Welche Hormone sind für Männer wichtig?
Testosteron, Östrogene, Cortisol & Co.: welche Hormone die Männergesundheit beeinflussen und wann ein Hormontest sinnvoll sein kann.
Ständig müde, weniger Lust, mehr Gewicht oder schwindende Muskelkraft: Schnell geraten die Hormone unter Verdacht – allen voran das Testosteron. Tatsächlich greifen im Körper viele Prozesse ineinander, und die Ursachen für solche Beschwerden sind meist komplex. Welche Rolle spielen Hormone für die Männergesundheit? Und wann ist ärztlicher Rat sinnvoll?
Gibt es typische Männerhormone?
Testosteron – weit mehr als Sexualität
Auch Östrogen, Schilddrüsenhormone, Insulin und Cortisol spielen eine Rolle
Ein einzelner Laborwert sagt oft wenig aus
Wann ist ein Hormontest sinnvoll?
Weitere Hormone im Überblick
Gibt es typische Männerhormone?
Die Antwort lautet: jein. Ob Testosteron, Insulin oder Cortisol: Die gleichen Hormone kommen bei Frauen und Männern vor. Der Unterschied liegt vor allem darin, in welchen Mengen der Körper sie produziert und wie sie wirken.
Wenn von „Männerhormonen“ die Rede ist, sind meist Androgene gemeint – die männlichen Sexualhormone. Schon vor der Geburt tragen sie dazu bei, dass sich männliche Geschlechtsmerkmale entwickeln. In der Pubertät lassen sie unter anderem den Bart wachsen und die Stimme tiefer werden.
Für die Männergesundheit spielen nicht nur Sexualhormone eine Rolle. Andere Hormone steuern zum Beispiel den Blutzucker, wie viel Energie der Körper verbraucht oder wie er auf Stress reagiert.
Mehr über die Aufgaben der körpereigenen Botenstoffe erfahren Sie im Artikel Hormone: wichtige Botenstoffe unseres Körpers.
Testosteron – weit mehr als Sexualität
Testosteron gilt als das „männliche Hormon“ schlechthin. Es entsteht überwiegend in den Hoden und ist an vielen Vorgängen im Körper beteiligt:
Sexualität: Testosteron beeinflusst unter anderem das sexuelle Verlangen. Auch bei Erektionsproblemen kann ein Testosteronmangel eine Rolle spielen – Erektionen hängen jedoch von vielen weiteren Faktoren ab.Fruchtbarkeit: Gemeinsam mit anderen Hormonen steuert Testosteron die Spermienbildung.Muskeln und Knochen: Es hilft, Muskelmasse aufzubauen und zu erhalten, und trägt dazu bei, dass die Knochen stabil bleiben.Blutbildung: Testosteron regt den Körper dazu an, rote Blutkörperchen zu bilden.Stimmung und Antrieb: Es kann auch beeinflussen, wie gut man sich fühlt und wie leistungsfähig man ist.
Wie zeigt sich ein Testosteronmangel?
Bei einem Testosteronmangel kann die Lust auf Sex nachlassen und es können Erektionsstörungen auftreten. Auch die Muskeln können an Kraft verlieren und die Knochendichte kann sinken. Betroffene fühlen sich mitunter müde oder niedergeschlagen. Diese Symptome können auch andere Ursachen haben.
Ob tatsächlich ein Testosteronmangel vorliegt, lässt sich nicht allein anhand von Beschwerden oder eines einzelnen Laborwerts feststellen. Ärztinnen und Ärzte berücksichtigen die Beschwerden und bestimmen den Testosteronwert in der Regel morgens. Ist der Wert auffällig, wird die Messung wiederholt. Je nach Situation können weitere Hormonwerte hinzukommen.
Welche Veränderungen mit zunehmendem Alter auftreten können, erfahren Sie auch in unserem Artikel Wechseljahre bei Männern.
Auch Östrogene, Schilddrüsenhormone, Insulin und Cortisol spielen eine Rolle
Östrogene haben auch bei Männern wichtige Aufgaben. Sie tragen dazu bei, die Knochen stabil zu halten. Außerdem beeinflussen sie das sexuelle Verlangen und die körperlichen Vorgänge beim Sex. Und sie spielen eine Rolle bei der Fortpflanzung. Entscheidend ist also nicht, möglichst wenig Östrogene zu haben. Vielmehr kommt es auf das Zusammenspiel verschiedener Hormone an.Schilddrüsenhormone geben bei vielen Vorgängen im Körper den Takt vor. Sie bestimmen mit, wie viel Energie der Körper verbraucht, wie schnell das Herz schlägt und wie Verdauung und Körpertemperatur geregelt werden. Bei einer Unterfunktion laufen viele Prozesse langsamer: Betroffene fühlen sich häufig müde, nehmen an Gewicht zu oder sind niedergeschlagen. Bei einer Überfunktion können sie dagegen innerlich unruhig sein, Gewicht verlieren oder Herzrasen bekommen. Beide Störungen können außerdem die Lust auf Sex und die Erektionsfähigkeit beeinflussen. Manche Beschwerden ähneln damit denen eines Testosteronmangels. Mehr dazu erfahren Sie im Artikel Schilddrüsenüberfunktion.Insulin sorgt dafür, dass Körperzellen Zucker aus dem Blut aufnehmen und als Energie nutzen können. Zugleich verhindert es, dass zu viel Zucker im Blut bleibt. Reagieren die Zellen zunehmend schlechter auf Insulin, spricht man von einer Insulinresistenz. Sie tritt häufig gemeinsam mit Bauchfett, Übergewicht und Typ-2-Diabetes auf. Diese Stoffwechselveränderungen gehen bei Männern häufig mit niedrigeren Testosteronwerten einher. Diabetes kann zudem Gefäße und Nerven schädigen und dadurch Erektionsstörungen begünstigen.Cortisol wird vor allem in belastenden Situationen ausgeschüttet. Es hilft dem Körper, schnell Energie bereitzustellen. Dauerhafter körperlicher oder psychischer Stress kann den Hormonhaushalt verändern. Unter anderem kann auch die Testosteronproduktion davon betroffen sein. Alltäglicher Stress führt jedoch nicht automatisch zu einer Hormonstörung. Wie Cortisol im Körper wirkt und wie Sie einen Ausgleich schaffen können, erfahren Sie im Artikel Cortisol verstehen – Stress ausgleichen.
Ein einzelner Laborwert sagt oft wenig aus
Unser Körper schüttet Hormone nicht immer in der gleichen Menge aus. Ihre Werte schwanken im Tagesverlauf und verändern sich mit dem Alter. Auch der Gesundheitszustand, Medikamente und der Lebensstil können den Hormonhaushalt beeinflussen. Außerdem sind Hormone Teamplayer: Meist steuert nicht ein einzelnes Hormon einen Vorgang, sondern mehrere wirken zusammen.
Ein einzelner Messwert zeigt deshalb nur eine Momentaufnahme. Für sich genommen sagt er meist nicht, ob eine Hormonstörung vorliegt.
Wann ist ein Hormontest sinnvoll?
Ein Hormontest kann sinnvoll sein, wenn Symptome über längere Zeit bestehen oder mehrere gleichzeitig auftreten. Welche Werte untersucht werden, richtet sich nach den Beschwerden und möglichen Ursachen. Eine ärztliche Abklärung kommt beispielsweise infrage, wenn:
das sexuelle Verlangen deutlich nachlässt,wiederholt Erektionsstörungen auftreten,ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt,die Muskeln besonders stark an Kraft verlieren,die Erschöpfung über längere Zeit anhält odersich das Gewicht ohne erkennbaren Grund verändert.Selbsttests können einzelne Laborwerte erfassen, ersetzen aber keine ärztliche Einordnung. Entscheidend ist, ob der gemessene Wert zusammen mit den Beschwerden und weiteren gesundheitlichen Faktoren tatsächlich auf eine Hormonstörung hindeutet.
Weitere Hormone im Überblick
Für die Männergesundheit spielen auch andere Hormone eine wichtige Rolle. Sie übernehmen ganz unterschiedliche Aufgaben im Körper.
LH und FSH arbeiten eng zusammen. Die beiden Hormone steuern gemeinsam die Funktion der Hoden. LH regt dort die Bildung von Testosteron an. FSH trägt zusammen mit Testosteron dazu bei, dass sich Spermien bilden. Bei einem unerfüllten Kinderwunsch können beide Werte darauf hinweisen, wo die Ursache liegt. Mehr dazu können Sie im Artikel Unfruchtbarkeit beim Mann lesen.Prolaktin beeinflusst ebenfalls Sexualität und Fortpflanzung. Ist der Prolaktinwert deutlich erhöht, kann der Körper weniger Testosteron bilden. Dann kann die Lust auf Sex nachlassen, die Erektion kann gestört werden und die Fruchtbarkeit kann sinken. hGH ist das menschliche Wachstumshormon. Es bleibt auch aktiv, wenn wir ausgewachsen sind. Dann wirkt es auf den Stoffwechsel. Es hilft, Muskeln und Knochen zu erhalten, und beeinflusst das Verhältnis von Muskel- und Fettmasse. Wenn wir älter werden, schüttet der Körper weniger hGH aus. Das gehört zum Älterwerden und bedeutet in der Regel keinen Hormonmangel. Ein tatsächlicher hGH-Mangel ist selten und lässt sich nur durch spezielle Untersuchungen feststellen.
DHEA – eine Hormonvorstufe
Wer sich mit „Männerhormonen“ beschäftigt, stößt schnell auf DHEA. Die Abkürzung steht für Dehydroepiandrosteron. Der Körper bildet DHEA überwiegend in den Nebennieren und nutzt es als Ausgangsstoff für Androgene und Östrogene. Der DHEA-Spiegel erreicht im jungen Erwachsenenalter seinen Höhepunkt und nimmt danach allmählich ab. Dieser Rückgang gehört zum natürlichen Älterwerden und weist für sich genommen nicht auf einen krankhaften Mangel hin.
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eau
- Sexual and Reproductive Health
(
https://uroweb.org/guidelines/sexual-and-reproductive-health/chapter/male-hypogonadism
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Annewieke W van den Beld, Jean-Marc Kaufman, M Carola Zillikens, Steven WJ Lamberts, Josephine M Egan, Aart J van der Lely
- The physiology of endocrine systems with ageing
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https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6089223/
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Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie
- Anti-Aging-Hormone halten meist nicht, was sie versprechen
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https://www.endokrinologie.net/pressemitteilung/anti-aging-hormone.php
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Vincenzo Rochira, MD, PhD and Cesare Carani, MD.
- Estrogens, Male Reproduction and Beyond
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https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK278933/
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