Das Post-Holiday-Syndrom

Tipps gegen das Down nach dem Urlaub.

Ja, wir Deutschen können eines: Jammern! Regnet es, ist Regen doof. Scheint die Sonne, ist es schnell zu heiß. Und nach dem Urlaub fällt sowieso alles schwer: die Flut an unbeantworteten Mails, der Wäscheberg, der Gang ins Büro gleicht dem nach Canossa. Deutsches Phänomen? Denkste! „Post-Holiday-Syndrom“ nennt es die psychologische Fachwelt. Etwa zwei Drittel der arbeitenden Bevölkerung sollen daran leiden. Wir können also nichts dafür?! Das schon. Aber dagegen unternehmen lässt sich etwas.

Das Tief nach dem Urlaub dauert meist drei Tage

Vergleichen wir Körper und Geist mal mit einer Dampflok: Erst mal Fahrt aufgenommen, bleibt sie nicht auf Anhieb stehen. Soll sie nach dem Stopp wieder in die Gänge kommen, braucht’s eine Weile und viel Energie. Ebenso verhält es sich bei vielen Berufstätigen. Im Schnitt dauert der Tschüss-Urlaub-Blues zwischen einem und drei Tagen. Und: Je länger Sie dem Joballtag entflohen sind, desto schwerer fällt es Tempo aufzunehmen. Ist Stress im Büro programmiert, dann sinkt die Stimmung sogar bis zu zwei Tage vor Urlaubsende in den Keller. Das hat der niederländische Tourismusforscher Jeroen Narwijn wissenschaftlich analysiert.

Balance finden – Auszeiten einplanen

Doch was nun tun? In jedem Fall sollten Sie sich auf die Tatsache einstellen, dass sich die Leistungsfähigkeit nach dem Urlaub nicht auf Knopfdruck auf das Maximum ausdehnen lässt. Überfrachten Sie Ihre ersten Arbeitstage also nicht. Das bringt nur noch mehr schlechte Laune. Teilen Sie die Arbeit in überschaubare Einheiten auf. Sonst prasselt schnell die Negativwelle auf Sie herab. Differenzieren Sie genau zwischen zeitlich Wichtigem und Unwichtigem. Klar muss sein, nicht alles Liegengebliebene kann direkt abgebaut werden. Entscheidend ist, die Prioritäten zu kennen.

Gehen Sie raus!

Gönnen Sie sich eine schöne Mittagspause und gehen Sie rechtzeitig in den Feierabend. Zwischendurch hilft ein kurzer Gedanke an ein besonders schönes Urlaubserlebnis. Als Hilfestellung können Sie sich ein Souvenir ins Büro mitbringen. Wer vorwärts denkt, der plant gleich den nächsten Kurztrip! Denn die Forschung belegt: Fünf bis zehn Tage Urlaub im Quartal sind im Schnitt erholsamer als nahezu den kompletten Jahresurlaub am Stück zu verbraten.

Verschanzen Sie sich nicht im Büro. Teilen Sie Ihre Urlaubserlebnisse mit Ihren Kollegen. Tauschen Sie sich aus. Das fördert nicht nur Teamspirit, sondern steigert auch die Grundstimmung im Büro. 

Büro-Blues? – Tipps für Vorgesetzte

Auch Chefs können den Wiedereinstieg leichter machen. Schenken Sie dem Urlaubsrückkehrer persönliche Aufmerksamkeit. Interessieren Sie sich nicht nur für seine Arbeitskraft, sondern nehmen Sie Anteil an dessen Urlaubserlebnissen. Strukturierte Briefings mit klaren To-dos geben zum Start Orientierung. Ein Update, was während des Urlaubs Wichtiges geschehen ist, hilft ebenfalls.

Dosieren Sie nach Möglichkeit die Arbeitsanforderungen in den Tagen nach dem Urlaub. Denn: Niemand wird gerne überfallen. Ohnehin wirken sich häufig größere Freiheiten bei der Arbeitsgestaltung positiv auf die Arbeitsmoral und die Ergebnisse aus. Und wenn der Mitarbeiter sich im Büro verschanzt und gleich in den Überstundenmodus verfällt, zeigen Sie Härte und schicken ihn in die Pause oder nach Hause. So machen Sie Punkte bei ihm und anderen Kollegen!

Burnout – ein weit verbreitetes Phänomen

Die Balance zwischen Anspannung und Entspannung ist entscheidend für psychisches Wohlbefinden. Wir Menschen brauchen beides, die Ruhe wie das Abenteuer, den Adrenalin-Kick und das Abhängen. Arbeiten bis zum Umfallen – das führt über einen längeren Zeitraum mit Sicherheit zu einem Burnout. Also, Ihr High-Performer da draußen, beachtet die Studienlage: Wem es gelingt, Arbeit und Freizeit sauber zu trennen und beides in Einklang zu bringen, der leistet im Beruf mitunter mehr, so das Ergebnis einer Arbeit der Psychologin Sabine Sonnentag von der Universität Mannheim.

Die Lage in Deutschland ist Ernst, Burnout ist ein Volksleiden. Die Symptome: Hörsturz, Drehschwindel, Schlafstörungen, Angstzustände, Herzbeschwerden – alles auf einmal oder nur vereinzelt. Die totale Erschöpfung zeigt sich oft in unterschiedlichen Gewändern. Nicht selten verbirgt sich dahinter eine handfeste Depression. Burnout ist nichts, was Sie aussitzen sollten. Suchen Sie sich Unterstützung bei einem Psychologen und lassen Sie sich helfen, das Leben wieder in Balance zu bringen.

Tipps zum Start in einen entspannten Feierabend

Damit es gar nicht erst so weit kommt, sind ein erholsamer Feierabend und ein entspanntes Wochenende wichtig. Nachfolgende Tipps können Ihnen helfen, Stress abzubauen.

  • Bleiben Sie ruhig länger im Büro. Aber nur, um Ordnung zu schaffen und Ihre To-dos für den kommenden Tag oder die Folgewoche zu aktualisieren. Das gibt Ihnen das Gefühl, nichts zu vergessen, und die zu erledigenden Aufgaben poppen ihnen nicht noch abends im Kopf auf. Zudem ist es schöner an einem aufgeräumten Schreibtisch in den Tag zu starten.
  • Positiv denken! Also nicht nur innerlich danach Ausschau halten, was Sie alles noch nicht geschafft haben. Ziehen Sie Résumé, welche Aufgaben Sie bereits erledigt haben.
  • Reflektieren Sie! Was war gut, was war schlecht? Ziehen Sie daraus Learnings für die kommenden Tage.
  • Verabschieden Sie sich von Ihren Kollegen. Auch ein Dankschön zieht für alle Beteiligten ein angenehmes Gefühl nach sich.
  • Parken Sie Ihr Auto ein paar Minuten vom Zuhause weg oder steigen Sie ein paar Stationen früher aus Bus und Bahn. So bekommt Ihr Körper etwas zusätzliche Bewegung und Sie können auf andere Gedanken kommen.

Und denken Sie vor allem an eines: Immer erreichbar zu sein bedeutet vielfach auch immer erschöpft zu sein! Laut einer Studie schauen bereits heute zwei Drittel aller Angestellten abends regelmäßig auf Ihr Handy und checken E-Mails fürs Büro. An Erholung oder Schlaf ist dadurch nicht zu denken. „Nur noch kurz die Welt retten...“ – das geht gewiss nicht so! Schalten Sie das Handy also lieber ruhig mal aus.