IGeL: Erst informieren, dann unterschreiben

SBK: Krankenkassen sind bei Fragen zu IGeL erste Anlaufstelle

Individuelle Gesundheitsleistungen – kurz IGeL – haben Hochkonjunktur. 82 Prozent der Versicherten kennen sie, jeder Zweite (52 Prozent), der sie angeboten bekommt, nimmt eine solche Selbstzahlerleistung auch in Anspruch. Das ergab eine Umfrage, die der IGeL-Monitor gestern in Berlin vorstellte. Drei Viertel der Patienten fühlen sich demnach nicht ausreichend über Schäden informiert. Die Siemens-Betriebskrankenkasse SBK sieht diese Entwicklung als alarmierend an. Sie empfiehlt: Für Kunden, die Fragen haben zum Umgang mit IGeL-Leistungen, sollte die Krankenkasse der erste Ansprechpartner sein.

Was sind individuelle Gesundheitsleistungen?

Individuelle Gesundheitsleistungen sind ärztliche Zusatzleistungen, die nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Darunter fallen unter anderem der Gebärmutterultraschall zur Krebs-Früherkennung oder die Kombi-Untersuchung aus Augenspiegelung und Messung des Augeninnendrucks. Letztere soll helfen, Grünen Star möglichst früh zu erkennen und zu therapieren. Wissenschaftliche Untersuchungen stellen den Nutzen dieser Untersuchung allerdings in Frage. Der IGeL-Monitor, der von einem interdisziplinären Team mit Experten aus den Bereichen interdisziplinäre Medizin und Öffentlichkeitsarbeit erstellt wird, hat die Untersuchung sogar als tendenziell negativ eingestuft. 

Erst informieren, dann entscheiden

Die SBK rät Kunden, die in der Arztpraxis eine individuelle Gesundheitsleistung angeboten bekommen, sich zu nichts drängen zu lassen. „Am besten unterschreiben und bezahlen Sie erst einmal gar nichts, sondern nehmen die Informationen mit nach Hause. Nehmen Sie sich für Ihre Entscheidung ausreichend Zeit“, empfiehlt Heinz-Ulrich König, SBK-Fachsprecher für ambulante Versorgung. Viele Patienten entscheiden sich oft aus Sicherheitsgründen oder Unwissenheit für die Zusatzleistung. Die SBK rät Patienten, die mit Angeboten individueller Gesundheitsleistungen konfrontiert werden, sich genau über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Behandlung zu informieren. Nutzen, potenzielle Schäden und Kosten sollten vorab verglichen werden. „Auch wenn es unbequem ist: Ein IGeL-Angebot sollte nicht ungeprüft angenommen werden. Nie ist eine IGeL so dringend, dass sie sofort sein muss“, so SBK-Experte König.

Der erste Weg führt zur Krankenkasse

Erste Anlaufstelle für alle Fragen rund um eine IGeL-Leistung sollte die eigene Krankenkasse sein. Denn: Oft werden Alternativen, die von den Krankenkassen übernommen werden, von den Ärzten gar nicht erwähnt. Zudem werden manche Leistungen von den Ärzten gerne gegenüber den Patienten als IGeL deklariert, die aber regulär von der Kasse übernommen werden. Hierzu gehören unter anderem die Messung der Knochendichte bei Osteoporose, MRT am Herzen und weitere Leistungen. „Natürlich kann kein Patient wissen, was eine Kassenleistung ist und was nicht. Und nicht jeder findet sich auf den Informationsseiten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zu diesem Thema zurecht“, erklärt Heinz-Ulrich König. Er rät deswegen: „Am besten wenden sich Patienten grundsätzlich auch hier zuerst an ihren persönlichen SBK-Kundenberater, bevor sie eine Leistung beim Arzt privat bezahlen. Er ermittelt, welche Leistungen von der Kasse bezahlt werden und kann, sollte die Kasse diese spezifische Leistung eventuell nicht übernehmen, gleichwertige Alternativbehandlungen nennen, die von der Krankenkasse bezahlt werden.“ Auch wenn die Krankenkassen keinen Einfluss auf die Empfehlungen und Angebote der behandelnden Ärzte nehmen können – sie können einen erheblichen Beitrag zur Aufklärung und Unterstützung der Patienten leisten. „Die SBK sieht sich hier als Lotse. Der Versicherte erwartet mit Recht, dass seine Kasse ihn bei seinen Fragen rund um das Thema IGeL kompetent und zuverlässig berät.“

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