Claudia Neumann zum Gesetzesentwurf zur Kryokonservierung

Hintergrund: Interview mit der Preisträgerin des Ehrenfelix (17.12.2018)

München, 17.12.2018. Darmkrebs-Vorsorge und -Früherkennung: Diesen Themen hat sich die Felix Burda Stiftung verschrieben. Gemeinsam mit der Siemens-Betriebskrankenkasse SBK verleiht die Stiftung den Ehrenfelix. Dieser Preis geht an Menschen, die sich in besonderer Weise um das Thema Darmkrebs verdient gemacht haben.

Einer dieser Menschen ist Claudia Neumann. Sie stand am 13. Mai 2018 im Berliner Adlon auf der Bühne und wurde für ihr beispielloses Engagement geehrt. Claudia Neumann hielt eine eindrucksvolle und lebensbejahende Rede, die alle Gäste im Raum tief berührte. Und nicht nur das. Sie hat sich offensiv an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gewandt und sich dafür eingesetzt, dass Kryokonservierung eine Kassenleistung wird. Damit hat sie einen Stein ins Rollen gebracht: Am 13. Dezember saß sie bei der 1. Lesung eines entsprechenden Gesetzes im Bundestag! Wir haben mit ihr gesprochen:

Von der Verleihung des Ehrenfelix im Mai bis zur Lesung des Gesetzes im Bundestag ist nur rund ein halbes Jahr vergangen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Sehr intensiv! Ich habe unzählige Interviews gegeben. Außerdem war ich mit Mitgliedern der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs und der DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, Anm. d. Redaktion) im Ministerium, um unseren Vorschlag zur Gesetzesänderung zu verteidigen. Ich habe diese Zeit als sehr erfüllend erlebt. Es ist für mich unglaublich und wunderbar zugleich, zu erleben, wie ich Einfluss nehmen kann. Ich hoffe, dass mein eigenes Schicksal vielen anderen Betroffenen den Weg der Genesung und dem Leben danach einen Sinn geben kann. Das erfüllt mich. Das macht mich stolz und glücklich. 

Bei der Verleihung des Ehrenfelix im Mai haben Sie für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn deutliche Worte gefunden. Woher haben Sie den Mut genommen, diesen Rahmen so zu nutzen?

Für mich hat das nichts mit Mut zu tun. Es ist sein Job, Dinge zu verändern. Missstände aufzudecken. Im Grunde genommen habe ich ihm nur dabei geholfen. Es war ein äußerst glücklicher Umstand, dass er am Abend der Verleihung des Ehrenfelix anwesend war. Und Dinge können am Ende nur geändert werden, wenn es jemanden gibt, der ausspricht, was ihm missfällt. Wenn man konstruktive Worte findet, nichts persönlich nimmt und bei den Fakten bleibt, braucht es nicht viel Mut. Intelligenz und Eloquenz sind da deutlich hilfreicher. 

Sie setzen sich selbstlos für eine Sache ein, von der Sie selbst als Betroffene leider nicht mehr profitieren können. Warum ist Ihnen das so ein Herzensthema?

Das Thema Kinderwunsch hat mich selbst betroffen bzw. betrifft mich ja nun indirekt immer noch. Ich tue Dinge aus Überzeugung und erwarte nichts im Gegenzug dafür. Das ist für mich die höchste Form der Zufriedenstellung und so kann es auch keine Enttäuschungen geben. Was gibt es Schöneres, als dass ich aus meiner schlimmen Situation noch so viel Gutes machen konnte? Dass ich so krank war, ergibt auf diesem Weg für mich nun irgendwie Sinn. Ohne mein eigenes Schicksal hätte ich mich sicherlich nicht so für das Thema engagiert. 

Wenn das Gesetz verabschiedet wird, wird auch das Thema Finanzierung geklärt werden. Aus Ihrer Erfahrung: Was brauchen betroffene Mädchen und Frauen noch an Unterstützung oder Aufklärung, jenseits der Finanzen?

Grundsätzlich finde ich es wichtig, sich hier nicht nur auf das weibliche Geschlecht zu fixieren. Männer leiden genauso an den Folgen ihrer möglichen Unfruchtbarkeit. Jeder in dieser Situation quält sich mit Fragen wie: Bin ich noch eine vollwertige Frau, ein vollwertiger Mann? Wer nimmt mich denn so noch?! Das sind am Ende nicht nur körperliche Spuren. Es sind die Spuren, die unsere Seele und unser Selbstbewusstsein davonträgt, die keiner sieht. Damit müssen wir umgehen lernen und dafür braucht es Unterstützung. Aufklärung ist notwendig, wenn das Gesetz einmal in Kraft getreten ist. Angehörige und Betroffene müssen wissen, welche Möglichkeiten und finanzielle Unterstützung es gibt. Dieser großartige Erfolg darf an keinem vorbeigehen. Als weiteres Projekt für die Zukunft kann ich mir vorstellen, die nächsten Angehörigen stärker mit einzubeziehen - das ist derzeit aber noch Zukunftsmusik. 

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Heinz-Ulrich König, Fachsprecher für ambulante Versorgung bei der SBK, zu dieser Entwicklung:

„Schon als wir im Mai Claudia Neumann den Ehrenfelix überreichen durften, waren wir tief beeindruckt davon, wie leidenschaftlich sie sich für das Thema Kryokonservierung einsetzt. Sie hat damit eine Diskussion in Gang gebracht, die vielen Krebspatienten helfen kann. Diese Menschen können jetzt auf eine Lösung hoffen, die wir ihnen als Krankenkasse bisher nicht anbieten konnten.“