Schwanger und krank: Arbeitsunfähigkeit oder individuelles Beschäftigungsverbot?

Die Siemens-Betriebskrankenkasse SBK erklärt den Unterschied

Hat eine berufstätige Frau während der Schwangerschaft starke Beschwerden oder wird krank, kann der Arzt ihr entweder eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigen oder ein individuelles Beschäftigungsverbot aussprechen. Doch worin unterscheiden sich diese beiden? 

Typische Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit oder Rückenschmerzen führen nicht zwangsläufig dazu, dass eine Schwangere ihrem Beruf bis zum Beginn des Mutterschutzes nicht mehr nachgehen kann. Verschiedene Umstände können Ärzte jedoch dazu veranlassen, schwangere Berufstätige krank zu schreiben oder ein individuelles Beschäftigungsverbot auszusprechen. „Arbeitsunfähig ist die Schwangere, wenn sie aufgrund einer Krankheit nicht arbeiten kann oder die Beschäftigung zur Verschlimmerung der Krankheit beitragen würde. Ein individuelles Beschäftigungsverbot hingegen wird vom Arzt ausgesprochen, wenn er der Meinung ist, dass Leben und Gesundheit von Mutter und Kind gefährdet sind, wenn die Frau weiter arbeitet“, erklärt Daniel Jakobi, Fachexperte für Arbeitsunfähigkeit bei der SBK. 

Individuelles Beschäftigungsverbot zum Schutz von Mutter und Kind

Das individuelle Beschäftigungsverbot ist eine spezielle Regelung zum Schutz von Mutter und ungeborenem Kind. Hierfür muss die Schwangere nicht krank im herkömmlichen Sinne sein. Die Ursachen dafür können zahlreich sein – auch psychische Belastungen, besonders beschwerliche Arbeitswege oder subjektive Empfindungen wie Übelkeit verursachende Essensgerüche bei Kantinenmitarbeiterinnen können eine Schwangerschaft soweit gefährden, dass der Arzt ein Beschäftigungsverbot ausspricht. Dabei kann er entscheiden, ob er ein totales Beschäftigungsverbot für notwendig hält oder auch nur Art, Umfang und Dauer der Tätigkeit einschränkt. Wichtig zu wissen: Im Fall eines individuellen Beschäftigungsverbots erhält die Mitarbeiterin ihr volles Gehalt vom Arbeitgeber weiter gezahlt.

Arbeitsunfähigkeit im Krankheitsfall

Die Arbeitsunfähigkeit unterliegt bei Schwangeren den gleichen Richtlinien wie bei Nicht-Schwangeren. Sie wird vom Arzt auf dem so genannten „Gelben Schein“, der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, bestätigt. Das heißt auch: Die Schwangere erhält in der Regel für sechs Wochen ihr Gehalt vom Arbeitgeber weiter in der vollen Höhe gezahlt, danach besteht Anspruch auf Krankengeld von der Krankenkasse. Dieses liegt bei Beschäftigten bei rund 70 Prozent des Brutto-Gehalts, der Höchstbetrag sind 96,25 Euro pro Kalendertag.

SBK-Experte Jakobi erklärt: „Grundsätzlich schließen sich individuelles Beschäftigungsverbot und Arbeitsunfähigkeit nicht aus. Hat beispielsweise eine Erzieherin in einer Kinderkrippe nicht alle für den Schutz des Ungeborenen notwendigen Impfungen, spricht der Arzt bei Bedarf ein individuelles Beschäftigungsverbot aus und sie geht nicht mehr in die Arbeit. Zieht sie sich dann auch noch eine schwere Erkältung zu, muss zusätzlich eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt und dem Arbeitgeber vorgelegt werden.“

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