SBK-Forum Qualität 17.10.2018

Veranstaltung: Die SBK diskutiert mit Politikern, Verbraucherschützern und Experten, was Qualität in der GKV bedeutet (17.10.18)

 

Am 17. Oktober 2018 fand das erste SBK-Forum Qualität statt. Mit der Veranstaltungsreihe möchte die SBK einen Dialog darüber anstoßen, was Qualität in der Gesetzlichen Krankenversicherung eigentlich bedeutet. Im Gespräch mit Politik, Medien, Branche und Verbraucherschutz möchte die SBK erarbeiten, wie es gelingen kann, von einem Preiswettbewerb zu einem Qualitäts-Wettbewerb zu gelangen.

 

Zusammenfassung SBK-Forum Qualität im Oktober 2018

Im Oktober 2018 fand das 1. SBK-Forum Qualität statt. Abgeordnete des Bundestags, Verbraucherschützer und Pressevertreter diskutierten mit dem Vorstand der SBK über die Notwendigkeit einer GKV-Qualitätsdebatte und den politischen Regelungsbedarf.

Anlass für die Diskussionsrunde war die schon seit längerem zu beobachtende Preisdominanz im GKV-Wettbewerb. Ein Wettbewerb, in dem Qualität kaum eine Rolle spielt, obwohl es ganz offenkundig erhebliche Unterschiede zwischen den Krankenkassen gibt. Anders formuliert: Bei der Suche nach einer Krankenkasse findet ein Versicherter heutzutage keine verlässliche Antwort auf die Frage, bei welcher Kasse er „gut“ und bei welcher er „exzellent“ aufgehoben ist.

Alle Teilnehmer des 1. Forum Qualität waren sich einig, dass die Qualitätstransparenz für die Versicherten unzureichend sei. Denn die bestehenden Kassenvergleichsportale legen – mangels validerer Qualitätskriterien – den Fokus zumeist auf Satzungsleistungen, was ohne Aussagekraft für die tatsächliche „Leistungsbereitschaft“ einer Kasse ist. Auch die Anzahl von Verträgen, die eine Kasse mit Leistungserbringern geschlossen hat (z.B. im Bereich der integrierten Versorgung), wird häufig als Qualitätskriterium herangezogen – ohne dezidierte Betrachtung der tatsächlichen Ausgaben, der Relevanz in der Versorgung, des tatsächlichen Nutzens für die Patienten etc. Aus Versicherten- und Patientensicht fehlt mithin ein unabhängiges Portal, auf dem sie Preis und Qualität von Krankenkassen vergleichen und zur Grundlage ihrer Kassenwahlentscheidung machen können.

Verschiedene Akteure, wie etwa die ehemalige Patientenbeauftragte Ingrid Fischbach, haben in jüngerer Vergangenheit bereits die Offenlegung diverser Kennzahlen von Krankenkassen gefordert, darunter unter anderem die Zahl der (erfolgreichen) Widersprüche und Sozialgerichtsverfahren. Dies wäre zweifelsfrei ein richtiger und wichtiger Anfang. Zumal es sich, so die Vorstellung einer teilnehmenden Bundestagsabgeordneten, bei Krankenkassen um Körperschaften des öffentlichen Rechts handele und damit maximale Transparenz geboten sei. Die Politik müsse den entsprechenden ordnungspolitischen Rahmen für dieses Transparenzgebot schaffen.

Die verpflichtende Veröffentlichung dieser objektiven Qualitätskennzahlen sei im nächsten Schritt um reale, repräsentativ erhobene Versicherten-Erfahrungen zu erweitern, forderte der Vorstand der SBK. Inwieweit ein Kassen-Qualitätsmonitoring überhaupt die Einschätzungen von Versicherten beinhalten sollte, wurde im Gespräch dann sehr kontrovers diskutiert. Die Meinungen reichten von „kategorischem Ausschluss der subjektiven Versicherten-Perspektive“ bis hin zu „keine valide Qualitätsbeurteilung ohne Berücksichtigung der Versicherten-Erfahrungen“.

Diese skeptische Sicht auf subjektive Einschätzungen ist im Gesundheitswesen nicht neu. Auch in der medizinischen Nutzenbewertung wurde die Patientensicht lange Zeit unberücksichtigt gelassen. Inzwischen gelten die sog. Patient Reported Outcomes als unverzichtbar, da sie eine Perspektive auf das Erleben von Erkrankung und Behandlung ermöglichen – eine Nutzendimension, die für Patienten mindestens genauso bedeutsam sein kann wie klinische Gütemaße.

Die Frage der „richtigen“ Berücksichtigung von Versicherten-Erfahrungen wird mit Sicherheit bei den für 2019 geplanten Diskussionsrunden eine Rolle spielen – ebenso wie die auf der Erstveranstaltung von Abgeordnetenseite formulierten Forderung, dass sich Qualität „lohnen“ müsse: Es sei nicht im Sinne des Qualitätswettbewerbs, wenn eine Kasse für ein hohes Qualitätsniveau im Morbi-RSA benachteiligt und somit wirtschaftlich bestraft würde. Hier müsse sich Politik etwas überlegen.

 

Save-the-Date: Das nächste SBK-Forum Qualität findet am 20. Februar 2019 in Berlin statt. Informationen folgen in Kürze

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