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Soft Life – der Trend, der Burnout vorbeugt

10 Tipps für mehr Selbstfürsorge und ein gesünderes Leben

Artikel nach Kategorien filtern #Psychologie #Medizin
Ein Mann steht an seine Terassentür gelehnt und sieht nachdenklich und bedrückt nach draußen.

Haben Sie schon mal von „Soft Life“ gehört? Hier erfahren Sie, was der Social-Media-Trend mit Burnout-Prävention zu tun hat. Außerdem gibt die Psychologin Beate Landgraf wertvolle Tipps, wie Sie sich jeden Tag mental und emotional stärken können.

  • Tipp 1: Digitale Pausen einlegen
  • Tipp 2: Monotasking
  • Tipp 3: Auch mal „Nein“ sagen
  • Tipp 4: Gesunde Work-Life-Balance
  • Tipp 5: Auch mal gar nichts tun
  • Tipp 6: Erholsam schlafen
  • Tipp 7: Sich ausgewogen ernähren
  • Tipp 8: Sich ausreichend bewegen
  • Tipp 9: Mit anderen sprechen
  • Tipp 10: Hilfe in Anspruch nehmen
  • Was ist eigentlich Soft Life?

    Der Begriff „Soft Life“ stammt ursprünglich aus der nigerianischen Influencer-Community. Schwarze Frauen machten sich dafür stark, die eigenen Bedürfnisse und die körperliche und mentale Gesundheit zu priorisieren, anstatt sich ständig nur um andere zu kümmern. In den sozialen Medien hat sich der Begriff schnell zum Trend entwickelt. „Soft Life“ wurde zum Gegenmodell zur „Hustle Culture“: einem Lebensstil, der auf harte Arbeit und ständigen Leistungsdruck setzt und dadurch schnell in den Burnout führen kann. 

    Wie Sie „Soft Life“ in Ihr Leben integrieren und damit Burnout-Symptomen vorbeugen können? Wir haben mit der Psychologin Beate Landgraf gesprochen und einige Tipps für Sie zusammengestellt.

    Tipp 1: Digitale Pausen einlegen

    Heutzutage sind wir fast rund um die Uhr erreichbar. Wir beantworten Nachrichten in der Schlange an der Supermarktkasse oder checken am Bahnsteig unsere E-Mails. Diese dauerhafte Erreichbarkeit erhöht laut Forschung unseren Stresspegel und verringert unsere Konzentrationsfähigkeit. Ständige Erreichbarkeit führt in vielen Fällen auch dazu, dass die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben aufweichen. Gelingt das Abschalten und Entspannen nach der Arbeit überhaupt nicht mehr, können dies bereits die ersten Burnout-Symptome sein.

    Eine digitale Fastenkur kann da richtig guttun. Mehr dazu erfahren Sie hier.

    „Nehmen Sie sich pro Stunde rund fünf Minuten Zeit, um geistig im wahrsten Sinn herunterzufahren. Schauen Sie aus dem Fenster, gönnen Sie sich und Ihrem Gehirn eine Pause. Schalten Sie bewusst am Abend das Handy aus oder legen Sie am Wochenende sogar mal einen ganzen Tag eine Handypause ein.“

    Tipp 2: Monotasking

    So schön die Vorstellung von Multitasking auch ist: Sie ist ein Mythos. Wenn wir glauben, zwei Dinge gleichzeitig zu tun, springen wir eigentlich zwischen beiden Tätigkeiten geistig hin und her. Tatsächlich wirkt sich dieses Hin- und Herspringen negativ auf die Leistung aus. Studien beweisen außerdem, dass Multitasking Stressreaktionen im Körper auslöst – und so auf Dauer in den Burnout führen kann.

    Monotasking ist deshalb sowohl produktiver als auch gesundheitsschonender. Dabei konzentrieren Sie sich ganz auf die anstehende Aufgabe – und erst, wenn diese Aufgabe erledigt ist, wenden Sie sich der nächsten zu. Die dringende Mail? Kann auch bis nach dem Meeting warten! Das wichtige Telefonat? Erledigen Sie besser nach dem Einkaufen als währenddessen. 

    Noch mehr über Mono- und Multitasking erfahren Sie hier.

    „Bauen Sie nach jeder Aufgabe, die Sie erledigt haben, eine kurze Besinnungspause ein. Stellen oder setzen Sie sich dafür bewusst hin, konzentrieren Sie sich und atmen Sie gut durch. Wenn Sie mit diesem Ritual das Projekt oder den Arbeitsschritt abschließen, kann Ihr Gehirn besser auf das Folgende umschalten. Sie sind umso konzentrierter.“

    Tipp 3: Auch mal „Nein“ sagen

    Es gibt diese Menschen, die niemals Nein sagen, die bis tief in die Nacht arbeiten und auch bei Krankheit weitermachen. Für den Hamburger Forscher Prof. Dr. Matthias Burisch sind diese Menschen besonders burnoutgefährdet. Er unterscheidet dabei zwei Typen: 

  • die Aktiven: Sie sind immer mit vollem Einsatz dabei. Sie sagen aus eigenem Antrieb zu allem Ja und müssen auch im privaten Leben überall dabei sein, bis ihre Energie aufgebraucht ist.
  • die Passiven: Sie wollen es jedem recht machen und können deshalb nichts abschlagen. Dadurch übernehmen sie jedoch oft Aufgaben, die sie eigentlich nicht übernehmen möchten und die sie erschöpfen. 
  • Für beide Typen ist es wichtig, den eigenen Energiehaushalt im Blick zu haben und auch mal Nein zu sagen. Denn: „Wer nicht Nein sagen kann, kommt im Leben zu kurz, übergeht sich und seine Bedürfnisse, er gefährdet seine Gesundheit“, erklärt der Züricher Psychologe Prof. Dr. Jürg Frick.

    „Beobachten Sie sich selbst! Wer bin ich oder welcher Typ bin ich? Gestehen Sie sich selbst ein, welche Stressoren Sie antreiben. Hören Sie in sich hinein, wie Sie sein wollen, was Ihre Wünsche und Bedürfnisse sind. Erst dann können Sie sich verändern und neue Verhaltensmuster aufbauen.“

    Tipp 4: Gesunde Work-Life-Balance

    Burnout kann durch ein hohes Stresslevel über einen längeren Zeitraum ohne ausreichende Erholung entstehen. Oft sind gerade Personen davon betroffen, die sehr perfektionistisch sind und hohe Ansprüche an sich stellen. Viele Menschen glauben, erst alles Wichtige erledigen zu müssen, bevor sie sich mit schönen Aktivitäten oder einer Pause „belohnen“ dürfen. 

    Eine hochwertige Freizeit ist jedoch wichtig, damit Stresshormone sinken und Ihre mentalen Ressourcen sich wieder auffüllen können. Schöne Dinge, die Freude machen, steigern die Ausschüttung von Dopamin und Serotonin und machen es Ihnen leichter, beruflichem Druck standzuhalten.

    „Räumen Sie Ihrer Freizeit eine genauso hohe Relevanz ein wie Ihrer Arbeitszeit. Planen Sie bewusst Aktivitäten ein, die Ihnen guttun. Das können zum Beispiel Hobbys sein, Spaziergänge in der Natur oder ein erholsamer Nachmittag in der Sauna.“

    Tipp 5: Auch mal gar nichts tun

    Sie wollen Ihre Freizeit besonders produktiv nutzen und nehmen sich deshalb ganz viel vor: zuerst brunchen, dann ins Museum und abends noch ins Kino. Aber nach dem Wochenende sind Sie nicht erholt, sondern ziemlich erschöpft. 

    Wer sich wirklich erholen will, sollte gelegentlich einfach mal gar nichts tun und stattdessen im Bett liegen bleiben oder aus dem Fenster schauen. Kinder machen es uns vor: „Wenn man Kinder im Sandkasten beim Spielen beobachtet, dann sieht man, dass sie manchmal einfach dasitzen und in die Luft gucken“, erklärt Psychiater Prof. Manfred Spitzer. Es sei wichtig für unser Gehirn, „dass es nicht immer bei irgendetwas in der Welt ist, sondern gelegentlich einfach nur bei sich selbst“.

    „Bauen Sie auch in Ihre Freizeit Pausen ein, in denen Sie einfach mal gar nichts tun. Sie können Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nutzen oder einfach nur eine Weile ruhig dasitzen. Das fährt Kopf und Körper herunter, entschleunigt und beugt einer Spirale aus chronischem Stress vor.“

    Tipp 6: Erholsam schlafen

    Filme und Serien schauen ist eine beliebte Freizeitaktivität am Abend. Vielleicht schlummern Sie auch manchmal während eines Serienmarathons auf dem Sofa ein. 

    Auf unser Gehirn allerdings haben Filme und Serien keine entspannende Wirkung. Die schnellen Bilder und das Bildschirmlicht können sogar zu Schlafstörungen führen. 

    Erholsamer Schlaf ist jedoch wichtig für Ihr körperliches und mentales Wohlbefinden. Denn wer ausgeschlafen ist, ist stressresistenter und hat mehr Energie. Mehr darüber, wie Sie Ihren Schlaf verbessern können, erfahren Sie hier.

    „Schalten Sie mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen Handy, Laptop und Co. aus. Schaffen Sie sich neue Rituale und drehen Sie zum Beispiel eine Runde ums Haus. Sprechen Sie mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner oder lesen Sie noch ein Buch – möglichst keinen Psychothriller. Etwas autogenes Training vor dem Einschlafen bringt einen besonders erholsamen Schlaf.“

    Tipp 7: Sich ausgewogen ernähren

    Ein Schokoriegel ist für viele auf Reisen oder im Büro die schnelle Rettung bei Heißhunger. Ganz nach dem Motto „geht direkt ins Blut und spendet schnelle Energie“. Und je mehr man zu tun hat, desto eher greift man nach schnellen Snacks statt zu ausgewogenen Mahlzeiten. Dabei kann eine gute Ernährung eine Menge zum Wohlbefinden beitragen. Der Präventionsmediziner Dr. Michael Spitzbart rät in seinem Buch „Erschöpfung und Depression. Wenn die Hormone verrücktspielen“ zu ausgewogenen Mahlzeiten. Statt auf Zucker sollte man auf gehirnaktives Eiweiß achten. „Aminosäuren sind für Leistungsträger ein Muss, damit Serotonin und Noradrenalin nicht auf der Strecke bleiben“, so der Experte. Serotonin ist das Hormon der inneren Ruhe und letztendlich des Glücksgefühls. Haben wir zu wenig davon, können Depressionen die Folge sein. Die Ausgangssubstanzen für das Glückshormon Serotonin und das Antreiberhormon Noradrenalin stecken hauptsächlich in Vollkorn-, Soja-, Ei- und Molkereiprodukten, Kartoffeln, Bananen, Wildreis, Hülsenfrüchten oder Erdnüssen. In Schokolade dagegen sind sie nicht zu finden. 

    Wichtig ist allerdings nicht nur, was wir essen, sondern auch, wie wir essen. Nehmen Sie sich bewusst Zeit für Ihre Mahlzeiten oder essen Sie hastig zwischen zwei Meetings am Schreibtisch? Hier erfahren Sie mehr darüber, wieso achtsames Essen Ihnen guttut.

    „Ein reichhaltiges Frühstück, ein aufbauendes Mittagessen und ein ausgewogenes Abendessen mit einem Abstand von vier bis fünf Stunden zwischen den Mahlzeiten, das beugt Krankheiten vor und erhöht die Lebenserwartung. Verzichten Sie lieber auf Zwischenmahlzeiten und trinken Sie viel. Dadurch wird der Schokoriegel überflüssig, der eh nur etwa 30 Minuten Energie bringt, um dann den Körper noch tiefer in die Müdigkeit zu führen.“

    Tipp 8: Sich ausreichend bewegen

    Sport ist ein wahres Wundermittel gegen Stress. Bewegung reduziert nämlich Cortisol und erhöht Endorphine – dadurch werden Wohlbefinden und Konzentrationsfähigkeit verbessert. Wer regelmäßig Sport treibt, senkt sogar nachweislich das Risiko für Depressionen und Angststörungen. Und auch die Schlafqualität kann sich durch Bewegung verbessern. 

    Darüber hinaus kann Sport viel zu einem gesunden Selbstvertrauen beitragen. Denn sportliche Erfolgserlebnisse und ein gutes Körpergefühl sorgen dafür, dass man sich auch im Alltag stärker und selbstbewusster fühlt. Sie suchen nach Tipps, um mehr Bewegung in Ihren Alltag zu integrieren? Hier werden Sie fündig.

    „Stecken Sie sich erreichbare Ziele und versuchen Sie, Bewegung dauerhaft in Ihren Alltag zu integrieren. Fahren Sie zum Beispiel mal Fahrrad statt Auto, gehen Sie in der Mittagspause eine Runde spazieren oder am Wochenende ins Schwimmbad. Schon 20–30 Minuten moderate Bewegung am Tag zeigen messbare Effekte.“

    Tipp 9: Mit anderen sprechen

    In stressigen Zeiten neigen wir manchmal dazu, uns zurückzuziehen und soziale Kontakte zu reduzieren. Gerade in diesen Phasen ist es jedoch besonders wichtig, den Kontakt zu anderen Menschen zu suchen, denn das Gefühl von Verbundenheit reduziert Stress und beruhigt unser Nervensystem. 

    Der Austausch mit anderen kann uns dabei unterstützen, Belastungen besser zu verarbeiten und neue Perspektiven zu gewinnen. Gespräche, Humor, gemeinsame Aktivitäten – all das trägt dazu bei, dass wir besser mit negativen Erfahrungen umgehen können.

    „Gute soziale Beziehungen sind eines der wirksamsten Mittel, um psychisch gesund und zufrieden zu sein. Nehmen Sie sich Zeit für gemeinsame Abendessen, Ausflüge oder Telefonate – es lohnt sich.“

    Tipp 10: Hilfe in Anspruch nehmen

    Nicht immer lässt sich ein Burnout verhindern, denn er ist die Folge von chronischem Stress und Überlastung. Häufig entsteht er durch Erwerbsarbeit, aber auch Überlastung durch Care-Arbeit kann in den Burnout führen, beispielsweise bei der Pflege von Angehörigen. In einer solchen Situation ist es wichtig, Hilfe in Anspruch zu nehmen, um aus dieser Überlastungsspirale wieder herauszufinden. 

    Aber bei welchen Symptomen sollte man sich an seine Ärztin oder seinen Arzt wenden? Oft äußert sich eine Burnout-Erkrankung durch starke Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Die Leistungsfähigkeit lässt nach, man wird langsamer, unkonzentrierter, ist weniger kreativ. Auch das Gefühl von Leere und Sinnlosigkeit, erhöhte Reizbarkeit und sozialer Rückzug sind typisch für Burnout. 

    Der erhöhte Stress kann außerdem zu körperlichen Beschwerden führen. Typisch sind Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Schwindel, Tinnitus, Hörsturz, hoher Blutdruck, Herz-Kreislauf-Probleme, Muskelverspannungen, Zähneknirschen, Rücken- oder Nackenschmerzen. Auch Schlafstörungen kommen häufig vor.

    „Wenn Sie bei sich diese Symptome wiederfinden, sollten Sie aktiv werden, indem Sie sich an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt wenden.“

    Psychische Gesundheit

    Vorbeugen, behandeln und verstehen – mit Unterstützung der SBK

    Innere Leere, Antriebslosigkeit und Ängste – die Auslöser dafür können sehr vielfältig sein. Eines haben alle genannten Ursachen gemeinsam: Die Teilnahme am beruflichen und gesellschaftlichen Leben wird erheblich beeinträchtigt. Für viele Betroffene ist die Hausärztin oder der Hausarzt eine gute erste Anlaufstelle, um professionelle Hilfe zu erhalten. Wie die SBK Sie und Ihre Familie dabei unterstützt, psychische Herausforderungen zu meistern, erfahren Sie hier.

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