FAQ Patientenverfügung

Fragen und Antworten zum Thema Patientenverfügung.

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht – diese Themen sind zentrale Steuerungsmöglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben. Dennoch werden sie häufig sehr lange aufgeschoben. Unsere SBK-Expertin Katharina Bernlochner hat mit Ihrem Team viele Fragen gesammelt und beantwortet.

 

 

Was ist eine Patientenverfügung?

Sie legen darin fest, welche medizinischen Behandlungen und lebenserhaltende Maßnahmen gewünscht oder unerwünscht sind, falls Sie nicht mehr ansprechbar sind. Dazu gehören beispielsweise künstliche Beatmung und Ernährung, schmerzlindernde Therapien und Wiederbelebungsversuche.

Wie unterscheiden sich Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung?

Eine Vorsorgevollmacht bietet umfassende Möglichkeiten, Ihre Angelegenheiten von Dritten entscheiden zu lassen, falls Sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind. Vorsorgevollmachten können Sie unter anderem für die Bereiche Vermögensverwaltung, Gesundheitsfürsorge, Pflegebedürftigkeit, Aufenthalts- und Wohnungsangelegenheiten ausstellen. Der Bevollmächtigte wird im Unterschied zur Betreuungsverfügung nicht gerichtlich überwacht.

Eine Patientenverfügung richtet sich direkt an Ärzte. Im Gegensatz zur Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung bezieht sich die Patientenverfügung nur auf die medizinische Versorgung. In der Patientenverfügung legen Sie vorab fest, welche Behandlungen und Therapien gewünscht oder unerwünscht sind, falls Sie nicht mehr ansprechbar sind. Dazu gehören beispielsweise künstliche Beatmung und Ernährung, schmerzlindernde Maßnahmen und Wiederbelebungsversuche. Mit einer Patientenverfügung bevollmächtigen Sie also keine Person zur Wahrnehmung Ihrer Interessen. Dazu bedarf es zusätzlich einer Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung.

Eine Betreuungsverfügung macht immer dann Sinn, wenn Sie niemandem das nötige Vertrauen für eine Vorsorgevollmacht schenken. In einer Betreuungsverfügung können Sie mögliche Betreuer vorschlagen und Ihre Vorgaben und Wünsche für den Betreuungsfall festhalten. Im Unterscheid zur Vorsorgevollmacht muss der Betreuer erst durch das Betreuungsgericht bestellt werden. Anders als bei einer Vorsorgevollmacht wird der Betreuer dann bei seiner Tätigkeit vom Gericht überwacht.

Muss eine Patientenverfügung schriftlich erfolgen?

Ja, die Schriftform gibt den eigenen Willen unverfälscht wieder.

Welche Bereiche umfasst eine Patientenverfügung?

Die Patientenverfügung geht auf die medizinische Situation und den Krankheitszustand ein und beschreibt möglichst konkret die gewünschten oder ausdrücklich unerwünschten Maßnahmen. Sie dokumentiert die persönlichen Wünsche, Einstellungen und Wertvorstellungen zum Leben und Sterben.

Im Idealfall verbinden Sie die Patientenverfügung mit der Vorsorgevollmacht. Dann kennt Ihr Vertrauter Ihre Behandlungs- und Therapiewünsche und kann Entscheidungen treffen, die am besten Ihren Wünschen entsprechen.

Welche Punkte sollte eine Patientenverfügung beinhalten?

Neben dem Namen, Vornamen, Geburtsdatum, Geburtsort und der Anschrift beschreibt eine Patientenverfügung die medizinische Situation und die daraus abzuleitende Maßnahme möglichst konkret.

Gibt es Musterformulare oder Formulierungshilfen?

Ja. Die Bundesärztekammer, der Bundesanzeiger Verlag, und das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz stellen Musterformulare kostenlos zur Verfügung.

Was ist beim Einsatz von Musterformularen oder Formulierungshilfen zu beachten?

Jedes Leben ist einzigartig. Eine eigens formulierte Patientenverfügung geht daher am besten auf die persönlichen Umstände, Wünsche und Bedürfnisse ein. Musterformulare bieten dabei inhaltlich und vom Aufbau her Orientierung. Es gibt zudem hilfreiche Literatur, die gut in das Thema einführt, wie beispielsweise die Broschüre vom C.H. Beck Verlag: „Vorsorge für Unfall, Krankheit und Alter“ (kostenpflichtig für 5,50 Euro).

Wie bekommt der Arzt meine Patientenverfügung?

Die Patientenverfügung wird nach Möglichkeit an einem gut zugänglichen Ort oder in der Nähe des Patienten aufbewahrt. Im Ernstfall legt eine Vertrauensperson sie dem behandelnden Arzt vor.

Muss meine Patientenverfügung von Ärzten und anderen Dritten beachtet werden?

Eine Patientenverfügung ist für Ärzte bindend, wenn der beschriebene körperliche oder geistige Zustand mit der aktuellen Gesundheitssituation übereinstimmt. Stimmt der aktuelle Zustand nicht mit den Festlegungen der Patientenverfügung überein, ermittelt der Betreuer oder der Bevollmächtigte den mutmaßlichen Willen und trifft gemeinsam mit dem Arzt eine Entscheidung.

Was passiert, wenn es keine schriftliche Patientenverfügung gibt?

Liegt keine schriftliche Patientenverfügung vor, entscheidet der Betreuer oder der Bevollmächtigte. Dazu wird der mutmaßliche Wille anhand von früheren Äußerungen und Gesprächen mit vertrauten Personen ermittelt.

Wo sollte ich Patientenverfügungen am besten aufheben?

Pflegende Angehörige und Vertrauenspersonen müssen die Patientenverfügung leicht finden können. Sie kann beispielsweise in der Geldbörse, auf dem Schreibtisch oder am Bett verwahrt werden. Angehörigen und Ihrem Hausarzt können Sie außerdem eine Kopie geben.

Was muss ich tun, wenn ich eine Patientenverfügung nicht mehr will?

Solange der Betroffene gesundheitlich in der Lage ist, seinen Willen zu äußern, kann er seine Patientenverfügung jederzeit formlos widerrufen.

Kann eine Patientenverfügung zeitlich begrenzt werden?

Ja, eine Patientenverfügung kann zeitlich begrenzt werden. Das ist beispielsweise bei einem Koma sinnvoll. In einer Patientenverfügung können Sie festlegen, dass Sie in diesem Zustand nicht länger als ein Jahr künstlich ernährt werden möchten.

Gibt es ein Archiv für Patientenverfügungen?

Patientenverfügungen können beispielsweise beim Notar, beim Gericht oder beim Humanistischen Verband Deutschland oder hinterlegt werden. Sie können zudem im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registriert werden. Das kostet einmalig 13 Euro. Wenn Sie nicht am Lastschriftverfahren teilnehmen, kostet es 15,50 Euro.

Was ist eine Betreuungsverfügung?

Wenn es niemanden gibt, dem Sie das nötige Vertrauen für eine Vorsorgevollmacht schenken, können Sie eine Betreuungsverfügung erstellen. In einer Betreuungsverfügung können Sie mögliche Betreuer vorschlagen und Ihre Vorgaben und Wünsche für den Betreuungsfall festhalten. Im Unterscheid zur Vorsorgevollmacht kann der Betreuer erst tätig werden, wenn er vom Vormundschaftsgericht bestellt wurde. Anders als bei einer Vorsorgevollmacht wird der Betreuer vom Gericht überwacht.

Kann ich durch meine Patientenverfügung einer Organspende zustimmen?

Ja. In der Patientenverfügung müssen Sie allerdings eindeutig darauf hinweisen. Wenn Sie Ihre Bereitschaft zur Organspende erklärt haben und gleichzeitig lebensverlängernde Maßnahmen ablehnen, kann es zu Konflikten kommen. Organe dürfen erst nach dem Hirntod entnommen werden. Damit die Organe transplantiert werden können, müssen ihre Lebensfunktionen allerdings bis zur Entnahme verlängert werden. Eine eindeutige Regelung durch die Patientenverfügung gibt dem Arzt eine klare Handlungsanweisung. Durch eine Patientenverfügung können Sie eine Organspende auch ausdrücklich ablehnen.