Hintergrundinformation Homöopathie

Hintergrundinformation: Homöopathie bei der Siemens-Betriebskrankenkasse

1. In welchem Umfang übernimmt die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) eine Behandlung durch Homöopathen?

Die SBK ist vor zehn Jahren einem Vertrag zur Integrierten Versorgung zwischen dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), dem Deutschen Apothekerverband e.V. und vielen gesetzlichen Krankenkassen beigetreten. Teilnehmende Ärzte müssen u.a. über die Zusatzbezeichnung Homöopathie oder ein Diplom des DZVhÄ verfügen, um eine Reihe ärztlicher Beratungsleistungen erbringen zu dürfen.1 

Die Kosten für homöopathische Arzneimittel übernimmt die SBK nur im Rahmen eines sogenannten Wahltarifs. Das heißt: Versicherte, die eine Erstattung homöopathischer Arzneimittel wünschen, müssen diesen Tarif extra abschließen und dafür entsprechende Beiträge zahlen. Der Tarif muss sich „selbst“ tragen. Somit ist eine Quersubventionierung aus allgemeinen Beitragsgeldern gesetzlich ausgeschlossen.2  

 

2. Inwieweit konnte die Wirksamkeit von Homöopathie erwiesen werden und wie steht die SBK zu Studien, die eine homöopathische Behandlung als wirkungsfrei ansehen?

Es ist richtig, dass es keine wissenschaftlichen Studien gibt, die die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel eindeutig belegen – was aber im Umkehrschluss nicht heißt, dass sie nicht wirksam sein könnten. Diese Aussage trifft auch auf andere medizinische Behandlungsmethoden zu. Auch bei manchen Arzneimitteln sieht man eine vergleichbare Situation: Diese werden gezahlt, obwohl die Wirksamkeit nicht eindeutig belegt ist.3 Auf Basis dessen hat die SBK sich dazu entschieden, die Erstattung von homöopathischen Arzneimitteln nur im Rahmen eines o.g. Tarifs vorzusehen.

Bei der homöopathischen Behandlung und Beratung durch Ärzte ist unsere Einschätzung wie folgt: Hier deuten Befragungen stark darauf hin, dass diese den betroffenen Patienten helfen.4 Auch viele Kundenrückmeldungen haben das über Jahre bestätigt. Bei der SBK geben wir den Kunden die Wahlfreiheit, sodass sie Entscheidungen rund um ihre Gesundheit so treffen können, wie sie es für richtig halten.

 

3. Wieso ist es für die SBK kein Problem eine nicht beweisbare Behandlungsform (= Homöopathie) zu bezahlen, während dies bei beispielsweise Brillen nicht möglich ist?

Viele Kunden haben der SBK die Rückmeldung gegeben, dass ihnen homöopathische Behandlungen geholfen haben und sie sich deshalb eine Unterstützung der SBK wünschen. Diese leistet die SBK im Rahmen der Finanzierung der ärztlichen Leistung, homöopathische Arzneimittel werden nicht erstattet.

Andere Leistungen wie z.B. eine umfassendere Versorgung mit Brillen, als sie im gesetzlichen Katalog vorgesehen ist, liegen nicht immer im Ermessen der Krankenkasse. Speziell bei Brillen schließt die gesetzliche Regelversorgung eine weitere Kassenleistung z.B. im Rahmen einer Satzungsleistung rechtlich aus. Bei homöopathischen Behandlungen hingegen besteht die rechtliche Möglichkeit, ein Angebot über Selektivverträge zu schaffen, was die SBK so wie viele andere gesetzliche Krankenkassen auch nutzt.

 

4. Wie hoch sind die jährlichen Kosten durch homöopathische Behandlungen für den Beitragszahler?

Die SBK gibt insgesamt über 500 Mio. Euro pro Jahr für die ärztliche Behandlung und insgesamt über 2,7 Mrd. Euro über alle Leistungssektoren (Krankenhaus, Arzneimittel, etc.) aus. Die Kosten für den mit dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte geschlossenen Vertrag belaufen sich auf 0,22% der Kosten für eine ärztliche Behandlung und 0,04% der Gesamtausgaben. In absoluten Zahlen beliefen sich die Kosten im Jahr 2017 auf 1,1 Mio. Euro.

Der Gesetzgeber hat den sogenannten „besonderen Therapierichtungen“ (Homöopathie, Anthroposophie und Pflanzenheilkunde) ausdrücklich einen Platz in der gesetzlichen Krankenversicherung eingeräumt: „Behandlungsmethoden, Arznei- und Heilmittel der besonderen Therapierichtungen sind nicht ausgeschlossen“, heißt es im Gesetz.5  

 

5. Warum senkt die SBK nicht lieber den Zusatzbeitrag, als weiter für homöopathische Behandlungen aufzukommen? 

Um den Zusatzbeitrag um 0,1% zu senken, müssten die Kosten um ca. 18 Millionen Euro sinken – bzw. um 18 Euro pro Versicherten. Alleine durch die Streichung der Leistungen für homöopathische Behandlungen hätten wir hier nur einen Bruchteil der Kosten eingespart, nämlich 1,1 Mio. Euro, ohne dabei die durch eine Streichung ggf. entstehenden anderweitigen Therapiekosten einzubeziehen.

Als kundenorientierte Krankenkasse sieht die SBK darüber hinaus großes Potential in der Finanzierungssituation der GKV – eine Überarbeitung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) würde hier z.B. deutlich weitreichendere Effekte herbeiführen.6 

 

Stand: 8. Januar 2018

 

 

1 https://www.sbk.org/leistungen/leistungen-von-a-z/homoeopathie/ 

2 https://www.sbk.org/versicherung/wahltarife/arzneimitteltarif/ 

3 http://www.bfarm.de/SharedDocs/Glossareintraege/DE/F/FiktiveZulassung.html  

4 https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/pid/gesundheitsmonitor-patienten-fuehlen-sich-durch-homoeopathische-behandlung-gut-versorgt/ 5 http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbv/73.html   

6 https://www.sbk.org/pressemitteilungen/einzelansicht/artikel/morbi-rsa-gutachten-die-wichtigsten-punkte-im-ueberblick-teil-2/