Wohnort als relevanter Faktor im Morbi-RSA

Zwei wissenschaftliche Gutachten haben in dieser Woche erneut aufgezeigt, dass es dringenden Reformbedarf beim Finanzausgleich der Krankenkassen gibt. Vor allem der Wohnort der Versicherten ist eine relevante Variable bei der bedarfsgerechten Verteilung der Beitragsgelder. Dr. Hans Unterhuber, Vorstandsvorsitzender der Siemens-Betriebskrankenkasse SBK: „Wir müssen den Morbi-RSA Schritt für Schritt weiterentwickeln. Nun gibt es erneut klare Indizien von Seiten der Wissenschaft: Der Einflussfaktor Region muss dringend mit GKV-weiten Daten analysiert werden.“

In ihrem Gutachten für das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege konnten die Professoren Wille, Ulrich und Thüsing zum wiederholten Mal nachweisen, dass Unterschiede in den regionalen Nachfrage- und Versorgungsstrukturen zu regional unterschiedlichen Ausgaben für die Versorgung führen. Sie plädieren für die Einführung einer Regionalkomponente, um diese exogenen Faktoren für die Kassen auszugleichen.

Bereits am Vortag hatten die Experten des IGES Instituts, des WIG2 sowie die Professoren Wille und Greiner Möglichkeiten vorgestellt, um die Zuweisungen zur Deckung der Aufwendungen für Krankengeld zielgenauer zu ermitteln. Neben einem klaren Plädoyer für die direkte Berücksichtigung des Einkommens der Versicherten über eine Preiskomponente, liefert das Gutachten auch Indizien, dass der Faktor Region signifikanten Einfluss auf den Krankengeldbezug ausübt.

Faktor Region bisher ignoriert

Im aktuellen Finanzausgleich wird der Wohnort der Versicherten weitgehend ignoriert. Dabei konnten Wissenschaftler mehrfach belegen, dass dies nicht sachgerecht ist: Der Morbi-RSA kann bestehende Verzerrungen durch regional sehr unterschiedliche Kosten- und Versorgungsstrukturen nicht ausgleichen. Nun zeigt sich auch ein relevanter Einfluss des Wohnorts bei der Ermittlung der Zuweisungen für das Krankengeld. Der Faktor Region hat das Potenzial, die Gütemaße auf Versicherten- und Kassenebene deutlich zu verbessern. „Wenn unser Ziel ist, die Deckungsquoten zwischen den Kassen anzugleichen und die Chancengleichheit im Wettbewerb wiederherzustellen, können wir die Regionalkomponente nicht mehr wegdiskutieren“, so SBK-Vorstand Unterhuber.

Forschung mit GKV-weiten Daten

Aus SBK-Sicht ist es essenziell, die Wirkung des Faktors Region im Morbi-RSA auf einer breiteren Datenbasis zu analysieren beziehungsweise die bestehenden Berechnungen der Experten mit GKV-weiten Daten zu überprüfen. Derzeit liefern bereits alle Kassen die Postleitzahl ihrer Versicherten an das Bundesversicherungsamt (BVA). Die SBK fordert, diese Regionaldaten auch für die Weiterentwicklung und Bewertung des RSA zu nutzen. Der Finanzausgleich ist ein lernendes System und soll kontinuierlich verbessert werden. Bekannte Reformoptionen gilt es unverzüglich anzugehen und Forschung auch zu Teilaspekten anzustoßen.

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