2016-06 Reformbedarf Morbi-RSA

Der Gesundheitsfonds verwaltet die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und die Steuerzuschüsse des Bundes – jedes Jahr sind das über 220 Milliarden Euro. Die Verteilung und Verwendung dieser Mittel muss für jeden Beitragszahler transparent und nachvollziehbar sein. Deshalb setzt sich die SBK für Offenheit im System ein.

Besonders wichtig ist es, dass die Mittel bedarfsgerecht verteilt werden – denn jeder Beitragszahler soll gleichermaßen davon profitieren. Und die Kassen benötigen faire Rahmenbedingungen für ihren Wettbewerb. Das ist die Aufgabe des Morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs, kurz Morbi-RSA.

Reformbedarf

Die SBK setzt sich für eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Morbi-RSA ein, mit dem Ziel, die Deckungsquoten der Kassen anzugleichen und die Ausgangsbasis für fairen Wettbewerb zu schaffen. Wissenschaftliche Gutachten belegen klar, dass es aktuell dringende Reformbaustellen gibt. Diese müssen dringend behoben werden, damit sich die Schieflage bei den Kassenfinanzen wieder entspannt.

führen und wirtschaften im Krankenhaus - Nachfragt: Extreme Schieflage (02/2016) (PDF, 508 KB)

 

Regionalisierung

Im aktuellen Finanzausgleich wird der Wohnort der Versicherten weitgehend ignoriert. Dabei konnten Wissenschaftler mehrfach belegen, dass es nicht sachgerecht ist, den Regionalfaktor zu ignorieren.

In Großstädten und Ballungsräumen ist das Angebot für Gesundheitsleistungen größer und teurer. Gleichzeitig nutzen Großstädter diese Angebote auch vermehrt. Das sorgt für höhere Kosten bei Krankenkassen die Versicherte vor allem in Ballungsräumen haben. Da der Wohnort der Versicherten, ein Faktor ist, den die Kasse nicht beeinflussen kann, fordert die SBK, dass er über den Finanzausgleich ausglichen wird.

Paradox: Großstädter zahlen in der Regel höhere Beiträge, da sie ein höheres Lohnniveau haben. Sie zahlen damit einen höheren Solidarbeitrag in die GKV, der anderen Kassen zugute kommt. Trotzdem sind in Großstädten die Zuweisungen aus dem Morbi-RSA nicht ausreichend, um die Versorgung der Versicherten zu finanzieren – derjenigen Versicherten, die ohnehin mehr einzahlen als andere.

Zentrale Frage ist die genaue Umsetzung eines Regionalfaktors. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat in 2016 ein Gutachten veröffentlicht. Die SBK fordert dringend weitere Forschung auf einer GKV-weiten Datenbasis.

Zum Gutachten des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege

Statement des SBK-Vorstands Dr. Hans Unterhuber zum Wohnort als Faktor im Morbi-RSA (07/2016)

Welt der Krankenversicherung - Debatte über Finanzzuweisungsmethodik führen (09/2014) (PDF, 121 KB)

 

Hilfsparameter Erwerbsminderungsrente

Die RSA-Allianz hat ein Gutachten vorlegt, das die Hilfsparameter im aktuellen Morbi-RSA in den Fokus rückt. Das Merkmal „Erwerbsminderungsstatus“ ist demnach nicht mehr sinnvoll, da die Morbidität bereits über die 80 Krankheiten im Morbi-RSA abgedeckt ist. Für die bedarfsgerechte Versorgung der Versicherten gäbe es keine Veränderung. Allerdings würde das System dadurch klar verzerrungsfreier – ein echter Vorteil. Daher fordert die SBK, als Mitglied der RSA-Allianz, als einen Verzicht auf dieses Surrogat.

Zum Gutachten der RSA-Allianz

Pressemitteilung der RSA-Allianz zum Gutachten

 

Krankheitsauswahl

Die Experten des IGES Instituts haben eine Untersuchung über die Bedeutung der Krankheitsauswahl für den Morbi-RSA vorgelegt. In dieser Analyse mit Daten von rund zwei Millionen Versicherten aus dem Jahr 2013 untersuchen sie die Methodik, nach der die derzeit 80 Erkrankungen für den Morbi-RSA ausgewählt werden.

Das Ergebnis: Durch die starke Gewichtung der Häufigkeit im aktuellen System werden Krankheiten im Morbi-RSA finanziell bevorzugt, die zwar häufig auftreten, aber nicht übermäßig kostenintensiv sind und einer Prävention zugänglich wären.

Das Ziel des Morbi-RSA muss eine gute Mischung aus seltenen teuren und häufig vorkommenden chronischen Krankheiten sein. Mit einer Gewichtung nach Logarithmus statt der Wurzelfunktion würde dieses Ziel besser erfüllt und zudem die vorhandenen Mittel gerechter verteilt.

Zum Gutachtes des IGES Instituts

Statement des SBK-Vorstands Dr. Hans Unterhuber anlässlich der Krankheitsauswahl 2017

 

Krankengeld

Beim Krankengeld gibt es Konsens, dass das aktuelle Vorgehen im Morbi-RSA die tatsächlichen Ausgaben nicht gut abbildet. Auch hier gibt es wissenschaftliche Lösungsansätze.

Aus Sicht der SBK ist es ist offensichtlich, dass beim Ausgleich der Krankengeld-Ausgaben der Grundlohn der Versicherten mit einbezogen werden muss. Das Krankengeld ist eine Lohnersatzleistung. Das höhere Gehaltsniveau in Ballungsräumen muss Eingang in den Ausgleich finden.

Indizien belegen zudem, dass die Region der Versicherten wesentlich den Krankengeldbezug beeinflusst. Berechnungen von IGES und WIG2 zeigen, dass der Faktor Region das Potenzial hat, relevante Gütemaße auf Kassen- und Versichertenebene deutlich zu verbessern. Hierzu ist aus Sicht der SBK definitiv weitere Forschung nötig.

Zum Gutachten von IGES und WIG2

Statement des SBK-Vorstands Dr. Hans Unterhuber