Kleine Herzen Hannover e.V. -Hilfe für kranke Kinderherzen

SBK unterstützt Krisenintervention im Krankenhaus

Interview mit Peer Langhammer, SBK-Geschäftsstellenleiter Hannover-Braunschweig

Aus welchen Gründen hat sich die SBK für die Unterstützung des „Kleine Herzen Hannover e.V.“ entschieden?

Für die SBK ist bürgerliches Engagement ein wichtiger Bestandteil des Gesundheits- und Sozialsystems. Der „Kleine Herzen Hannover e. V.“ setzt sich an der Medizinischen Hochschule Hannover in beeindruckender Art und Weise für verbesserte Standards bei der Betreuung von herzkranken jungen Menschen und ihren Familien ein. Wir unterstützen diese Arbeit daher gerne im Rahmen unserer Selbsthilfeförderung.

 

Was beeindruckt Sie persönlich am meisten an der Arbeit des Vereins?

Dass die Menschen des Vereins „Kleine Herzen“ mit einem solchen Enthusiasmus, Einfallsreichtum und so viel Kreativität unterwegs sind. Offene Ohren und Augen am Puls der Zeit sind der unschätzbare Beitrag des Vereins. Er bringt mit großem Engagement wertvolle und zielgerichtete Unterstützung für kranke Kinder, deren Familien und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kinderstationen. Die Teilnehmer, die sich zum „Krisenbegleiter im Krankenhaus“ ausbilden lassen, lernen, betroffenen Angehörigen in besonders schlimmen Situationen einfühlsam beizustehen, Konflikte zu vermeiden und sich selbst seelisch zu schützen. Somit profitieren letztlich neben den schwerkranken Kindern sowohl deren Angehörige als auch die betreuenden Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten.

Sie haben die Kinderintensivstation der Medizinischen Hochschule Hannover und die Verantwortlichen besucht und kennengelernt – welchen Eindruck haben Sie dort von der Tätigkeit des Vereins gewonnen?

Die Handschrift des Vereins ist überall im Hause zu sehen. Die Arbeit des Vereins ist ja nicht nur die wichtige Krisenintervention, sondern beinhaltet viele Aspekte, zum Beispiel die Gestaltung der Untersuchungszimmer, denn freundliche und auch farblich gestaltete Zimmer nehmen den Kindern die Ängste. Unterschiedlich farblich gestaltete Behandlungsräume erleichtern den Eltern das Auffinden der Kinder. Gerade bei der Intensivstation ist es wichtig, den Eltern auch mal Ruhe zu gönnen. Teilweise sind sie ja rund um die Uhr anwesend. Hier hat der Verein unter anderem Elternruheräume oder auch spezielle Eltern-Kind-Zimmer einrichten lassen. Die Tätigkeit dieses Vereins im Hause der Kinderklinik ist von unschätzbarer Bedeutung und hat hoffentlich bundesweite Strahlkraft. 

Mit welcher Summe unterstützt die SBK die „Kleinen Herzen“?

Das Projekt Krisenbegleiter haben wir im Jahr 2016 mit 35.000 € gefördert. Wir beabsichtigen die finanzielle Unterstützung während der gesamten Projektdauer, das heißt auch in den nächsten beiden Jahren, fortzuführen. Darüber hinaus haben wir im letzten Jahr das Projekt „Wochenendemalen“ mit weiteren 1.000 € unterstützt. Auch hier ist eine Forführung geplant.

 Interview mit Ira Thorsting, Vorsitzende „Kleine Herzen Hannover e.V.“

Seit wann gibt es den Verein und warum haben Sie ihn gegründet?

Wir haben in der eigenen Familie erlebt, welche Belastung und welches Trauma die Diagnose „angeborener Herzfehler“ für eine junge Familie bedeutet.
Als mein Mann und ich 2006 auf dem Presseball in Hannover zwei VIP-Karten für das Endspiel der Fußball-WM gewannen, ließ ich sie spontan zugunsten der Kinderkardiologie in der MHH, der Medizinischen Hochschule Hannover, versteigern. Dabei kamen mehr als 40.000 Euro zusammen und die Initiative „Kleine Herzen“ war geboren. Aus ihr wurde später der Verein „Kleine Herzen Hannover“.

 

Was leisten die „Kleinen Herzen“? 

Unser erstes Projekt war die Umgestaltung der Kinderherzstationen in der MHH. Dafür war es nötig, uns auch mit den strukturellen Gegebenheiten der Klinik auseinanderzusetzen. Unser Fazit: Ganz neue Standards der Betreuung unter Einschluss der Patientenfamilien mussten her! 
Sehr bald waren die „Kleinen Herzen“ dann nicht mehr nur Spendensammler, sondern auch eine Art Ideenfabrik.

Welche andere Klinik in Deutschland kann zum Beispiel auf Dolmetscher für mehr als 50 Sprachen zurückgreifen, die den Ärzten und Patienten bei sensiblen Gesprächen zur Verfügung stehen?

Der Verein finanziert heute eine Sozialbetreuerin und eine Psychologin, die den betroffenen Familien helfen. Eine Kunsttherapeutin kümmert sich ebenfalls um die Eltern. Eine weitere Psychologin sorgt als Supervisorin dafür, dass die Pflegekräfte und Ärzte ihren schweren Dienst besser verkraften. Auch dies nutzt den Patienten. 
Unser neuestes Projekt ist die Ausbildung von Kriseninterventionshelfern: Alle, die besonders belastende Gespräche mit Patientenfamilien führen müssen, etwa nach dem Tode eines Kindes, haben die Möglichkeit, sich als Kriseninterventionshelfer ausbilden zu lassen. So soll einerseits den betroffenen Familien bei der Bewältigung des Schocks geholfen werden; negative Reaktionen bis zur Aggression werden möglichst vermieden, und die beteiligten Ärzte, Pflegekräfte, Betreuer und Therapeuten können sich selbst psychisch besser schützen. Auch die Kliniken des Pädiatrischen Intensiv Netzwerks (bisher 43 in Norddeutschland) können Mitarbeiter zu den Kursen schicken.

Wie viele Familien begleiten Sie jährlich? 

Insgesamt werden auf den beiden Normalstationen der MHH-Klinik für Pädiatrische Kardiologie pro Jahr etwa 800 Kinder betreut. Auf der Kinderintensivstation sind es pro Jahr 1.200 Patienten. Beide Zahlen sind steigend. Das dürfte künftig auch für die kinderkardiologische Ambulanz gelten, die 2017, wieder mit hoher finanzieller Beteiligung unseres Vereins, umgestaltet wird. 2016 wurden dort etwa 1.400 Konsultationen registriert.

Wie viele Menschen schulen Sie jährlich zu Kriseninterventionshelfern und wie sehen die Schulungen aus? 

2016 wurden insgesamt 40 Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten, Betreuer, Krankenhaus-Seelsorger und Psychologen in drei Grundkursen zum „Krisenbegleiter im Krankenhaus“ geschult. 2017 sollen es sechs Grundkurse mit jeweils bis zu 15 Teilnehmern und fünf Follow-Up-Kurse sein. Weitere Aufbau-Seminare sind geplant, ebenso wie Kurse für Netzwerk-Koordinatoren.
Ein Grundkurs dauert vier Tage. Im theoretischen Teil lernen die Absolventen, welche Formen der Belastungsstörung durch den Tod eines Kindes oder durch eine schlimme langfristige Diagnose bei den Patientenfamilien auftreten können, welche Reaktionen zu erwarten sind und wie sich die Kriseninterventionshelfer selbst und gegenseitig psychisch stützen können. Typische Krisensituationen werden dann in Rollenspielen bearbeitet. In zweitägigen Follow-Ups oder Aufbaukursen geht es vor allem um Situationen, die die Absolventen seit dem Grundkurs erlebt haben. Außerdem ist der richtige Umgang mit ausländischen Patienten und Migranten Thema.
Die Kurse werden wissenschaftlich begleitet. Zum einen, weil wir wissen wollen, ob die Kursinhalte den tatsächlichen Erlebnissen und Bedürfnissen der Teilnehmer genügen. Zum anderen, weil wir hoffen, dass dieses Projekt bundesweite Verbreitung findet und dann von der Gesamtheit der Kassen finanziert wird.

Wie finanziert sich der Verein?

Eine sehr große Hilfe ist es, dass die Siemens-Betriebskrankenkasse SBK für 2016 den größten Teil der Kosten für die Kurse übernommen und weitere Unterstützung in Aussicht gestellt hat. Ansonsten finanzieren wir unsere Projekte über Spenden und die Zuweisungen der Gerichte und Staatsanwaltschaften. Pro Jahr brauchen wir alleine für die laufenden Projekte etwa 100.000 Euro. Ansonsten arbeiten wir rein ehrenamtlich.

Wie kann man den Verein am besten unterstützen?

Finanziell natürlich durch Spenden. Es gibt viele Menschen, die uns immer wieder mit eigenen tollen Initiativen unterstützen. Unser Ehrenmitglied, der Piano-Rocker Andy Lee, seine Frau Nadine und ihre Kinder sammeln zum Beispiel bei vielen Konzerten. Wer will, kann auch Fördermitglied werden.