Telemedizin: Hausbesuch per Klick

Telemedizin kann die Medizinische Versorgung bereichern und das Leben der Patienten leichter machen.

Frau mit Ipad sitzt auf einem Stuhl

Stellen Sie sich vor: Jemand hat sich bei der Gartenarbeit verletzt. Die Wunde ist versorgt, der Heilungsprozess scheint gut voranzugehen. Dennoch sollte der Arzt die Heilung weiter kontrollieren. Wie wäre es, wenn das bequem per Videoübertragung ginge?

Zukunftsmusik? Im Gegenteil: Ein Informationsaustausch in dieser Art – etwa von PC zu PC – ist für immer mehr Patienten und Ärzte in bestimmten Fällen bereits heute ein alltäglicher Teil der medizinischen Betreuung.

Was heißt Telemedizin genau?

Das Stichwort hierfür: Telemedizin oder auch „Fern“-Medizin. Der Begriff umfasst dabei weit mehr als nur die ärztliche Routinekontrolle per Video. Telemedizin kann in der Diagnostik, für Behandlungen und Auswertungen, in der Zusammenarbeit des Arztes mit Spezialisten oder zur Unterstützung von Ersthilfe- und Notfallmaßnahmen eingesetzt werden.
Patienten sparen sich dabei Zeit und lange Anfahrtswege. Und Ärzte profitieren von effizienteren Abläufen.

Die Voraussetzung: Sicherheit für Patient und Arzt

Rein technisch gesehen ist in all diesen Bereichen längst eine Menge möglich. Doch um eine telemedizinische Lösung im Alltag einsetzen zu können, muss sie sehr strenge Richtlinien erfüllen. Ganz oben steht dabei das Thema Datensicherheit:
Patienten und Ärzte müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Daten größtmöglichen Schutz genießen.
Für die Ärzteschaft ist es zudem entscheidend, dass entsprechende Leistungen mit ihrem Berufsrecht in Einklang stehen. An diesen beiden Punkten wird deutlich: Ein telemedizinisches Angebot lässt sich einfach nicht so schnell zur Praxisreife führen wie beispielsweise eine Service-App. Dennoch gibt es eine ganze Reihe von telemedizinischen Anwendungen, die Patienten und Ärzten schon heute wertvolle Unterstützung bieten.

Hier die wichtigsten im Überblick: 

Kardiologen können bei Herzpatienten bestimmte Implantate wie zum Beispiel einen Defibrillator oder ein sogenanntes CRT-System (zur Behandlung von schwerer Herzschwäche) per Fernüberwachung kontrollieren. Für die Patienten bedeutet das ein gutes Stück mehr Sicherheit.

Ärzte können sich in sogenannten „Telekonsilen“ mit anderen Ärzten beraten, um radiologische Befunde zu beurteilen. Das beschleunigt nicht nur den Austausch, sondern erhöht auch die Diagnosequalität.

Verschiedene Leistungserbringer (z. B. Hausarzt, Facharzt oder Klinik) können sich gegenseitig in digitaler Form schnell und unkompliziert ins Bild setzen. Das spart Zeit und entlastet Sie und die involvierten Praxen.

Seit dem 1. April 2017 dürfen Patienten in bestimmten Fällen Videosprechstunden in Anspruch nehmen. Bei langen Anfahrtswegen etwa oder nach Operationen können Ärzte per Videoübertragung weitere Therapieschritte erläutern oder den Heilungsfortschritt kontrollieren.
Für viele Patienten eine große Erleichterung. Denn sie brauchen lediglich zur Erstdiagnose in die Praxis kommen. Alle weiteren Termine können sie bequem von zu Hause aus wahrnehmen.

Welche Möglichkeiten stehen SBK-Kunden offen?

Alle oben genannten Leistungen lassen sich über die gesetzliche Krankenversicherung abrechnen. Als SBK-Kunde können Sie also schon heute von diesen Angeboten profitieren. Telemedizinische Leistungen werden erst sukzessive aufgebaut und werden noch nicht in allen Regionen gleichermaßen angeboten.
Hintergrund sind die erst allmählich geschaffenen Rechtsgrundlagen. Ärzte haben zum Beispiel erst seit April 2018 die rechtliche Möglichkeit, Videosprechstunden durchzuführen. Zudem müssen sie hohe technische Anforderungen erfüllen, sodass es noch etwas dauern wird, bis Videosprechstunden flächendeckend angeboten werden.

Ihr persönlicher Kundenberater informiert Sie gerne darüber, welche Angebote Sie in Ihrem Fall und in Ihrer Region nutzen können. Allgemeine Informationen zur Behandlung beim Hausarzt oder Facharzt finden Sie auf der Seite ärztlichen Behandlung.

„Tele-Arzt“ und Online-Coaching

In Baden-Württemberg wird das „Fernbehandlungsverbot“ bereits etwas lockerer ausgelegt. Im Rahmen des Pilotprojekts „docdirekt“ können gesetzlich Versicherte dort nun Videosprechstunden in Anspruch nehmen, ohne zur Erstdiagnose in die ärztliche Praxis zu müssen.
Und auch in den Pilotregionen Nordrhein, Westfalen-Lippe, Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern können Versicherte seit Juli 2017 das Versorgungsprogramm „Tele-Arzt“ in Anspruch nehmen. Dieses Modellprojekt kommt besonders Patienten zugute, die an bestimmten chronischen Erkrankungen leiden – oder die in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind.

Hausärzte arbeiten hierfür mit speziell qualifizierten Versorgungsassistenten zusammen. Eine wichtige Rolle spielt dabei deren telemedizinische Ausrüstung. Der Assistent kann bei seinen Hausbesuchen Gesundheitsdaten (z. B. Blutdruckwerte) erheben und sie direkt an den Hausarzt senden. Bei Bedarf schaltet sich der Arzt dann per Videotelefonie zu. Menschen mit ersten Anzeichen einer Depression, eines Burn-outs oder von Angststörungen bietet die SBK zudem kurzfristige Unterstützung durch ein spezielles Online-Coaching.
Versicherte können die Einheiten dieses Coachings ganz unabhängig von Zeit und Ort durchführen – auf dem Smartphone, einem Tablet oder am PC.

Eines ist sicher: Der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patient wird weiterhin der „Goldstandard“ in der Patientenbetreuung bleiben. Doch telemedizinische Anwendungen können in vielen Bereichen zusätzliche neue Möglichkeiten eröffnen. Man denke nur an Herz-Kreislauf- oder Diabetes-Patienten, deren Werte lückenlos überwacht werden könnten. Oder an Patienten mit eingeschränkter Mobilität. An komplexe Behandlungen, die mehrere Spezialisten erfordern. Und das sind nur einige Beispiele, wo die Telemedizin sinnvoll eingesetzt werden kann.

Wann genau sind Videosprechstunden bereits heute möglich?

Ärzte müssen hohe technische Anforderungen, insbesondere zur technischen Sicherheit und zum Datenschutz erfüllen. Videosprechstunden dürfen nur von bestimmten Arztgruppen angeboten werden und sind nur für bestimmte, dafür besonders geeignete Erkrankungen vorgesehen. Dazu gehören beispielsweise die Verlaufskontrolle von Operationswunden, Einschränkungen und Störungen des Stütz- und Bewegungsapparates, die Beurteilung des Sprechens, der Stimme und der Sprache sowie die Kontrolle von Hautkrankheiten.

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