Defizit der Krankenkassen hat systematische Ursachen

SBK-Vorstand fordert Politik auf, Schieflage im Kassenfinanzausgleich zu korrigieren

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wird das Geschäftsjahr 2014 zum ersten Mal seit Jahren mit einem Minus abschließen. Bereits nach den ersten drei Quartalen weisen die 131 Krankenkassen ein Defizit von 740 Millionen Euro aus. Entsprechende Medienberichte kommentiert Dr. Hans Unterhuber, Vorstandsvorsitzender der Siemens-Betriebskrankenkasse SBK: „Diese Negativentwicklung ist keine Überraschung und war leider bereits seit Längerem vorhersehbar. Die systematischen Verzerrungen in der Finanzierung der GKV werden nun aber deutlich sichtbar. Die Politik ist aufgerufen, einer Verschlimmerung der Schieflage rechtzeitig entgegenzuwirken.“

Auffällig an den Finanzergebnissen der Krankenkassen zum Ende des dritten Quartals 2014 ist nicht nur das Minus. Die Zahlen belegen vielmehr ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den Kassenarten. So weisen Innungs-, Ersatz- und Betriebskrankenkassen Defizite aus. Lediglich die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und die Knappschaft erwirtschaften deutliche Über-schüsse. „Hier zeigen sich deutlich die Folgen des Kassenfinanzausgleichs, vor denen Kran-kenkassen und Gesundheitsökonomen seit Langem warnen “, erläutert Unterhuber.

Die Krankenkassen erhalten ihre Einnahmen aus dem Gesundheitsfonds, in den jährlich Bei-tragsgelder mit einem Volumen von rund 200 Mrd. Euro fließen. Die Gelder werden den Kran-kenkassen nach einem bestimmten Verteilungsschlüssel zugewiesen, dem morbiditätsorientier-ten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA). Dieser finanzielle Ausgleichsmechanismus soll den Solidarausgleich zwischen den Einzelkassen sicherstellen und die unterschiedlichen, durch Morbidität und Demografie bedingten Ausgabenunterschiede ausgleichen. Unter Experten gilt der Morbi-RSA aber als reformbedürftig, da er weitere Faktoren unberücksichtigt lässt wie bei-spielsweise regionale Versorgungskosten. „Dadurch entsteht eine Unschärfe, die dazu führt, dass sehr viele Kassen nicht ausreichend Mittel erhalten, um die Ausgaben für ihre Versicherte zu decken“, kritisiert SBK-Vorstand Unterhuber. Obwohl die Beitragszahler genau dieser Kran-kenkassen einen Solidarbeitrag in Milliardenhöhe leisten, reichen die Zuweisungen aus dem Fonds nicht aus, um die Versorgungskosten der Versicherten zu decken.

Im Rahmen des GKV-Finanzstruktur- und Qualitäts-Weiterentwicklungsgesetzes (GKV-FQWG) hat der Gesetzgeber im Juni 2014 die Verteilung der Gelder aus dem Gesundheitsfonds teilwei-se neu geregelt. Unter anderem wurden die Zuweisungen für verstorbene Versicherte neu fest-gelegt. Allein durch diese Regelung fließen den AOKen – zulasten der anderen Kassenarten – künftig jährlich 330 Mio. Euro zusätzlich zu, obwohl sie bereits bisher mehr Mittel aus dem Gesundheitsfonds erhalten hat, als sie für die Versorgung ihrer Versicherten benötigte.

„Durch die derzeitige Ausgestaltung des Morbi-RSA werden einzelne Kassenarten systematisch bevorzugt und damit ein Ungleichgewicht zwischen den Kassen befördert. Ob eine Kasse solide und nachhaltig wirtschaftet, gerät völlig zur Nebensache“, kritisiert Unterhuber. „Die Leidtragen-den sind am Ende die Versicherten. Schließlich müssen die betroffenen Krankenkassen ihre Defizite über höhere Zusatzbeiträge ausgleichen“, so der Kassenchef. In einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hatte die SBK bereits im August vor der Schieflage gewarnt und eine politische Debatte eingefordert. „Die Politik ist nun gefragt, zum Wohle der Beitragszahler aktiv zu werden und den Morbi-RSA ausgewogen zu gestalten“, sagt Unterhuber.

 

Über die SBK:

Die Siemens-Betriebskrankenkasse SBK ist Deutschlands größte Betriebskrankenkasse. Die geöffnete, bundesweit tätige gesetzliche Krankenkasse versichert mehr als 1 Million Menschen und betreut über 100.000 Firmenkunden in Deutschland – mit mehr als 1.500 Mitarbeitern in über 100 Geschäftsstellen.

Seit über 100 Jahren steht für die SBK der Mensch immer im Mittelpunkt. Sie unterstützt heute ihre Kunden bei allen Fragen rund um die Themen Versicherung, Gesund bleiben und Gesund werden. Dies bestätigen auch die Kunden. So hat die SBK 2014 den Deutschen Servicepreis erhalten, wurde 2013 zum zweiten Mal in Folge „Deutschlands beliebteste gesetzliche Krankenkasse“ und zudem „Bester Krankenversicherer 2013“. Beim Kundenmonitor Deutschland belegte die SBK 2013 zum siebten Mal in Folge Platz 1 bei der Kundenzufriedenheit. 2014 platzierte sich die SBK im Wettbewerb „Deutschlands beste Arbeitgeber“ ebenfalls zum siebten Mal in Folge unter den besten 100 Unternehmen.


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