Was sind Zivilisationskrankheiten?

Ob Allergien, Rheuma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – sie alle gehören für viele Menschen in der heutigen Zeit zur Realität.

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Zu den Zivilisationskrankheiten zählen Krankheiten, die in vielen Bevölkerungsschichten verbreitet sind. Sie entstehen häufig durch Umweltfaktoren, Überkonsum oder Fehlverhalten im Lebensalltag. Einige können aber auch genetisch bedingt sein. Der Ausdruck Zivilisationskrankheit ist gleichbedeutend mit dem altmodischeren Begriff Volkskrankheit.

Ursachen von Zivilisationskrankheiten

Zivilisationskrankheiten sind nicht übertragbar und somit nicht ansteckend. Die meisten Zivilisationskrankheiten sind vielmehr dem Leben in modernen Gesellschaften geschuldet – sie lassen sich in Zusammenhang bringen mit schlechter Ernährung, Stress und Bewegungsmangel. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen, Alkohol, Umweltgifte wie Feinstaub oder Pestizide, aber auch Lärmemissionen oder übertriebene Hygiene. Auch psychosoziale Faktoren wie Einsamkeit, Leistungsdruck, übersteigerte Ideale oder mediale Reizüberflutung können krank machen. Einige Zivilisationskrankheiten ließen sich mit wirkungsvoller Gesundheitsprävention eindämmen.

Zivilisationskrankheiten – welche zählen dazu?

In der medizinischen Fachwelt gibt es keine einheitliche Definition des Begriffs – im Allgemeinen fallen darunter aber Krankheiten einer „typischen Wohlstandsgesellschaft“ wie diese:

Hier reagiert das Immunsystem bei Kontakt mit einem eigentlich harmlosen Stoff überempfindlich. Sehr häufig sind Pollen- und Tierhaarallergien, aber auch Lebensmittelallergien, die sich wie die Histaminintoleranz auf die Haut oder wie eine Fruchtzuckerunverträglichkeit auf den Magen schlagen können.

Wenn das Atmen schwerfällt, das Lungenvolumen verringert und die Brust eng ist, kann Asthma, eine chronische Bronchitis oder die als Raucherlunge bekannte Chronic obstructive pulmonary disease (COPD) vorliegen, häufig hervorgerufen durch Umweltgifte.

Nicht nur Weit- und Kurzsichtigkeit, sondern auch trockene Augen erschweren den Alltag – und sind zum Teil vermeidbar, etwa durch reduzierte Bildschirmzeiten, auch schon bei Kindern.

Ein Gesamtcholesterinwert von >190 mg/dl gilt als bedenklich. Wer zu viel gesättigte Fettsäuren zu sich nimmt und sich dabei zu wenig bewegt, riskiert durch das hohe Cholesterin Arterienverkalkung und damit womöglich Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Insbesondere die zum Teil aufhaltbare, sogenannte sekundäre Demenz kann in Alkoholmissbrauch, Stoffwechselstörungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten begründet sein. Die Ursachen der nicht heilbaren primären Demenz sind hingegen unklar.

Magersucht, Ess-Brech-Störungen wie Bulimie oder Binge-Eating sind Essstörungen und gehören damit zu den psychischen Erkrankungen. Ursachen können soziale Überforderung, hoher Leistungsdruck, Mobbing, traumatische Erlebnisse und vieles mehr sein.

Neurodermitis, Schuppenflechte oder Akne können in Zusammenhang mit Umweltgiften, übersteigerter Hygiene, psychischen Symptomen wie Stress oder auch einem gestörten Hormonhaushalt stehen.

Neben genetischen oder angeborenen Ursachen oder Fehlbildungen am Herzen gibt es viele individuelle Faktoren, die Arteriosklerose, Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzinfarkt oder das metabolische Syndrom – eine Kombination von Übergewicht, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen – hervorrufen können. Dazu gehören der Verzehr von zu viel gesättigten Fettsäuren, rotem Fleisch oder Salz bei gleichzeitigem Bewegungsmangel.

Viele Krebsarten wie Lungenkrebs oder Darmkrebs entwickeln sich über sehr lange Zeiträume, sodass die Diagnoseder genauen Ursachen schwerfällt. Bewiesen ist aber, dass eine ungesunde Lebensweise mit zu viel Alkohol und Zucker sowie der Einfluss von Umweltgiften wie Tabakrauch, Feinstaub oder Pestiziden – neben genetischen Faktoren – Krebs begünstigen können.

Reizdarmsyndrom und Morbus Crohn sind chronische, nicht heilbare Magenerkrankungen, bei denen eine gesündere Lebensweise, eine Ernährungsumstellung und eine individuelle Medikation zur Linderung beitragen können.

Migräne tritt auch schon bei Kindern und Jugendlichen auf. Pulsierende, einseitige Kopfschmerzen sowie Übelkeit und Licht- und Lärmempfindlichkeit sind typisch für Migräne. Stress, Reizüberflutung, falsche Ernährung und Wetterfühligkeit können die Ursachen sein, ebenso genetische Veranlagung.

Zu wenig Calcium und Vitamin D, zu viel Konsum von Alkohol und Tabak sowie mangelnde Bewegung machen die Knochen zerbrechlich. Bei Frauen ist häufig auch die Hormonumstellung in den Wechseljahren ursächlich.

Depressionen, Angststörungen und Burnout-Syndrom stehen in Zusammenhang mit Überforderung oder Unterforderung im Job oder Alltag, mit sozialen Problemen wie Mobbing, anderen Erkrankungen wie Brustkrebs oder Long COVID oder erlebten Traumata. Ihre Behandlung gehört in psychotherapeutische Hände.

Während Rheuma eine Autoimmunerkrankung ist, zählt Gicht zu den Stoffwechselerkrankungen. Beides führt zu Schmerzen in Gelenken und Weichteilen. Bei Gicht sind der Verzicht auf kalorienreiches, fettes Essen, Softdrinks und Alkohol hilfreich sowie ein möglichst stressarmer Alltag mit viel Bewegung.

Ob angeborene Fehlstellung der Wirbelsäule, dauerhafte Fehlhaltung im Alltag, zu hohe körperliche Belastung oder Stress – Rückenschmerzen treffen rund 85 Prozent der Bevölkerung Deutschlands. Ein MRT oder CT kann Ursachen wie einen Bandscheibenvorfall abklären.

Schilddrüsenunterfunktion oder Schilddrüsenüberfunktion und Diabetes mellitus (Typ 2) sind Erkrankungen des Stoffwechsels. Das heißt, es wird zu viel oder zu wenig eines Stoffes produziert, der wichtig ist für die einwandfreie Funktion von Körper und Organen. Diese Erkrankungen können genetisch bedingt, aber auch durch Stress und falsche Ernährung ausgelöst werden.

Aus gesundheitlicher Sicht sollte das Gewicht im Normalbereich liegen. Mit einem BMI-Rechner lässt sich schnell herausfinden, welches das individuelle Normalgewicht ist. Wer mehr Kalorien zu sich nimmt, als sein Körper verstoffwechseln kann, nimmt in der Regel zu. Wenn der Körperfettanteil dabei übermäßig ansteigt, spricht man von Adipositas. Vorbeugen lässt sich mit viel Bewegung, mäßigem Süßigkeiten- und Fettkonsum sowie regelmäßigen Mahlzeiten mit viel Obst und Gemüse.

Weit verbreitet sind Zahnschäden wie Parodontitis oder Karies, die durch mangelnde Zahnhygiene, süße Lebensmittel und Fäulnisbakterien entstehen. Mit der richtigen Ernährung und einer optimalen Pflegeroutine lassen sich Zähne gesund erhalten. Kinder leiden immer öfter unter Kreidezähnen, einer Mineralisierungsstörung des Zahnfleisches. Vermutete Auslöser sind Umweltgifte und Weichmacher in Getränken und Lebensmitteln. 

Kann man Zivilisationskrankheiten vorbeugen?

Sofern sie keine genetischen Ursachen haben, sind Zivilisationskrankheiten theoretisch vermeidbar. Wer um die Risiken und Folgen falscher Ernährung, fehlerhafter Körperhaltung, zu vieler Genussmittel oder mangelnder Bewegung weiß, kann aktiv selbst entgegenwirken. Nicht immer aber lassen das die persönlichen Lebensumstände zu. Hier setzt das Gesundheitssystem mit unterstützenden Initiativen an. Allgemein zu empfehlen sind gesunde Ernährung, Sport, wenig Stress und regelmäßige Vorsorgetermine beim Arzt, wie etwa der Gesundheits-Check-up, den über 35-Jährige alle drei Jahre als Krankenkassenleistung wahrnehmen können.

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