Die Zahnspange aus dem 3D-Drucker

Immer einen Schritt voraus: Gemeinsam mit einem Start-up fördert die SBK digitale Lösungen.

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Das Digitale-Versorgung-Gesetz eröffnet Krankenkassen neue Rahmenbedingungen: Moderne Technologien und Innovationen lassen sich damit schneller für neue Versorgungslösungen nutzen. Diese Chance nutzt auch die SBK, indem sie mit dem Start-up Dentavenir kooperiert. Das in Nürnberg angesiedelte Unternehmen stellt Zahnspangen mithilfe eines 3D-Druckers her – eine Weltneuheit.

Kieferorthopädische Behandlungen in Deutschland

In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung Zahnspangen für ihre Versicherten in der Regel bis zum 18. Lebensjahr. Auch die SBK investiert jährlich circa 20 Millionen Euro in kieferorthopädische Behandlungen – Tendenz steigend. Grund dafür ist der wachsende Bedarf bei den Patienten.

Trotz hoher Nachfrage hat sich aus technischer Sicht in den letzten Jahren nur wenig bei der Herstellung von Zahnspangen verändert. Die Anfertigung ist noch immer echte Handarbeit. Ein Zahntechniker fertigt in vielen Schritten jede Spange individuell für jeden einzelnen Versicherten an. Dies erfordert nicht nur viel Fingerspitzengefühl und Fachwissen, sondern ist auch besonders zeitintensiv.

Um die Herstellung zukünftig effizienter zu gestalten, hat das junge Unternehmen Dentavenir eine innovative Lösung entwickelt: die Zahnspange aus dem 3D-Drucker. Im Rahmen des Innovationswettbewerbs Healthy Hub stellte das Start-up 2017 erstmals das neue 3D-Druckverfahren vor.

Vorteile und Herstellung der 3D-Zahnspange

Die 3D-Druck-Zahnspange von Dentavenir ist eine Weltneuheit. Die Spange passt durch das neue Verfahren exakt auf die Zähne des Anwenders und kommt ganz ohne Metallklammern aus. Gleichzeitig ist sie angenehmer und damit länger zu tragen. Die Versicherten profitieren also gleich mehrfach.

Für die Herstellung der Spange sind die Zahnabdrücke des Patienten nötig. Um diese zu erfassen, benutzt der Kieferorthopäde einen sogenannten Intraoralscanner, der den Kiefer digital abbildet. Dabei bleibt dem Patienten der Abdruck mittels Metallschiene und Alginatpaste erspart. Der erfasste Datensatz wird im Anschluss mit einer speziellen Software an das Labor übermittelt. Hier fertigt der 3D-Drucker in nur wenigen Stunden und vollkommen selbstständig eine entsprechende Zahnspange an. Anschließend müssen lediglich kleine Nachbearbeitungen per Hand durchgeführt werden.

Zwei starke Partner für eine Idee mit Zukunft

Die SBK ist von Anfang an begeistert von dieser digitalen Versorgungsidee und im engen Austausch mit dem Dentavenir-Team gewesen. Ziel ist es, allen Versicherten unter 18 Jahren eines Tages diese innovative Lösung anbieten zu können. Aktuell profitieren zwar erst wenige Versicherte am Standort von Dentavenir in Nürnberg von den neuartigen Zahnspangen, aber: „Der erste Schritt ist getan“, betont Marco Gillitz, SBK-Fachexperte für zahnärztliche Versorgung.

Unsere Erfahrung zeigt: Wir müssen vielversprechende Lösungen von Anfang an fördern und begleiten, damit sie in unserem stark regulierten ersten Gesundheitsmarkt überhaupt eine Chance haben.

Im zweiten Schritt gilt es nun zu prüfen, wie sich der Einsatz der innovativen Zahnspange auf den Behandlungserfolg auswirkt. Kürzere Behandlungszyklen und konkrete Erfahrungen der Anwender sind dabei die ausschlaggebenden Kriterien. Regelmäßige Kundenbefragungen stellen sicher, dass die Qualität des neuen Produkts zu jedem Zeitpunkt dem hohen Anspruch der SBK gerecht wird.

Darüber hinaus ermöglichen regelmäßige Befragungen, das Produkt gemeinsam mit den Kunden zu verbessern und weiterzuentwickeln. Die bestmögliche Versorgung der Versicherten und ein optimaler Behandlungserfolg stehen bei allen Maßnahmen im Mittelpunkt.

Mehr Freiheiten für die gesetzliche Krankenversicherung dank Gesetzesanpassung

Vom Erstkontakt bis zum finalen Vertragsabschluss zwischen der SBK und Dentavenir sind fast zweieinhalb Jahre vergangen. Laut Marco Gillitz ein gutes Beispiel dafür, warum es bisher so schwer war, digitale Innovation in die Versorgung zu integrieren. Dieses Problem soll zukünftig durch das Digitale-Versorgung-Gesetz gelöst werden: Der Prozess vom Erstkontakt bis zum Vertragsabschluss lässt sich damit deutlich beschleunigen.

Krankenkassen können ab sofort agiler auf moderne Technologien reagieren und durch flexiblere Verträge Kooperationen mit innovativen Partnern eingehen. Um die 3D-Druck-Zahnspange zukünftig möglichst vielen Versicherten zur Verfügung zu stellen, wird das Netzwerk kooperierender Kieferorthopäden aktuell weiter ausgebaut.

Das Digitale-Versorgungsgesetz (DVG)

Mit dem Digitalen-Versorgung-Gesetz (DVG) hat das Gesundheitssystem die Möglichkeiten erweitert, digitale Gesundheitsanwendungen mithilfe des sogenannten Fast-Track-Verfahrens schneller zu bewilligen. Darüber hinaus haben Krankenkassen mehr Freiheiten, Kooperationen mit selbst gewählten Leistungserbringern einzugehen.

Weitere Informationen finden Sie in unserer Pressemitteilung zum Thema.

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