Seelsorge per Chatbot? Jeder dritte Deutsche nutzt KI bei psychischen Belastungen
Repräsentative Umfrage: 38 % der Deutschen nutzen KI für mentale Gesundheit – Kassen bieten professionelle, zertifizierte Alternativen (17.06.2026)
Stress, Sorgen, Überforderung oder emotionale Belastungen: KI-Chatbots wie ChatGPT werden inzwischen auch bei sensiblen persönlichen Themen genutzt. Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage im Auftrag der SBK Siemens-Betriebskrankenkasse hat mehr als ein Drittel der Deutschen bereits KI-Chatbots genutzt, um sich zu emotionalem Wohlbefinden oder psychischer Gesundheit zu informieren oder darüber zu sprechen. Gleichzeitig bleibt das Vertrauen in die Technologie begrenzt. Krankenkassen können mit zertifizierten digitalen Angeboten und Präventionsprogrammen qualitätsgesicherte Hilfe zur Überbrückung von Wartezeiten bieten.
KI als Ansprechpartner – mit gemischten Ergebnissen
Unter den Befragten, die KI bereits für emotionale Themen genutzt haben (788 Personen), beurteilten 63 Prozent den Chatbot als „eher hilfreich“ oder „sehr hilfreich“. Doch das Vertrauen in KI-Empfehlungen zur psychischen Gesundheit bleibt begrenzt: Knapp 50 Prozent aller Befragten vertrauen KI-Chatbots „gar nicht“ oder „eher nicht“, wenn es um korrekte Empfehlungen zum emotionalen Wohlbefinden geht.
Gleichzeitig herrscht in der Bevölkerung große Klarheit über die Grenzen der Technologie: 79 Prozent stimmen zu, dass KI-Chatbots menschliche Empathie und persönliches Verständnis nicht ersetzen können. Und bei schwerwiegenderen Erkrankungen ist der Wunsch nach professioneller Hilfe eindeutig: 83 Prozent würden dann lieber professionelle therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.
Zertifizierte digitale Angebote unterstützen sicher und professionell
„Die Zahlen zeigen: KI kann helfen, wenn Menschen nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen oder der Weg zur Therapie zu weit wirkt. Ein Ersatz für professionelle Unterstützung ist sie aber nicht. In Zeiten langer Wartezeiten brauchen Menschen verlässliche, fachlich begleitete Angebote – zertifizierte digitale Tools können die Lücke bis zum Therapieplatz überbrücken", sagt Franziska Beckebans, Bereichsleiterin Kundenmanagement und Versorgung.
Dazu zählen beispielsweise digitale Präventionsangebote zur Stressbewältigung, Programme zur Förderung mentaler Gesundheit sowie hybride Versorgungsmodelle, bei denen digitale Anwendungen mit ärztlicher oder therapeutischer Betreuung kombiniert werden. Digitale Gesundheitsanwendungen, sogenannte DiGA, können dabei ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten. „Wichtig ist auch hier die ganzheitliche Betrachtung der Patient Journey. Entscheidend ist die Frage, wie Patientinnen und Patienten weiter begleitet werden, wenn eine DiGA allein nicht ausreicht, und wie der Übergang in die therapeutische Versorgung gestaltet wird.“
Das wachsende Interesse an KI auch als Gesundheitsbegleiter zeigt, wie wichtig Orientierung im Umgang mit KI bei sensiblen Gesundheitsthemen wird. Krankenkassen können dazu beitragen, Versicherte über Chancen und Grenzen von KI-Chatbots aufzuklären und ihnen verlässliche Informationen an die Hand zu geben. Denn auch wenn KI schnell und niedrigschwellig Antworten liefert, erfordert es Digital- und Medienkompetenz, diese einzuordnen.
Über die Umfrage
Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage von YouGov im Auftrag von Havas Germany GmbH. Befragt wurden 2.079 Personen in Deutschland ab 18 Jahren im Zeitraum vom 9. bis 10. Februar 2026. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.
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