Respiratorisches Synzytial-Virus (RSV): Diagnose und Therapie

Laufende Kindernasen sind im Winter keine Seltenheit. Wenn Fieber und Atembeschwerden hinzukommen, könnte es RSV sein.

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Der Winter ist als Virensaison bekannt: Die trockene Luft macht die Schleimhäute anfälliger für Viren. Die Menschen verbringen mehr Zeit in geschlossenen Räumen, was eine Ansteckung begünstigt. Vor allem kleine Kinder können vom Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) – eine Atemwegserkrankung mit weltweit jährlich über 30 Millionen Fällen – betroffen sein. Erfahren Sie hier, auf welche Symptome Sie achten sollten.

RSV – was ist das?

Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist eine virale Atemwegserkrankung, die durch RS-Viren ausgelöst wird. Die Viren gelangen über die Augenbindehaut oder die Schleimhäute der oberen Atemwege in den Körper und können zu einer Verengung der Bronchien führen. Ein hoher Teil der Atemwegserkrankungen bei Kleinkindern ist auf das RSV zurückzuführen. In der Regel klingen die Beschwerden von alleine wieder ab.

Typische RSV-Symptome

Häufige Anzeichen einer RSV-Infektion sind eine Verlagerung des Infekts innerhalb weniger Tage von den oberen in die unteren Atemwege, begleitet von Fieber, Husten, Kurzatmigkeit, pfeifenden Atemgeräuschen, Flüssigkeitsmangel und, in ernsteren Fällen, akuter Atemnot.

Was unterscheidet RSV von anderen Viruserkrankungen der Atemwege?

Die Abgrenzung einer RSV-Infektion von anderen akuten Atemwegserkrankungen wie Influenza oder Covid-19 ist nicht einfach: Die Symptome einer RSV-Infektion ähneln stark jenen einer Grippe oder Covid-19-Erkrankung. Gerade bei schwer erkälteten Kindern sollte der Kinderarzt bei seiner Diagnose immer auch RSV in Betracht ziehen.

RSV

  • Laufende Nase
  • Fieber
  • Husten
  • Keuchatmung (pfeifend)
  • Nahrungsaufnahme erschwert
  • Austrocknung

Grippaler Infekt (Parainfluenza)

  • Schnupfen
  • Geröteter Hals
  • Mäßige Halsschmerzen
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • Husten

Bei Parainfluenza Typ 1: Krupp-Syndrom möglich, insbesondere bei Kleinkindern

Grippe (Influenza)

  • Schnupfen
  • Fieber
  • Husten
  • Halsschmerzen
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Schwäche
  • Schweißausbrüche

Covid-19

  • Husten
  • Fieber
  • Schnupfen
  • Atemnot
  • Geruchs- und Geschmacksverlust
  • Kopf- und Gliederschmerzen

RSV

  • Ca. 5 Tage

Grippaler Infekt (Parainfluenza)

  • 2 bis 6 Tage

Grippe (Influenza)

  • 1 bis 2 Tage

Covid-19

  • 5 bis 6 Tage; bis zu 14 Tagen

RSV

  • Frühgeborene
  • Säuglinge
  • Kleinkinder
  • Stark immungeschwächte Personen

Grippaler Infekt (Parainfluenza)

  • Kinder zwischen 6 und 36 Monaten

Grippe (Influenza)

  • Ältere und immungeschwächte Menschen

Covid-19

  • Ältere und immungeschwächte Menschen
  • Vorerkrankte (wie schlecht eingestellte Diabetiker oder Krebserkrankte)

RSV

  • Nein

Grippaler Infekt (Parainfluenza

  • Nein

Grippe (Influenza)

  • Ja. Empfohlen für Personen ab 60 Jahren, Schwangere und Personen mit Grunderkrankungen

Covid-19

  • Ja, ab 12 Jahren (Stand: 10.11.2021)

RSV – die Diagnose

Die Abgrenzung von RSV zu anderen Atemwegserkrankungen ist durch einen direkten Erregernachweis möglich. Mithilfe eines Abstrichs aus dem Nasen-Rachen-Raum kann zur Diagnosesicherung ein PCR- oder Antigenschnelltest durchgeführt werden.

Ist es RSV? Hier gibt es Rat

Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kind könnte an RSV erkrankt sein, und eine ärztliche Abklärung wünschen, erhalten Sie hier Unterstützung:

  • Kontaktieren Sie Ihren Kinderarzt oder Hausarzt und schildern Sie die Symptome.
  • Am Wochenende, nachts und an Feiertagen steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 oder die Notfallsprechstunde zur Verfügung.
  • Bei akuter Atemnot rufen Sie bitte sofort den Notarzt an unter 112.

Für eine erste Einschätzung steht Ihnen auch das SBK-Gesundheitstelefon Schwangerschaft & Kind zur Verfügung. Wir sind 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr für Sie erreichbar.

RSV-Infektion: Antworten auf häufige Fragen

Besonders betroffen sind:

  • Säuglinge, weil deren Immunsystem noch nicht ausgereift ist
  • Frühgeborene, insbesondere wenn über einen längeren Zeitraum beatmet
  • Kinder mit bestimmten Lungenerkrankungen
  • Kinder mit neurologischen oder muskulären Erkrankungen, die ihre Atemfähigkeit einschränken
  • Kleinkinder mit bestimmten angeborenen Herzfehlern

Die Infektionsrate bei Kleinkindern ist mit bis zu 70 Prozent im ersten Lebensjahr sehr hoch. Mit Ende des zweiten Lebensjahres haben sich nahezu alle mindestens einmal mit RSV infiziert. Von schweren Verläufen, die eine Behandlung im Krankenhaus notwendig machen, sind Jungen deutlich häufiger betroffen als Mädchen.

Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion oder über den Kontakt mit Flächen oder Gegenständen, an denen RS-Viren haften. Da das Virus auf Oberflächen zwischen 20 Minuten und mehreren Stunden überleben kann, kann sich der Erreger sehr leicht verbreiten.

Die durchschnittliche Inkubationszeit beträgt 5 Tage. Infizierte Personen sind in der Regel 3 bis 8 Tage ansteckend. Eine Ausscheidung des Virus ist in Einzelfällen sowie bei Neugeborenen, Frühgeborenen oder immungeschwächten Personen sogar noch über Wochen möglich. Das erfordert gründliche Schutz- und Hygienemaßnahmen beim Kontakt mit infizierten beziehungsweise bereits genesenen RSV-Patienten. Eine RSV-Infektion ist nicht meldepflichtig.

RSV – die Therapie

Das A und O bei RSV: Flüssigkeitszufuhr, um die Schleimhäute feuchtzuhalten und der Austrocknung entgegenzuwirken, sowie die Gabe von kochsalzhaltigen Nasentropfen. Auch Dampfbäder wirken schleimlösend, eignen sich jedoch nur für größere Kinder und Erwachsene. Bei hohem Fieber ratsam sind außerdem Wadenwickel oder nach ärztlicher Rücksprache auch fiebersenkende Medikamente. Das Hochlagern des Oberkörpers kann die Atmung erleichtern. Rufen Sie bei akuter Atemnot sofort den Notarzt. Sollte eine klinische Behandlung notwendig sein, können Sauerstoffgabe oder Beatmung notwendig werden. Eine spezielle medikamentöse Therapie von RSV gibt es nicht.

RSV – Prävention und Impfstoff

Es existiert kein Impfstoff gegen eine Infektion mit RS-Viren. Allerdings gibt es auf ärztliche Empfehlung für Risikopersonen im Säuglingsalter die Option einer passiven Immunisierung durch ein Antikörper-Medikament. Das gilt insbesondere für Frühgeborene, die vor der 35. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen sind. Die Antikörpergabe kann eine RSV-Infektion zwar nicht verhindern, ihr aber die Schwere nehmen.

Eine RSV-Infektion löst keine nachhaltige Immunität aus. Deshalb ist stets auf die Einhaltung von Hygieneregeln zu achten: Menschenansammlungen meiden, Hände waschen, Nies- und Hustenetikette beachten, Spielzeug, Spucktücher und Flächen regelmäßig reinigen. Immer sinnvoll, besonders im Winter: allgemeine Maßnahmen zur Stärkung des Immunsystems. Dazu gehört viel Bewegung an der frischen Luft.

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