Pilotprojekt zeigt: Gesundheitsfördernde Strukturen an Hochschulen sind wichtig und machbar
Pressemitteilung: Der wissenschaftliche Abschlussbericht des Programms „Psychisch fit studieren: Hochschulen im Dialog“ bestätigt: Verhältnisprävention an Hochschulen für die psychische Gesundheit von Studierenden ist machbar. (16.09.2026)
Die psychische Belastung von Studierenden ist besorgniserregend. Auch mehrere Jahre nach Ende der Coronapandemie sind die Zahlen hoch: Deutlich mehr als die Hälfte der Studierenden (56,7 %) beschreibt ihren psychischen Zustand als weniger gut oder schlecht. Das sind die Ergebnisse des Mental Health Barometers 2025. Und die Belastungen haben Folgen: Psychische Krisen beeinträchtigen die Studienleistung und sind ein häufiger Grund für den Abbruch eines Studiums.

Dieser Entwicklung wirkt die SBK Siemens-Betriebskrankenkasse bereits seit vielen Jahren gemeinsam mit dem Verein Irrsinnig Menschlich e. V. durch das Programm „psychisch fit studieren“ entgegen. Ergänzend arbeiten die Partner nun auch im Programm „Hochschulen im Dialog zur psychischen Gesundheit“ zusammen. Es unterstützt Hochschulen dabei, Bedingungen zu schaffen, die die psychische Gesundheit von Studierenden fördern und bei Belastungen frühzeitig Unterstützung ermöglichen. Dieses Programm wurde wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse liegen nun vor.
Was ist „psychisch fit studieren: Hochschulen im Dialog“?
Das Besondere am Programm: Es setzt auf Verhältnisprävention. Dazu Lisa Steinbrecher, Leiterin des Teams Prävention bei der SBK: „In Deutschland setzt Gesundheitsförderung noch überwiegend auf Verhaltensprävention – also Angebote, die beim Einzelnen ansetzen wie Gesundheitskurse und Wissensvermittlung. Wirksam und nachhaltig wird es aber erst, wenn auch die Verhältnisse stimmen: Strukturen, Prozesse und Kultur an der Hochschule. Genau hier setzt ‚Hochschulen im Dialog‘ an, indem das Programm die Hochschule als Ganzes in den Blick nimmt“.
Im Rahmen des Programms werden Koordinatorinnen und Koordinatoren an den einzelnen Hochschulen unterstützt, Präventionsmaßnahmen umzusetzen. Sie fördern beispielsweise die Sichtbarkeit von Hilfsangeboten, organisieren Events zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen oder kümmern sich um die Ausbildung von Mental-Health-First-Aid-Ersthelferinnen und -helfern. Und – ganz wichtig: Um voneinander zu lernen, bilden sie ein Netzwerk mit den insgesamt 24 am Programm teilnehmenden Hochschulen. Das bundesweite Pilotprojekt umfasste drei jeweils einjährige Programmdurchläufe. In jedem Programmdurchlauf kamen neue Hochschulen dazu.
Evaluation zeigt: Strukturelle Maßnahmen sind umsetzbar und werden positiv bewertet
Das Pilotprojekt wurde wissenschaftlich von der Universität Leipzig begleitet. Dazu wurden drei Zielgruppen in drei Durchgängen befragt: Hochschulkoordinator*innen, Lehrende und Studierende. Die wichtigsten Ergebnisse: Kernziele des Projekts wie Vernetzung, Fortbildung und Mental-Health-First-Aid-Schulungen wurden von über 80 Prozent der befragten Hochschulkoordinator*innen als erfolgreich umgesetzt bewertet. Als wichtigste Faktoren, um gesundheitsförderliche Strukturen erfolgreich zu etablieren, nannten die Befragten:
Die Hochschulleitung engagiert sich für das Projekt.
Es gibt klar benannte Verantwortliche wie die Koordinator*innen.
Vernetzung und Austausch mit anderen aktiven Hochschulen.
Verhältnisprävention braucht langen Atem
„Unser Ziel ist es, dass Studierende an ihren Hochschulen Bedingungen vorfinden, unter denen sie psychisch gesund studieren können. Bei psychischen Belastungen und Krisen sollen sie Unterstützung erhalten – ohne Scham und Stigma“, sagt Anna Sophia Feuerbach, die Programmverantwortliche für „Hochschulen im Dialog“ bei Irrsinnig Menschlich e.V. „Die Evaluation zeigt: Hochschulen können dafür strukturelle Maßnahmen umsetzen und verankern. Das ist eine wichtige Voraussetzung für nachhaltige Gesundheitsförderung und ermutigt, in diese Richtung weiterzugehen.“
Die Ergebnisse zeigen auch: Ein Jahr Programmlaufzeit ist zu kurz für tiefgreifende strukturelle Veränderungen. Ressourcenmangel, starre Prüfungsstrukturen und ein verbreitetes Leistungsdenken bremsen zudem den Wandel. Die Partner SBK und Irrsinnig Menschlich e.V. bauen das Projekt daher weiter aus. Dabei helfen die Erkenntnisse der Evaluation.
Zur Evaluation
Das Programm „Psychisch fit studieren: Hochschulen im Dialog“ wurde zwischen Oktober 2023 und Dezember 2025 vom Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig wissenschaftlich begleitet.
Im Fokus der Evaluation stand die Frage, ob und unter welchen Bedingungen sich gesundheitsfördernde Strukturen an Hochschulen etablieren lassen. Veränderungen der individuellen psychischen Gesundheit der Studierenden wurden nicht untersucht.
Die Begleitforschung war als Mixed-Methods-Studie angelegt und umfasste quantitative Prä-Post-Befragungen mit Hochschulkoordinator*innen über drei Programmdurchläufe, eine schriftliche Befragung von 216 Hochschulmitarbeitenden in der Lehre sowie qualitative Fokusgruppeninterviews mit Koordinator*innen und Studierenden.
Für die Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass die Stichproben teilweise klein waren. An der Evaluation nahmen teil:
35 Hochschulkoordinator*innen von 21 Hochschulen der insgesamt 24 teilnehmenden Hochschulen
216 Lehrende aus 4 Hochschulen
66 Studierende
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