Wer behandelt mich eigentlich – und warum?
Erklärstück: Viele medizinische Aufgaben übernehmen heute schon nicht Ärztinnen oder Ärzte, sondern andere Gesundheitsberufe. Wo liegen die Grenzen – und warum wird über mehr Verantwortung im Praxisteam diskutiert? (20.08.2026)
Blutdruck messen, Blut abnehmen oder einen Verband wechseln – viele Aufgaben in einer Arztpraxis übernimmt nicht die Ärztin oder der Arzt selbst, sondern qualifizierte Mitarbeitende. Das ist längst Alltag. Gleichzeitig wird diskutiert, ob Gesundheitsberufe künftig mehr Verantwortung übernehmen sollten. Warum das wichtig ist und was Begriffe wie Delegation und Substitution bedeuten, erläutert die SBK Siemens-Betriebskrankenkasse.

Warum behandelt manchmal nicht die Ärztin oder der Arzt selbst?
In einer Arztpraxis arbeitet ein Team aus verschiedenen Gesundheitsberufen eng zusammen. Viele Aufgaben können Ärztinnen und Ärzte an qualifizierte Mitarbeitende übertragen. Das nennt man Delegation.
Die Ärztin oder der Arzt entscheidet dabei, welche Aufgaben im konkreten Fall übertragen werden können. Die Verantwortung für die Behandlung bleibt jedoch immer bei ihr oder ihm.
Welche Aufgaben können delegiert werden?
Viele Tätigkeiten gehören zum Praxisalltag und können von entsprechend qualifizierten Mitarbeitenden übernommen werden. Dazu zählen zum Beispiel:
Welche Aufgaben tatsächlich übertragen werden, hängt immer von der jeweiligen Situation, der Qualifikation der Mitarbeitenden und der Entscheidung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes ab.
Was muss die Ärztin oder der Arzt selbst machen?
Bestimmte Aufgaben dürfen nicht übertragen werden. Dazu gehören unter anderem die Diagnose, die Entscheidung über die Behandlung sowie die Aufklärung über Chancen und Risiken. Diese Aufgaben gehören zur persönlichen ärztlichen Verantwortung.
Gibt es heute schon Gesundheitsberufe mit erweiterten Aufgaben?
Ja. Schon heute gibt es speziell qualifizierte Fachkräfte, die Ärztinnen und Ärzte zusätzlich unterstützen.
Dazu gehören zum Beispiel Nichtärztliche Praxisassistentinnen und -assistenten (NäPA) oder Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAH®). Sie übernehmen nach einer zusätzlichen Qualifizierung unter anderem Hausbesuche oder begleiten chronisch kranke Menschen engmaschig. Auch sie arbeiten im Rahmen einer Delegation – die medizinische Verantwortung bleibt bei der Ärztin oder dem Arzt.
Warum wird dann über eine neue Aufgabenverteilung diskutiert?
Die medizinische Versorgung steht vor großen Herausforderungen. Immer mehr Menschen benötigen medizinische Hilfe, gleichzeitig fehlen in vielen Regionen Ärztinnen und Ärzte.
Delegation hilft bereits heute dabei, die Arbeit im Praxisteam sinnvoll zu verteilen. Gleichzeitig stößt sie an Grenzen: Denn auch wenn andere Gesundheitsberufe einzelne Aufgaben übernehmen, bleibt die Verantwortung bei der Ärztin oder dem Arzt. Deshalb werden die bestehenden Möglichkeiten nicht immer vollständig genutzt.
Was ist der Unterschied zwischen Delegation und Substitution?
Bei der Delegation überträgt die Ärztin oder der Arzt eine Aufgabe an qualifizierte Mitarbeitende. Die Verantwortung bleibt jedoch bei der Ärztin oder dem Arzt.
Bei der Substitution übernimmt ein anderer Gesundheitsberuf klar definierte Aufgaben eigenverantwortlich. Die Verantwortung geht dann auf die Person über, die die Leistung erbringt. Voraussetzung sind eine entsprechende Qualifikation und klare gesetzliche Regelungen.
Im Mittelpunkt der aktuellen Diskussion stehen unter anderem akademisch ausgebildete Physician Assistants (PA). Sie arbeiten bereits heute in vielen Krankenhäusern und zunehmend auch in Arztpraxen. Sie unterstützen Ärztinnen und Ärzte, etwa bei der Aufnahme von Patientinnen und Patienten, Untersuchungen, der Betreuung chronisch kranker Menschen oder Hausbesuchen. Im Rahmen künftiger Primärversorgungsmodelle wird diskutiert, ihnen weitere Aufgaben zu übertragen, um Ärztinnen und Ärzte zu entlasten und die Versorgung besser zu organisieren.
Warum ist das für Patientinnen und Patienten wichtig?
Für Patientinnen und Patienten zählt vor allem, schnell die passende Versorgung zu erhalten. Deshalb wird darüber diskutiert, wie die Zusammenarbeit der verschiedenen Gesundheitsberufe künftig weiterentwickelt werden kann.
Ziel ist nicht, Ärztinnen und Ärzte zu ersetzen. Vielmehr soll jede Berufsgruppe ihre Kompetenzen dort einsetzen können, wo sie den größten Nutzen für Patientinnen und Patienten bringt. So können Ärztinnen und Ärzte mehr Zeit für Diagnosen, komplexe Behandlungen und schwierige medizinische Entscheidungen gewinnen – und Patientinnen und Patienten schneller die Versorgung erhalten, die sie brauchen.
Die hier zur Verfügung gestellten Inhalte dürfen, unter Angabe der Quelle SBK Siemens-Betriebskrankenkasse, veröffentlicht werden.

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