Biomarker-Test-Entscheidung zeigt: Verfahren des G-BA brauchen einen Perspektivwechsel

Pressemitteilung: Dass die Verhandlungen über die Genexpressionsanalyse acht Jahre dauerten, zeigt, dass Patientensicherheit und der Zugang zu neuen Verfahren anders gewichtet werden müssen (21.06.2019)

Frau beim Arzt
Frau beim Arzt

Gestern beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), den Genexpressionstest Oncotype DX in den Katalog der Regelleistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen aufzunehmen. Laut aktueller Studienlage handelt es sich hierbei um den am besten geeigneten Test, um eine verlässliche Aussage über den individuellen Nutzen einer Chemotherapie bei bestimmten Brustkrebserkrankungen zu treffen. Dass es acht Jahre lang dauerte, bis der Test zur Kassenleistung wurde, hängt auch damit zusammen, dass bei solchen Entscheidungen eine ganzheitliche Betrachtung fehlt: „Die nun getroffene Entscheidung des G-BA begrüße ich sehr. Generell findet aber die Perspektive der Patientinnen und Patienten immer noch zu wenig Beachtung“, sagt Dr. Gertrud Demmler, Vorständin der Siemens-Betriebskrankenkasse SBK.

Der G-BA stand in den vergangenen Wochen häufig aufgrund langer Verfahren und Prozesse in der Kritik. Auch die Beurteilung der Genexpressionsanalyse dauerte acht Jahre. „Meiner Meinung nach bezieht das deutsche Gesundheitssystem die sogenannten patientenrelevanten Endpunkte einer Leistung kaum in die Bewertung ein. Selbstverständlich brauchen wir immer auch eine fundierte wissenschaftliche Betrachtung der Evidenz. Aber warum spielt es darüber hinaus selten eine Rolle, was eine Leistung den Patienten bringt, welche Bedürfnisse die Betroffenen haben? Und warum gelingt es in anderen Ländern schneller, einen Zugang zu schaffen?“ fragt die Vorständin der SBK. Bei der Bewertung der Genexpressionsanalyse sollte nicht nur ihre Wirksamkeit oder die Anzahl vermiedener Chemotherapien Berücksichtigung finden, sondern vielmehr auch der spürbare Nutzen für Patientinnen. Die Betrachtung der patientenrelevanten Endpunkte schließt Nebenwirkungen, gesundheitsbezogene Lebensqualität, Mortalität und Morbidität mit ein. Lässt sich eine Chemotherapie aufgrund des Tests vermeiden, bleibt beispielsweise die Fruchtbarkeit einer Frau erhalten. Ein enormer Vorteil für Betroffene mit Kinderwunsch, dennoch finden Punkte wie dieser wenig Beachtung in der Bewertung. Würde diese Perspektive in eine Nutzenbewertung einbezogen, könnten Entscheidungen in einigen Fällen nach Meinung der SBK deutlich schneller getroffen werden.

Empfehlungen internationaler Leitlinien finden keine Berücksichtigung

Der Oncotype DX ist der einzige biomarkerbasierte Test, der in alle wichtigen, international anerkannten Leitlinien für die Behandlung von Brustkrebs aufgenommen wurde. Es ist daher vor allem auch für Patientinnen schwer nachvollziehbar, weshalb langwierige Entscheidungsprozesse die Aufnahme des Tests in die Regelversorgung in Deutschland verzögert haben. Doch nicht nur beim G-BA kam es zu Verzögerungen: Hinzu kamen juristische Bedenken des Bundesversicherungsamts, da der Test in den USA durchgeführt wird.

Genexpressionsanalysen bieten Entscheidungsunterstützung

Sogenannte Genexpressionsanalysen oder Biomarker-Tests bestimmen das individuelle Rückfallrisiko von Brustkrebs im Frühstadium. Im Falle des Oncotype DX wird zusätzlich zur Aussage über das jeweilige Rückfallrisiko beantwortet, ob die Patientin einen individuellen Nutzen von der Gabe einer Chemotherapie hat. Gemeinsam mit ihrem Arzt können Frauen mithilfe des Ergebnisses ihre persönliche Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie treffen. Um ihre Versicherten dabei zu unterstützen, zahlt die SBK den Test bereits seit 2017. „Patienten sind keine unmündigen Wesen. Wir müssen ihnen daher die nötigen Instrumente zur Verfügung stellen, damit sie eine informierte Entscheidung treffen können“, sagt Dr. Gertrud Demmler.

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