Nachhaltige Finanzierung

Die vorhandenen Ressourcen müssen konsequent zum Wohle der Versicherten eingesetzt werden. Dazu ist es wichtig, unser Wirtschaften an Kriterien der Qualität und Nachhaltigkeit auszurichten.

Die Qualität der Versorgung sollte eine Leitplanke für einen nachhaltigen Mitteleinsatz im Gesundheitswesen darstellen. Dies gilt vor allem in Finanzierungsfragen des GKV-Systems. Für die Zukunftsfähigkeit des deutschen Gesundheitswesens ist dies essentiell. Wie und wo können und müssen wir die knappen Mittel sinnvollerweise zum Wohle der Versicherten und im Sinne der Solidargemeinschaft einsetzen? Wie und an welchen Stellen können wir unser Wirtschaften an Kriterien der Qualität und Nachhaltigkeit ausrichten?

Aus unserer Sicht ist es entscheidend, dass die Politik in der kommenden Legislaturperiode einen geeigneten Rahmen dafür setzt, damit Qualität und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen:

Die Pandemie selbst, aber auch kostspielige Gesetze im Gesundheitswesen der vergangenen Jahre führen zu einer großen Finanzlücke. Der geplante Bundeszuschuss für die GKV kompensiert dieses Defizit nur zum Teil. In der neuen Legislaturperiode entsteht erheblicher Spardruck; dies gerade in einer Zeit, in der wichtige Investitionen in Digitalisierung und Innovationen nötig werden. Angesichts begrenzter Ressourcen im Gesundheitswesen besteht ferner die Notwendigkeit, Versicherte möglichst effektiv und effizient im System zu versorgen.

Wir sprechen uns dafür aus „choosing wisely“ Verfahren bei der Versorgung von Patient*innen zu etablieren – verbunden mit einem höheren Zeitbudget pro Patient*in bei der Behandlung und Beratung durch den Arzt bzw. die Ärztin, um eine verstärkte Beratung und Begleitung der Versicherten möglich zu machen. 

Deshalb brauchen wir unter anderem eine verpflichtende Berücksichtigung von unabhängig erhobenen Qualitätsfaktoren einer Behandlung, im Krankenhaus mit einer daran orientierten Finanzierungssystematik. Begleitend fordern wir die Anpassung des Vergütungssystems im ambulanten und stationären Sektor, damit auch Daten über die Zufriedenheit der Patient*innen miteinbezogen werden.

Wichtig ist uns zudem die Aufwertung der menschenorientierten Dienstleistung (z.B. in der Pflege): Einsparungen und Zeitdruck bei diesen vom Menschen erbrachten Diensten wirken gerade im Gesundheitswesen kontraproduktiv. Nachhaltigkeit heißt hier, auf die individuelle Situation der Patienten eingehen, sie beraten und in ihrer persönlichen Situation bestmöglich versorgen.

Auch bei der Verordnung von Medikamenten, Heil- und Hilfsmitteln müssen Nachhaltigkeitsaspekte Berücksichtigung finden. Dabei geht es nicht um Kosteneinsparung, sondern um den optimalen Einsatz der Mittel der Versichertengemeinschaft - zugunsten einer hochwertigen und bedarfsgerechten Versorgung:

Wichtige Aspekte dabei sind:

  • Die Berücksichtigung des individuell ermittelten passgenauen Bedarfs, d.h. Versicherte sollen die für die Therapie erforderlichen, ausreichenden und qualitativ hochwertigen Maßnahmen erhalten. Dazu können auch Erkenntnisse von Kassen (über deren Abrechnungsdaten) und Leistungserbringern hinzugezogen werden – z.B. für eine Beratung zugunsten eines individuell passendes Medikationsmanagements.
  • Die Berücksichtigung von Inanspruchnahme und Nutzung einer Maßnahme. Sie sollte maßgeblich sein bei der Verordnung - z.B. sollte bei DIGAs auf die tatsächliche Inanspruchnahme/Nutzung abgestellt werden, um fehlgeleitete Kosten für die Solidargemeinschaft zu vermeiden.
  • Kriterien beim Einkauf von Arzneimitteln sollen sich ebenso an Nachhaltigkeitsaspekten orientieren - z.B. bedarfsgerechte Verpackungsgrößen oder recycelbares Material

Lesen Sie hier unsere Forderungen zu

Digitalisierung

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet voran. Um die vollen Potenziale auszuschöpfen, braucht es eine konsequentere Ausrichtung an einer nutzerzentrierten und gemeinwohlorientierten Datennutzung.

Qualität und Transparenz

Versicherte brauchen für informierte Entscheidungen mehr Transparenz. Grundlage für die Beratung rund um diese Entscheidungen müssen verstärkt die tatsächlichen Erfahrungen von Patient*innen sein.

Geeigneter Wettbewerbsrahmen

Wir brauchen den Wettbewerb unter den Kassen für eine bestmögliche versichertenzentrierte Versorgung. Und Wettbewerb braucht faire Rahmenbedingungen für die Sicherstellung der Kassenvielfalt.

Neuausrichting des Datenschutzes

Die Abwägung zwischen Gesundheitsschutz und Datenschutz sollte in Deutschland die politisch-gesetzgeberische, aber auch gesellschaftliche Debatte viel umfassender prägen.