Schwangerschaftsvorsorge: Welchen Rhesusfaktor hat mein Baby?

Seit dem 1. Juli übernehmen die Krankenkassen die Kosten für den Bluttest zur Bestimmung des Rhesusfaktors des Kindes. Das bietet sowohl Mutter als auch Kind mehr Sicherheit.

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Vorsorge spielt in der Schwangerschaft eine besonders wichtige Rolle, um die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen. Alle wichtigen Vorsorgeleistungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Jetzt ist eine weitere Leistung hinzugekommen: Ein Test, der den Rhesusfaktor des ungeborenen Babys bestimmt. Wir erklären, warum der Rhesusfaktor von Mutter und Kind in der Schwangerschaft so wichtig ist, wie die Vorsorge zu einem gesunden Schwangerschaftsverlauf beiträgt und warum dieser Test eine zielgenauere Prophylaxe ermöglicht.

Was ist der Rhesusfaktor?

Die Zusammensetzung des Blutes unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Neben den Blutgruppen A, B, AB und 0 gibt es weitere Unterschiede, zum Beispiel den Rhesusfaktor, auch Faktor D genannt. Wer Rhesus-positiv ist, hat rote Blutkörperchen mit Eiweißen auf der Oberfläche. Wem die Eiweiße auf den roten Blutkörperchen fehlen, ist Rhesus-negativ. Rhesus-negativ sind etwa 15 Prozent der Bevölkerung. Im Alltagsleben spielen die unterschiedlichen Rhesusfaktoren keine Rolle.

Rhesusunverträglichkeit: Schwangerschaft und mögliche Folgen

Wichtig ist der Unterschied beim Rhesusfaktor allerdings, wenn eine schwangere Frau Rhesus-negativ und ihr Baby Rhesus-positiv ist. Diese Kombination ist unter Umständen gefährlich. Kommt das Blut des Babys nämlich in Kontakt mit dem der Mutter, hält ihr Immunsystem es für fremd. Die Folge: Die Rhesus-negative Mutter bildet Antikörper, um die vermeintliche Gefahr abzuwehren – sogenannte Anti-D-Antikörper.

In der ersten Schwangerschaft gibt es jedoch nur wenige Situationen, in denen genug Blut von Mutter und Kind in Kontakt kommt, um die Antikörperproduktion anzuregen. Daher ist die Wahrscheinlichkeit für eine Rhesusunverträglichkeit in Schwangerschaft Nummer eins in der Regel gering. Nur bei Eingriffen wie der Fruchtwasseruntersuchung und bei der Geburt selbst kann es zu einem Übertritt von kindlichem Blut in den Kreislauf der Mutter kommen.

Ist dies der Fall, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Rhesusunverträglichkeit in der zweiten Schwangerschaft. Das Immunsystem der Mutter ist durch die erste Schwangerschaft sensibilisiert und bildet nun Antikörper, die bis zum Baby vordringen können. Eine Bluttransfusion noch im Mutterleib konnte früher eine Schädigung verhindern. Heute sorgt die richtige Vorsorge dafür, dass es gar nicht so weit kommt.

Als Mutter Rhesus-negativ: Schwangerschaft und Vorsorge

Üblich war bisher, dass alle Rhesus-negativen Schwangeren vorsorglich die sogenannte Anti-D-Prophylaxe erhielten: eine Spritze mit Anti-D-Immunglobulinen – Antikörper, die bewirken, dass das Immunsystem der Mutter die Rhesus-positiven Blutkörperchen des Kindes akzeptiert, statt sie zu bekämpfen.

Ein Test zur vorgeburtlichen Bestimmung des Rhesusfaktors macht jetzt jedoch eine gezielte Prophylaxe möglich: Nur wenn die Rhesus-negative Schwangere ein Rhesus-positives Kind erwartet, erfolgt die Prophylaxe, denn nur in diesem Fall könnte ihr Immunsystem sensibilisiert werden. Alle anderen Rhesus-negativen Schwangeren mit einem ebenfalls Rhesus-negativen Kind brauchen die Prophylaxe nicht mehr. Das sind immerhin 40 Prozent, für die sich die Vorsorge künftig erübrigt

Neu: Vorgeburtliche Bestimmung des Rhesusfaktors ist Kassenleistung

Als gesetzliche Krankenkasse übernimmt die SBK seit Juli 2021 den Test zur vorgeburtlichen Bestimmung des Rhesusfaktors. Der Test kann frühestens ab der 12. Schwangerschaftswoche stattfinden. Da zu Mehrlingsschwangerschaften die Datenlage aktuell noch sehr gering ist, wird die Anwendung des Tests auf Einlingsschwangerschaften begrenzt. Mehr zur Schwangerschaftsvorsorge und vielen Extra-Vorsorgeuntersuchungen der SBK finden Sie hier.

Gezielte Prophylaxe vermeidet unnötige Verwendung eines Medikaments

Durch die neue Möglichkeit der gezielten Prophylaxe kann die medizinisch unnötige Gabe eines Blutprodukts vermieden werden. Da das Medikament nicht chemisch hergestellt, sondern aus Spenderblut gewonnen wird, ist es nur in begrenzter Menge verfügbar. Die gezielte Prophylaxe stellt somit sicher, dass für Schwangere mit erhöhtem Risiko einer Rhesusunverträglichkeit immer genug vorhanden ist.

Schwangerschaftsvorsorge

Bei der SBK bekommen Sie Extra-Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft.

Wird es ein Junge oder ein Mädchen? Diese Frage ist für werdende Eltern sicherlich spannend. Das Wichtigste ist jedoch, dass Sie und Ihr Baby rundum gut versorgt sind. Alle Informationen über die Leistungen der SBK finden Sie hier.

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