Krank im Urlaub – kann passieren …

Die Siemens-Betriebskrankenkasse SBK zeigt, was man beachten muss, damit Urlaubstage im Krankheitsfall nicht verloren sind

Viele Arbeitnehmer genießen gerade jetzt die „schönsten Wochen des Jahres“: Sie erholen sich im Urlaub, egal ob zu Hause oder im Ausland. Sehr ärgerlich also, wenn man während des Urlaubs krank wird. Bedeutet aber Krankheit im Urlaub persönliches Pech und damit verlorene Urlaubstage? 

„Nein“, meint Michael Zaubzer, SBK-Auslandsexperte. „Urlaub ist Urlaub und Krankheit ist eben Krankheit. Wenn es den Arbeitnehmer im Urlaub erwischt, endet aus rein arbeitsrechtlicher Sicht der Urlaub“, erklärt Zaubzer weiter. „Besorgt sich der Angestellte aber gleich am ersten Krankheitstag ein Attest, darf er die Urlaubstage zu einem anderen Zeitraum nachholen.“ Allerdings muss der Arbeitgeber sofort über die Krankheit informiert werden. Zudem muss ihm der Erkrankte eine Adresse sowie Telefonnummer hinterlassen, unter der er zu erreichen ist.

Nicht arbeitsfähig = keine Erholung 

Laut Bundesurlaubsgesetz sind krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeitstage im Urlaub nicht auf den Jahresurlaub anzurechnen. Diese müssen allerdings durch ein ärztliches Zeugnis (Attest) nachgewiesen werden. Das heißt, dass der Arbeitnehmer für diese Krankheitstage eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, also einen „gelben Schein“, vorlegen muss. 

Angenommen, ein Angestellter arbeitet fünf Tage die Woche und tritt am 3. August seinen dreiwöchigen Jahresurlaub an. Am 12. August bricht er sich aber auf einer Mountainbike-Tour den linken Arm und ist für mehrere Wochen arbeitsunfähig. Der Angestellte legt dann dem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor. Sie gibt den ersten Krankheitstag mit dem 12. August und das voraussichtliche Ende der Arbeitsunfähigkeit mit dem 23. September an. Die krankheitsbedingt ausgefallenen Urlaubstage vom 12. bis zum 21. August werden nun nicht auf den Jahresurlaub angerechnet. Der Arbeitgeber muss sie nachgewähren.

Keine eigenmächtige Urlaubsverlängerung

Aber Vorsicht: Auch wenn die nachgewiesenen, krankheitsbedingt ausgefallenen Urlaubstage nicht auf den Jahresurlaub angerechnet werden, darf man sie nicht einfach an den genehmigten Urlaub anhängen. Nimmt der Arbeitnehmer also eigenmächtig Urlaub, darf der Arbeitgeber diesen wegen Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten abmahnen.

Fristen für die Krankmeldung

Verbringt ein erkrankter Arbeitnehmer seinen Urlaub in Deutschland, muss er dem Arbeitgeber unverzüglich seine Arbeitsunfähigkeit mitteilen und innerhalb von drei Tagen seine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Original vorlegen – also alles wie gehabt. Hält sich der Arbeitnehmer aber bei Beginn der Arbeitsunfähigkeit im Ausland auf, gelten Sonderregeln:

  • Der Erkrankte muss die Arbeitsunfähigkeit, die voraussichtliche Dauer und die Adresse am Aufenthaltsort „in der schnellstmöglichen Art der Übermittlung“ mitteilen. Die „schnellstmögliche Art der Übermittlung“ ist heutzutage, im Internetzeitalter, kein Problem mehr. Wichtig dabei ist aber, dass die Botschaft beim Arbeitgeber auch ankommt – und das möglichst zügig: per E-Mail, WhatsApp, SMS, Chat oder was auch immer. Selbst ein Telefonanruf oder ein Fax genügen für die Übermittlung. Die erforderliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des ausländischen Arztes kann immer noch vorgelegt werden, wenn man wieder in Deutschland ist.  
  • Die durch die Mitteilung entstehenden Kosten trägt der Arbeitgeber.
  • Ist der Arbeitnehmer Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse wie der SBK, ist er verpflichtet, auch sie schnellstmöglich über die Arbeitsunfähigkeit samt voraussichtlicher Dauer zu informieren.
  • Kommt der Arbeitnehmer wieder nach Deutschland zurück, muss er seinem Arbeitgeber und seiner Krankenkasse unverzüglich die Rückkehr mitteilen.

Solange man als erkrankter Arbeitnehmer seinen Pflichten nicht nachkommt, hat der Arbeitgeber ein Leistungsverweigerungsrecht. Das heißt, er darf dann sogar die Entgeltfortzahlung zurückhalten. Außerdem kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer wegen Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten abmahnen. Das Gleiche gilt bei Verstößen gegen Anzeige-, Übermittlungs- und Nachweispflichten. Gekündigt werden kann man allerdings erst im Wiederholungsfall – auch wenn man seinen Urlaub wegen einer Auslandserkrankung eigenmächtig verlängert hat.

Auslandsberatung der SBKDie SBK-Experten informieren auch individuell über Besonderheiten im Ausland. Unter Telefon 0800 0 725 725 709 0 (gebührenfrei innerhalb Deutschlands) oder E-Mail:     auslandsberatung@sbk.org stehen die Experten Rede und Antwort.

 

 

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