigen Auftretens noch immer eine von vielen unterschätzte Erkrankung mit unterschiedlichen möglichen Spätfolgen. Dazu zählen vor allem Nerven- und Muskelschäden, Schmerzen, kognitive Beeinträchtigungen, geringere Belastbarkeit und psychische Störungen wie zum Beispiel Depressionen. Die gute Nachricht ist: Wer die Erkrankung ernst nimmt, kann sich und andere schützen. Voraussetzungen dafür sind mehr Aufklärung über Blutvergiftung, mehr Aufmerksamkeit für mögliche Anzeichen – und entschlossenes Handeln bei einem Verdacht. Mit der Notrufnummer 112 retten Sie womöglich Leben – Ihres oder das Ihrer Lieben.

Blutvergiftung – vorbeugen ist wichtig

Viele Fälle von Blutvergiftung sind vermeidbar. Eine der wichtigsten Vorsorgemaßnahmen: Denken Sie immer auch an die Möglichkeit einer Blutvergiftung, zum Beispiel bei Grippesymptomen, und behandeln Sie diese als Notfall. Eine erhöhte Wachsamkeit kann dazu führen, dass eine Blutvergiftung schnell erkannt wird und Sie somit wertvolle Zeit für eine erfolgreiche Behandlung gewinnen. Wenn Sie darüber hinaus einige weitere Vorsorgemaßnahmen treffen, erhöhen Sie die Chance, dass es gar nicht erst zu einer Blutvergiftung kommt:

  • Beobachten Sie Hautverletzungen und Insektenstiche genau und desinfizieren Sie diese vorsichtshalber.
  • Lassen Sie sich gegen vermeidbare Infektionen impfen, dazu zählen zum Beispiel bakterielle Lungenentzündung (Pneumokokken-Impfung), Grippe und Masern. Über alle empfohlenen Impfungen können Ihr Hausarzt und Ihr persönlicher Kundenberater Sie informieren.
  • Legen Sie bei chronischen Krankheiten, zum Beispiel bei Diabetes, Wert auf eine gute Behandlung. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt darüber.
  • Achten Sie auf Hygiene: Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich die Hände mit Wasser und Seife, besonders nach dem Toilettengang, nach dem Naseputzen, nach Kontakt mit Tieren oder rohem Fleisch sowie vor der Zubereitung von Speisen und vor dem Essen.

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