Qualitätswettbewerb - Versicherte zeigen uns wo's lang geht

Impuls von SBK-Vorständin Gertrud Demmler

SBK-Vorständin Dr. Gertrud Demmler

Vor rund 2 Wochen hat die SBK zum zweiten Mal zum SBK-Forum Qualität geladen – einer Diskussionsrunde mit Politik, Verbraucherschützern, Fachjournalisten und Versicherten. Unser Thema ist ein Dauerbrenner für die SBK und ein Herzensthema für mich: Wie kommen wir weg vom Preiskampf in der GKV und hin zu einem echten Qualitätswettbewerb.

Es war eine lebhafte Diskussion, bei der mich vor allem die Beiträge der Versicherten nachhaltig beeindruckt haben. Mit großer Offenheit schilderten sie, wie sie „ihre“ Kasse erleben und was ihnen bei einer Krankenkasse wichtig ist. In meinem kurzen Abschluss-Statement sagte ich, dass wir hier ein Thema haben, das einen langen Atem braucht und bei dem wir dicke Bretter bohren müssen. Mit etwas zeitlichem Abstand möchte ich das noch einmal unterstreichen. Wir werden in zweierlei Hinsicht einen langen Atem brauchen:

Es beginnt mit der Definition, was Qualität in der GKV eigentlich ist. Ich erlebe einen starken Fokus auf die Qualität der medizinischen Versorgung. Das ist wichtig, keine Frage. Es gibt allerdings noch eine weitere relevante Ebene, die der Leistungsbereitschaft und Dienstleistung von Krankenkassen. Dieser Aspekt wird häufig belächelt und unter dem Überbegriff Service abgetan. Doch das wird der Sache nicht gerecht. Schaut man sich die Rückmeldungen von Versicherten an – sei es bei unseren eigenen Befragungen oder bei Verbraucherschützern wie der UPD, so zeigt sich ganz deutlich: persönliche Beratung, verständliche Sprache, transparente Prozesse, verlässliche Aussagen und der Kontakt mit jemandem, der sich kümmert – das sind zentrale Kriterien für eine gute Krankenkasse. Das hat sich auch in unserer Diskussionsrunde wieder bestätigt. Dies in die Köpfe von Politik und Branche zu verankern und dafür valide Parameter zu finden, wird uns einen langen Atem abverlangen.

Außerdem müssen wir weg von der Expertendiskussion. Ähnlich wie in der Medizin, bemühen sich auch in der GKV Experten darum zu definieren, was eine gute Krankenkasse ausmacht. Es ist das Bonusprogramm. Die Zahl und Beschaffenheit unserer Versorgungsverträge. Die Zahl der Projekte im Innovationsfonds. Die Eindrücke beim SBK-Forum Qualität haben mich einmal mehr bestätigt: Für die Bewertung der Ergebnisqualität ist das Votum der Betroffenen entscheidend. In der Medizin spielen deshalb sogenannte „patient reported outcomes“ eine immer größere Rolle. Auch in der GKV müssen wir dahin kommen, dass die Qualität einer Kasse nur dann als gut bewertet wird, wenn es die Versicherten selbst bestätigen. Mehr noch: Die Kriterien, was eine gute Krankenkasse ausmacht, können nur mit Versicherten gemeinsam entwickelt werden. Das ist – egal ob Medizin oder GKV – ein dickes Brett, auch weil wir Versicherten und Patienten im Gesundheitswesen oft kein mündiges Urteil zutraut.

Mein persönliches Fazit des SBK-Forum Qualität lautet deshalb Hinhören. Denn die Rückmeldungen der Versicherten erden und helfen dabei, den Fokus zu behalten. Und sie helfen mir dabei, einen langen Atem zu haben und am Thema Qualitätswettbewerb in der GKV dranzubleiben. Oder wie einer der Versicherten beim Forum sagte: „Es muss nur mal eine Kasse mit den austauschbaren Marketing-Versprechen aufhören und anfangen, ehrlich und transparent zu sein. Dann werden die anderen Kassen keine Wahl haben und diesem Beispiel folgen müssen.“