Situationship - das neue Dating-Phänomen

Was ist das eigentlich und wann sollte man sie besser beenden?

Früher hieß es: „Willst du mit mir gehen: ja, nein, vielleicht?“ Aus „vielleicht“ ist mittlerweile eine eigene Beziehungsform entstanden, die durch Dating-Plattformen und Social Media immer beliebter wird: die Situationship. Wir erklären, was es damit auf sich hat.

Was ist eine Situationship?

Der Begriff setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern „situation“ (= deutsch: Situation) und „relationship“ (= deutsch: Beziehung). Das bedeutet, man befindet sich in einer beziehungsähnlichen Situation. Einer Art Schwebezustand zwischen Glücksgefühlen und Fragezeichen. Einerseits ist da mehr als Freundschaft und Sex, denn die Gefühle gehen durchaus tiefer. Andererseits handelt es sich aber um keine „richtige“ Beziehung mit Verpflichtungen und Erwartungen. Die amerikanische Therapeutin Saba Harouni Lurie gibt dazu folgende Definition: „Eine Situationship ist eine romantische Vereinbarung, die in der Phase vor dem klärenden Gespräch über den Beziehungsstatus existiert.“

Die alles entscheidende Frage „Was ist das eigentlich zwischen uns?“ steht also noch aus. Damit ist die Situationship eine Beziehung ohne Namen oder Etikett. Es ist unklar, wohin das Ganze führt. Die Situationship kann später in eine ernsthafte Beziehung übergehen oder nach wenigen Wochen vorbei sein.

Warum reden gerade alle über Situationships?

Der Begriff Situationship wird hauptsächlich benutzt, um das neue Dating-Verhalten der jungen Generation zu beschreiben. Denn viele von ihnen suchen heute nach Beziehungen, in denen sie sich nicht festlegen müssen. Einer der wesentlichen Wünsche dieser Generation ist nämlich, nichts zu verpassen (auf Englisch: fear of missing out oder FOMO). Durch die einfache Verfügbarkeit von Dating-Apps erscheint das „Angebot“ so groß wie nie zuvor. Situationships sind der bequeme Kompromiss: mehr Vertrautheit als bei einer Affäre, ohne sich festzulegen und dabei möglicherweise etwas zu verpassen.

Woran erkennt man eine Situationship?

Ist es nur Sex oder die große Liebe oder doch etwas dazwischen? Diese Anzeichen sprechen dafür, dass man sich in einer Situationship befindet:

  • Körperliche Nähe: Es wird gekuschelt und beieinander übernachtet.Dabei geht es um mehr als Sex. Man redet viel – allerdings meist oberflächlich, ohne tiefgründige Gesprächsthemen.
  • Spontane Dates: Man trifft sich regelmäßig, aber stets kurzfristig. Längere Pläne, wie zum Beispiel ein gemeinsamer Urlaub, werden nicht gemacht.
  • Leben im Hier und Jetzt: Man genießt die momentane Situation, eine gemeinsame Zukunft ist kein Thema.
  • Gefühle sind außen vor: Natürlich kann es Gefühle geben, aber über sie wird nicht gesprochen. Wenn doch, weicht die andere Seite aus.
  • Viel Freiraum: Man verbringt zwar Zeit miteinander, kennt aber weder den Freundeskreis noch die Familie der anderen Seite. Zu Geburtstagen, Firmenfeiern und Partys geht man lieber allein.
  • Offener Beziehungsstatus: Die alles entscheidende Frage „Was sind wir eigentlich?“ steht noch aus.

Wann beendet man besser eine Situationship?

Eine Situationship kann wunderbar sein, solange beide Seiten die gleichen Vorstellungen vom Dating und dieser Art unverbindlicher Beziehung haben. Sobald eine Person tiefere Gefühle entwickelt, wird es meist kompliziert. Und das geht schneller, als man denkt. Denn die körperliche Nähe macht nicht nur Spaß, sie macht auch etwas mit dem Körper.

Durch Sex, Kuscheln oder auch schon beim Umarmen wird das Bindungshormon Oxytocin freigesetzt. Das ist einerseits natürlich positiv, weil durch die Hormonausschüttung das Stresslevel gesenkt und das Immunsystem gestärkt werden kann. Wenn das Bindungshormon aber in der unverbindlichen Situationship kein Zuhause findet, wird es unangenehm und seelisch belastend.

TikTok, die Social-Media-Plattform der jungen Generation, ist voller Videos mit Erfahrungsberichten. Oft geht es darum, wie der unklare Beziehungsstatus den Betroffenen zwar immer mehr zusetzt, sie aber das Thema nicht offen ansprechen wollen. Andere, die sich getrennt haben, erzählen, wie lange es gedauert hat, damit richtig abzuschließen. Denn das ist das Paradoxe an einer Situationship: Wenn es offiziell keine Beziehung gibt, kann man sich auch nicht richtig trennen. Und das macht das Ende einer Situationship psychisch so kompliziert.

Deswegen: Wenn man merkt, dass man sich in einer Situationship nicht länger wohlfühlt, sollte man sich die Zeit nehmen, in sich zu gehen. Was genau wünscht man sich für eine Beziehung? Was genau wünscht man sich nicht? Es geht darum, für sich selbst gesunde Grenzen zu setzen und diese dann offen zu kommunizieren. Wie Sie trainieren können, die eigenen Bedürfnisse ganz bewusst wahrzunehmen und besser kennenzulernen, lesen Sie hier.

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