"Das nehme ich jetzt mal nicht persönlich!"

Einfache Tipps um konstruktiv mit Kritik umzugehen.

Unser kritischer Verstand hilft uns, Lösungen zu finden und unsere Welt lebenswert zu gestalten. Was aber, wenn wir selbst zum Gegenstand von Kritik werden – eine Erfahrung, der wir oft nur zu gern aus dem Wege gehen würden? Dies ist eine Einladung, sich beim nächsten Mal bewusst auf Kritik einzulassen. Denn Kritikfähigkeit stärkt unser Selbstvertrauen und macht Menschen zu respektierten Partnern.

Kritik hat viele Gesichter: Wenn unser Lebenspartner sich an einem unbedachten Wort stört, die Chefin Engagement vermisst oder ein Kunde unzufrieden ist, wird unser Verhalten in Frage gestellt. Nicht selten fühlen wir uns dann getroffen, ja verletzt. Wir reagieren ungehalten, versuchen uns zu rechtfertigen und wollen die Kritik am liebsten postwendend zurückgeben. Natürlich spielt es eine Rolle, wie Kritik vorgetragen wird. Es macht einen Unterschied, ob uns der Teamleiter mit einem aufmunternden Lächeln „Ich, weiß, Sie können das besser“ zuflüstert oder uns mitten im Jour fixe vor allen anderen mit drastischer Wortwahl abkanzelt. Doch wie auch immer Kritik an uns herangetragen wird – wir können lernen, sie anzunehmen und mit ihr konstruktiv umzugehen, ohne uns in negative Gefühle hineinzumanövrieren.

Wir sind nicht unsere Fehler

Wenn Kritik die Dinge doch besser machen soll – warum trifft sie uns dann so unangenehm? Was überraschen mag: Das tut sie auch gar nicht in jedem Fall. Die Psychologie geht davon aus, dass wir immer dann mit überzogenen Gefühlen und Abwehr reagieren, wenn wir Kritik persönlich nehmen. Denn oft sind wir selbst unsere größten Kritiker. Fühlen wir uns aber schon selbst mit einer unserer Verhaltensweisen unwohl, kann ein Wort von außen genügen, um uns vollends auf die Palme zu bringen. Es gibt aber noch einen zweiten, vielleicht sogar gewichtigeren Grund, der uns zuerst einmal ablehnend auf Kritik reagieren lässt: die Angewohnheit, uns mit unseren Handlungen zu identifizieren, also Verhalten und Persönlichkeit gleichzusetzen. Wenn wir erkennen, dass uns ein Stolpern nicht per se zu einem ungeschickten Menschen macht, haben wir ein gutes Stück Handlungsfreiheit und Selbstbestimmung über unser Leben gewonnen. Wir wissen, dass wir uns durchaus einen Fehler erlauben können, dass Fehler zum Menschsein dazugehören und uns einzigartig machen. Je gefestigter unser Selbstwertgefühl, desto größer unsere Kritikfähigkeit. Wenn wir Kritik in diesem Bewusstsein zulassen, haben wir uns selbst akzeptiert und können ohne gekränkt zu sein unendlich viel voranbringen.

So sieht es die SBK

Nicht nur Einzelpersonen, auch Unternehmen und andere Institutionen müssen gerade im Zeitalter der Digitalisierung Kritikfähigkeit beweisen. Noch nie war es so einfach, individuell empfundene Produktnachteile oder Serviceschwächen anzusprechen. Vom Hotel über das Lokal um die Ecke und die Hausarztpraxis bis hin zu ungezählten Online-Versandhändlern – alles kann heute bewertet und nicht selten kritisch gesehen werden. Eine E-Mail oder ein Facebook-Post genügt. So lautstark dies mitunter auch vonstattengeht – richtig gehandhabt, fördert diese Form der Kritik die Transparenz im Unternehmen und die Wertschätzung von Kundenbedürfnissen. Auch die SBK pflegt zur weiteren Verbesserung der Kundenzufriedenheit einen konstruktiven Umgang mit Kritik. Dazu haben wir eigens eine Qualitätskampagne ins Leben gerufen, in der wir gezielt den Dialog mit Ihnen suchen und uns Ihren Wünschen, Anregungen und Verbesserungsvorschlägen stellen. Als eine von nur wenigen Krankenkassen lassen wir uns öffentlich bewerten, etwa auf Facebook. Wir sind stolz auf ein überwiegend positives Echo, verfolgen aber auch kritische Beiträge mit großer Aufmerksamkeit. Nur so können wir Ihnen stets erstklassige Leistungen bieten. Um uns Ihr Vertrauen zu verdienen, nehmen wir Ihre Perspektive ein und versuchen nachzuvollziehen, worin der Anlass zur Kritik lag. Ein solcher Perspektivwechsel kann manchmal Wunder bewirken, die sich auch in unserem Privatleben positiv auswirken: einfach einmal in die Rolle des Anderen schlüpfen, so schwer uns das anfangs vielleicht fällt. Dabei entdecken wir, dass die so harsch erscheinende Kritik womöglich das letzte Mittel war, weil wir uns ständig einem Gespräch verweigert haben. Oder aus Unsicherheit vorgebracht wurde. Oder die verspätete Antwort auf eine viel früher geäußerte Kritik unsererseits ist. Und auf einmal halten wir den Schlüssel zur Lösung in der Hand.

Kritik als Chance nutzen – so geht's

1. Akzeptieren. Nehmen Sie die Ihnen entgegengebrachte Kritik erst einmal zur Kenntnis, ohne sich in Ihrer Persönlichkeit getroffen zu fühlen.

2. Nachfragen. Fragen Sie ruhig nach, wenn Ihnen etwas nicht einleuchtet.

3. Prüfen. Überlegen Sie, ob die Kritik in Ihren Augen berechtigt oder unberechtigt ist.

4. Kontrollieren. Wenn Sie sich gekränkt fühlen, fordern Sie Ihren Gesprächspartner auf, bitte sachlich zu bleiben.

5. Reagieren. Wie sie auch ausfallen mag – formulieren Sie Ihre Reaktion positiv.

Weitere Tipps hat Nora Blum vom psychologischen Online-Programm Selfapy für Sie parat. Mehr dazu unter https://www.sbk.org/magazin/kritik-als-chance-nutzen/.